Schillernde Luftakrobaten

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mo, 03. September 2018

Vogtsburg

Libellenexkursion des Naturzentrums Kaiserstuhl vermittelt Wissenswertes zu den Insekten.

VOGTSBURG/KAISERSTUHL. Ob gewaltiger Mammutbaum oder filigrane Orchidee, ob Bienenfresser oder Smaragdeidechse, ob am Rhein oder im Kaiserstuhl – vor der hiesigen Haustür gibt es in Sachen Fauna und Flora viel zu entdecken. Das Bewohnern wie Gästen der Region nahezubringen, hat sich das Naturzentrum Kaiserstuhl auf die Fahnen geschrieben. Jüngst führte eine Exkursion in die Welt der Libellen.

"Fliegende Räuber – Libellen zwischen Kaiserstuhl und Rheinaue" lautete der Titel der Veranstaltung. Angeboten wurde sie von Alina Janssen, die hauptberuflich als Umweltplanerin bei der Deutschen Bahn arbeitet und ihre Masterarbeit über Libellen geschrieben hat, sowie Sebastian Schröder-Esch, der im Haus der Natur am Feldberg arbeitet und leidenschaftlicher Natur- und Tierfotograf ist. Gut 20 Abenteuerlustige hatten sich am Achkarrer Bahnhof eingefunden, um sich in die Wohnstube der auch als Teufelsnadeln oder Wasserjungfern bekannten Raubinsekten – fließende und stehende Gewässer – entführen zu lassen. Bewaffnet mit Kameras, Fangnetzen und teils durchaus "survival"-tauglichen Kopfbedeckungen brachen sie auf.

Am Krebsbach galt es, den Libellen zunächst theoretisch näher zu kommen. So wollte Schröder-Esch von den Teilnehmern, deren Altersspanne vom Schulkind bis zum Rentner reichte, wissen, zu welcher Tierklasse Libellen gehören. Schnell einigte man sich auf Insekten, und zwar solche, die ihre Jugendzeit im Wasser verbringen. Das Ei wird in das Gewässer gelegt und reift zunächst zur Larve heran, die dort von drei Monaten bis zu fünf Jahren lebt.

Mit dem Kescher auf Libellenfang

Dann griff Schröder-Esch zum Kescher. Schnell waren zwei Blauflügel-Prachtlibellen-Männchen gefangen und wurden zur Ansicht in kleinen Plexiglasdosen herumgereicht. Prachtlibellen seien typisch für Fließgewässer, erläuterte Janssen. "Hier schwimmt die Nahrung vorbei, wie das Essen im Sushi-Restaurant", erklärte Schröder-Esch. Nachteilig sei indes, dass es die Larven bei Hochwasser auch mal wegschwemme. Wichtig sei es, dass der Bach nicht in Beton gezwängt, sondern an seinen Ufern Vegetation vorhanden sei.

Vom Krebsbach ging es zu einer Reihe von kleinen Weihern – dem Lebensraum Nummer zwei. Hier gibt es durchaus größere Arten. Ins Netz von Schröder-Esch wollten sie aber nicht. Dafür posierte ein Neozoon, die vor wenigen Jahren noch ausschließlich im Mittelmeerraum beheimatete Feuerlibelle, vor Teleobjektiven.

"Romantisch sind Libellen nicht", erklärte Janssen zur Paarung der Libellen. Das Männchen packt sich im Flug ein Weibchen mit der Zange, die es sonst zum Futterfangen gebraucht. Im "Paarungsrad" werden die Samen übergeben. Besonders kontrollwütige Herren begleiten die Damen bis zur Eiablage. Uferbewuchs bis ins Wasser wäre auch am Teich wichtig, erklärte Schröder-Esch, denn daran krabbelten die Larven aus dem Wasser, um zu Libellen zu werden. Übrig bleibt die Larvenhülle, Exuvie genannt. Eine solche hatte Janssen zur Anschauung mitgebracht.

80 Prozent der einheimischen Libellenarten sind gefährdet, 20 Prozent vom Aussterben bedroht. Wer die schillernden Luftakrobaten einmal live gesehen hat, möchte sie kaum missen.

Das Jahresprogramm des Naturzentrums Kaiserstuhl gibt es im Internet unter http://www.naturzentrum-kaiserstuhl.de