Spannende Storys aus den Weinbergen

Susanne Bremer

Von Susanne Bremer

Do, 26. Juli 2018

Ihringen

Ihringer Schüler präsentierten ihre Texte, die sie in der Schreibwerkstatt verfasst hatten.

IHRINGEN. Erste Kniffe des Schreibens haben Schülerinnen und Schüler der Neunlindenschule in der Schreibwerkstatt "Rebhütte" von dem Merdinger Autor Andreas Kirchgässner gelernt. Erst beim Vorlesen des eigenen Textes erfährt man als Autor, ob der Text verständlich und anregend geschrieben ist. Für sechs Schülerinnen und Schüler aus den 5. und 6. Klassen war es deshalb ein ganz besonderer Anlass, als sie im Naturzentrum Ihringen ihre selbstgeschriebenen Werke einem öffentlichen Publikum vorlesen durften.

Vorausgegangen war die Idee, den Dienstagskurs, den das Naturzentrum für die Neunlinden-Schule seit einiger Zeit anbietet, noch attraktiver zu gestalten. Karl-Heinz Brünning, ehemaliger Naturwissenschaftslehrer am Breisacher Martin-Schongauer-Gymnasium, schlug vor, die Naturexkursionen durch das Schreiben eigener Geschichten zu vertiefen. Birgit Sütterlin, die die Kurse inhaltlich vorbereitet, fand in Autor Kirchgässner einen professionellen Partner. Ohnehin wollte dieser seine Schreibwerkstatt einmal näher an seinem Heimatort anbieten.

Ausflüge in die Natur
Kirchgässner versorgte die neugierigen Schüler mit Material und Tipps für eine gelungene Geschichte. Unerlässlich dabei ist die Einführung und Beschreibung eines Protagonisten und seines Antagonisten, der Hauptperson der Erzählung und seines Gegenspielers. Die Jugendlichen staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass diese Begriffe aus der griechischen Tragödie stammen. Spannend wird eine Geschichte für den Leser und Zuhörer, wenn man einen Konflikt in die Handlung einfließen lässt.

Nicht minder aufregend waren für die jungen Kursteilnehmer aber die Ausflüge in die Natur. Unter der Überschrift "Rebhitte" lernten sie allerhand über ein "Naturgut" am Kaiserstuhl, die Rebhütte. Jedem fallen sie an den Rebstücken auf, doch kaum einer wusste, dass sie aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammen, als der Mehltau den Reben zusetzte. Die meisten Hütten waren mit einer unterirdischen Zisterne ausgestattet, so dass die Winzer das entsprechende Spritzmittel in der Nähe der Rebstöcke anrühren konnten.

Naturexpertin Sütterlin berichtete nicht nur Geschichtliches, sie nahm die Schüler auch mit auf Sinnesreisen in die Natur. An neun Nachmittagen waren sie Naturphänomen auf der Spur. Sie erfuhren zum Beispiel, wie sich heißer Sommerwind anfühlt, welche Geräusche sie überraschen und wie das bunte Federkleid eines Wiedehopfes im Flug aussieht.

Offensichtlich beeindruckten diese Erlebnisse. Jede Geschichte spielte in den heimischen Weinbergen, es kam eine "Rebhitte" vor und auch ein Wiedehopf durfte nicht fehlen. Waren die jungen Schriftsteller anfangs noch ein wenig nervös, so tauchten sie während des Vorlesens immer besser in ihre Storys ein. Auch den Spannungstipp berücksichtigten alle Nachwuchsautoren: Fast ausschließlich wurden Krimis geschrieben, durch richtige Betonung beim Vorlesen bekam der eine oder andere Zuhörer sogar bei heißestem Sommerwetter eine Gänsehaut. Zum Glück gingen aber alle Geschichten gut aus.