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22. Juni 2011

Die natürliche Aromatik des Weins erhalten

PORTRÄT: Das ökologische Weingut Pix aus Ihringen zählt zur Oberklasse der deutschen Biowinzer.

  1. Reinhold und Helga Pix betreiben seit 1984 ein Weingut in Ihringen, in dem sie Ökoweine ausbauen. Foto: kai kricheldorff

Gibt es etwas, was es eigentlich gar nicht geben darf? Manchmal schon, zum Beispiel beim Wein. In Ihringen erntet das Weingut Pix Trauben der alten württembergischen Rebsorte Lemberger und vereinigt sie im Barriquefass mit Kaiserstühler Spätburgunder.

Quasi als Scharnier wird ein geringer Teil von Cabernettrauben hinzugegeben und so ein echter baden-württembergischer Rotwein ausgebaut, was Puristen und Patrioten möglicherweise unvorstellbar erscheinen mag. Aber vielleicht war es gerade diese Unmöglichkeit, die den Winzer Reinhold Pix gereizt hat, die Herausforderung anzunehmen, einen Wein herzustellen, der beide Landesteile aufs Beste miteinander vereinigt. In zweifachem Sinne kann man Pix als Quereinsteiger in den badischen Weinbau bezeichnen. Der 55-Jährige ist ein studierter Forstwissenschaftler und ein Schwabe, der in Stuttgart geboren und aufgewachsen ist, aber am Kaiserstuhl ein ökologisches Weingut betreibt.

Als er vor mehr als 25 Jahren mit seiner Frau Helga einen alten Bauern- und Winzerhof in Ihringen übernahm, stand fest, dass die beiden sich dem biologischen Landbau verschreiben würden. Von Beginn an waren ihre Weine mit dem Siegel "Bioland" zertifiziert. "Schon damals gab es hier in der Gegend einzelne Landwirte und Winzer, die ernsthaft mit Ökoanbau experimentierten, wofür sie seinerzeit häufig noch mitleidig belächelt wurden", erinnert sich Reinhold Pix, der seit 2006 Abgeordneter der Grünen im Stuttgarter Landtag und weinbaupolitischer Sprecher seiner Fraktion ist.

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Vor fünf Jahren hat die Familie Pix die Landwirtschaft aufgegeben. Seitdem konzentriert sie sich ausschließlich auf den ökologischen Weinbau. "Es war ein steiniger Weg, bis wir uns so weit als Winzer freigeschwommen hatten, und wir haben eine Menge Lehrgeld dafür zahlen müssen", sagt Pix rückblickend. Der Lohn für diese Ausdauer sind hochwertige Klassifizierungen von Pix-Weinen in namhaften Weinführern: zwei Trauben im Gault Millau und dreieinhalb Sterne im "Eichelmann".

Von Beginn an bestand das Hauptziel von Helga und Reinhold Pix darin, ökologischen Weinbau so zu betreiben, dass die Qualität ihres Bioweins höchsten Ansprüchen gerecht wird. Die Kernfrage dabei ist: Wie lassen sich unter Verzicht auf pestizide Wirkstoffe gute und gesunde Trauben ernten? Jahrelang experimentierte das Winzerehepaar, ungeachtet des zusätzlichen Aufwands, den der Weinausbau auf ökologischer Grundlage erforderte. Und sie scheuten dabei keine Mühe. Die Traubenernte erfolgt selektiv von Hand, zur schonenden Beerenlese kommen ausschließlich Champagnerboxen (Fassungsvermögen 20 Kilogramm) zum Einsatz, um den Druck auf die Trauben zu vermindern. Der Jungwein bleibt weitgehend unbehandelt, damit die natürlichen Aromen nicht verloren gehen, und selbstverständlich wird auch auf ein Schönen des Weins durch Zusatz fremder Aromastoffe verzichtet.

Im Weinmarkt hat das Ihringer Winzerpaar längst eine kleine, feine, aber auch stabile Nische erobern können. Auf Weinmessen und vinologischen Meetings wie dem Art Vinum in Stuttgart, den Baden-Württemberg Classics oder der Plaza Culinaria in Freiburg ist es regelmäßig vertreten. Die gehobene Gastronomie zwischen Nordsee und Alpen listet auf ihren Weinkarten zunehmend Pix-Weine aus Ihringen.

"Viele konventionell arbeitende Winzer haben von uns gelernt", sagt Pix und betont, dass es die Biowinzer waren, die als Erste die risikoreiche, aber schließlich erfolgreiche Philosophie "Klasse statt Masse" verfolgt und verfeinert und damit dem Weinbau insgesamt eine größere Qualitätsorientierung gegeben hätten.

In drei Abschnitte unterteilt der Ihringer Biowinzer die Entwicklung seines Weingutes: experimentieren, professionalisieren, stabilisieren. Phase 1 war die Zeit, in der das Lehrgeld bezahlt wurde. In der zweiten Phase kam die qualitative Verbesserung des Weinausbaus. In diesem Zeitraum begannen die Weine aus dem Hause Pix in die Oberklasse der deutschen Bioweinliga aufzusteigen. In Phase 3 geht es darum, nachhaltig die erfolgreiche Position im hart umkämpften Weinmarkt zu halten.

Beim Weinbau hängt das auch stark von äußeren Bedingungen ab. "Aufgrund des Klimawandels ist die Erzeugung guter Weinqualitäten schwerer geworden", erklärt der Ihringer Weingutbesitzer. Das Terroir verändere sich und nur durch einen höheren Aufwand könnten die erreichten hohen Qualitätsstandards gehalten werden. Reinhold und Helga Pix setzen jedoch nun erst recht auf nachhaltigen Ökoweinbau. Erst kürzlich haben sie ihr unter Denkmalschutz stehendes Hofanwesen im Ihringer Ortskern saniert und umgebaut. Im ehemaligen Stall entstand die neue, größere Kelterhalle. So konnte die Kellerkapazität verdoppelt und das Flaschenlager beträchtlich erweitert werden. Ein neuer Verkaufsraum wird den Umbau des Weingutes abrunden.

Dort ist inzwischen auch die Nachfolgefrage geklärt. Sohn Hannes Pix steht vor dem Abschluss seines Studiums als Weinbauingenieur und wird demnächst als Juniorchef in das Familienunternehmen einsteigen.

Autor: Kai Kricheldorff