Internationales Forscherteam stellt erste Ergebnisse vor

Der Kaiserstuhl ist eine Beispielregion für seltene Gesteine

Kai Kricheldorff

Von Kai Kricheldorff

Di, 10. Oktober 2017 um 17:28 Uhr

Ihringen

Hinter dem Kunstwort "Hi-Tech-Alk-Carb" verbirgt sich das weltweit größte Projekt zur Erforschung von mineralhaltigem Magmagestein (Karbonatit) und alkalischen Gesteinen. Jetzt wurden die Erkenntnisse vorgestellt, die ein internationales Team von Geologen dazu am Kaiserstuhl in den vergangenen 11 Monaten gewonnen hat (die BZ berichtete). Mehr als 150 Besucher kamen dazu ins Naturzentrum Kaiserstuhl in Ihringen.

IHRINGEN. Im November 2016 und im Februar dieses Jahres flog ein Forschungshubschrauber in einer Höhe zwischen 100 und 150 Metern in Linienabschnitten von 70 Metern über den Kaiserstuhl. Dabei wurden die geologische Kartierung des Vulkangebirges im Rheintal sowie Strahlenmessungen vorgenommen und mit Sonden magnetische Signale eingefangen. 3500 Kilometer betrug die Gesamtflugleistung.

In den Gesteinsformationen wurden Wasserproben entnommen und es fanden Probebohrungen bis zu 350 Meter Tiefe statt. "Wir konnten hier wichtige geophysikalische und chemische Daten gewinnen und die Gesteinsstruktur bis zu einer Tiefe von 1800 Metern analysieren. Der Kaiserstuhl ist weltweit die ideale Beispielregion für eine Vulkanlandschaft mit vielen seltenen Gesteinsarten, in der man ihre Zusammensetzung sowie ihre kristallinen Schlote sehr gut erforschen kann", so Projektleiterin Professor Frances Wall. Sie lehrt Geologie an der Universität von Exeter in England.

Zu dem Forscherteam, das in Ihringen seine geophysikalischen Ergebnisse vom Kaiserstuhl präsentierte, gehören Experten aus Portugal, Namibia, Großbritannien und Deutschland. In Südafrika, Italien, Malawi, Namibia, der Mongolei, auf der Insel Grönland und am Kaiserstuhl sucht das Team neue Erkenntnisse für die Gewinnung kritischer High-Tech-Rohstoffe in alkalischen Gesteinen und Karbonatiten. "Um ökonomisch und ökologisch verträgliche Modelle zu entwickeln, mit denen nach Mineralisationen in Tiefen von 1 000 Metern und mehr gesucht werden kann", erklärt Geochemiker Benjamin Walter von der Universität Tübingen. Die Forscher erhoffen sich Erkenntnisse darüber, welche seltenen Gesteinsarten sie in größeren Tiefen von Vulkanregionen erwarten können.

Europas Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu verbessern, ist das strategische Ziel des Projektes, das von der Europäischen Union gefördert wird. Lediglich drei Prozent der globalen Versorgung mit kritischen Rohstoffen werden derzeit in Europa erzeugt. Im digitalen Zeitalter wird der Bedarf sie rapide zunehmen. Zuverlässiges Wissen über die Stoffe zu erlangen, wo sie gefunden und wie sie abgebaut werden können, ist daher eine wichtige Aufgabe.

Träger für das auf vier Jahre angelegte Projekt, das im Frühjahr 2020 ausläuft, sind fünf Universitäten, vier Industrieunternehmen, zwei nationale geologische Landesämter und das Naturhistorische Museum in London. Experten dieser Institutionen tauschten in Breisach drei Tage ihre Forschungsergebnisse aus und unternahmen Exkursionen in den Kaiserstuhl. Im Rahmen des Tags der offenen Tür präsentierten sie im Naturzentrum Kaiserstuhl in Ihringen Teilergebnisse ihrer Arbeit.

Erfreut waren die Wissenschaftler über das große Publikumsinteresse. Neben Fachleuten aus dem universitären Bereich und vom in Freiburg ansässigen Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau waren auch viele Bürger aus dem Kaiserstuhl gekommen, um die Forscher zu befragen und den abschließenden Vortrag von Benjamin Walter von der Universität Tübingen über die Untersuchungen am Kaiserstuhl zu hören.