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23. Juni 2012

Indien hat viele Gesichter

Schüler der Wasenweiler Mambergschule lernten viel über die Kultur des südasiatischen Landes.

  1. Mit dieser Mimik drückte Harianu Harshita alias Hartmut Schmidt „Erfreuen und Liebe“ bei seinem Thullaltanz in der Wasenweiler Mambergschule aus. Foto: Susanne Bremer

IHRINGEN-WASENWEILER. Indien hat viele Gesichter. Einige lernten die Grundschulkinder der Mambergschule Wasenweiler jüngst kennen. Christa Kleemann, die Leiterin der Grundschule, lud den Thullal-Künstler Hartmut Schmidt alias Harianu Harshita ein, um mit den Dritt- und Viertklässlern im Rahmen eines Projekttages etwas über die Vielfalt der indischen Kulturen zu erfahren. Bei der farbenprächtigen Präsentation eines Thullaltanzes im Originalkostüm staunten auch die Erst- und Zweitklässler sowie ihre Eltern, die dabei ebenfalls anwesend waren.

Die Finanzierung des Vormittags wurde vom ICCR (Indischer Rat für Kulturbeziehungen) übernommen. Auch der Förderverein der Mambergschule bezuschusste das Projekt.

Mittelpunkt des Thullaltanzes waren die Navarasa, neun Gebärden, mit denen der Künstler nur durch Gesichtsmimik und Gesten der Hände zum Beispiel Freude, Liebe, Trauer, Angst, Ekel, Wunder und Frieden ausdrücken konnte. Kein Wunder, dass sich auch in den Gesichtern der Schüler und Schülerinnen Staunen widerspiegelte, die begeistert bei der Soloperformance die Aufgaben der Hintergrundtrommler (Mrdangam) oder kleinere Schauspieleinlagen übernahmen. Inhalte der in Kerala beheimateten künstlerischen Ausdruckform für Epen der indischen Mythologie sind größtenteils Gedichte aus dem 18. Jahrhundert, die vom Poeten und Tänzer Kunchan Nambiar in der Landessprache Malayalam verfasst wurden. Sie handeln von den verschiedenen Gottheiten. Die teilweise sozialkritischen oder philosophischen Themen lassen sich auch gut in das indische Alltagsleben übertragen. Im Original dauern diese Darbietungen auf traditionellen Tempelfesten 30 bis 100 Minuten.

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Respekt und Ehrerbietung spielen eine große Rolle

Schmidt übertrug aus seinem Repertoire sechs solcher Geschichten ins Deutsche. So erfuhren wir vom Affenkönig Hanumam, der durch häufiges Meditieren – Schmidt erklärte sehr kindgerecht, warum Meditieren gerade in der heutigen von elektronischen Medien bestimmten Zeit, eine gute Form innerer Einkehr sein kann – sehr weise geworden war. Diese Weisheit nutzte er, um als alter Affe dem Helden in der Geschichte seinen Stolz und Hochmut zu nehmen und den nötigen Respekt einzufordern. Respekt und Ehrerbietung zum Beispiel gegenüber den Eltern, dem Guru (Lehrer), aber auch den Dingen, die uns umgeben oder dem Boden, der uns ernährt, ist eine in Indien bis heute gelebte Tradition, die auch von Harianu Harshita erklärt und durch Bewegungsritualien praktiziert wurde. Schließlich drückten alle Anwesenden mit der verneigenden Verabschiedungsform Namastè und Namaskar sich gegenseitig und gegenüber der Kultur Indiens Respekt aus.

Autor: Susanne Bremer