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25. Juni 2012

Jeder Landwirt weist eine Spezialität auf

Die Freien Wähler beschäftigten sich mit der Bedeutung der Landwirtschaft in Maulburg und besuchten drei Höfe, ganz unterschiedlich ausgerichtet.

  1. Ums Thema Landwirtschaft in Maulburg ging es beim Bürgertreff der Freien Wähler. Sie besuchten drei Betriebe: Karlheinz Grether (Vordergrund) in seiner Brennerei.... Foto: Anja Bertsch

  2. Ums Thema Landwirtschaft in Maulburg ging es beim Bürgertreff der Freien Wähler. Sie besuchten drei Betriebe: Karlheinz Grether (Vordergrund) in seiner Brennerei Foto: Anja Bertsch

  3. … Pferdezüchter Karl-Frieder Leber auf seinem Hof. Er bewegt sich auf internationalem Parkett. Der Samen für künstliche Befruchtung etwa ist ein weltweit gehandeltes Gut. Foto: Anja Bertsch

  4. Pferdezüchter Karl-Frieder Leber auf seinem Hof. Er bewegt sich auf internationalem Parkett. Der Samen für künstliche Befruchtung etwa ist ein weltweit gehandeltes Gut. Foto: Anja Bertsch

  5. … Und den Biohof von Christoph Krumm (links). Foto: Anja Bertsch

  6. und den Biohof von Christoph Krumm (links). Foto: Anja Bertsch

MAULBURG. Der ofenwarme Laib Brot, die kraftvoll vorbeipreschenden Pferde und ein oder auch zwei Schlückchen prämierter Edelbrände aus dem hofeigenen Obstbau zum Abschluss: Auf dem Bummel durch die Maulburger Landwirtschaft, den die Freien Wähler beim Bürgertreff am Freitag initiierten, präsentierten sich den 30 Teilnehmern interessante Dorfansichten, die mit dem herkömmlichen Ruf der Gemeinde als Industriestandort rein gar nichts zu tun hatten.

Von den über hundert Bauernhöfen aus dem Jahr 1930 ist heute noch eine Handvoll geblieben. Gehörten Viehzucht und Ackerbau früher zum Standardprogramm jedes Bauernhofes im Dorf, so gibt es mittlerweile große Unterschiede in der Ausrichtung der Höfe. Die drei Betriebe, die der Bauernhof-Bummel ansteuerte, sind Paradebeispiele für Diversifizierung und Spezialisierung.

Der Biobetrieb "Sunnehof" hat zumindest in Sachen Produktpalette die konventionellste Ausrichtung: Am Anfang der Krummschen Produktion stehen die Bauernhof-Klassiker Getreideanbau und (Fleisch)viehzucht. Am Ende liegt eine ganze Palette unterschiedlicher Erzeugnisse im Hofladen und auf den Marktständen aus, die aus den Ausgangsprodukten entstanden sind: Mehl und Brot und Zuckerschnecken, Wurst und Fleisch. Von der Saat bis zum Brot, von der Aufzucht bis zu Fleisch und Wurst – der gesamte Prozess läuft unter einem Bauernhofdach und nach Demeter-Richtlinien, wie Christoph Krumm betont. Das heißt: Die Böden werden seit Jahrzehnten organisch-biologisch bebaut, ohne Dünger und Pestizide, gemahlen wird in der Steinmühle im Holzgehäuse, die Solarenergie für die Backstube kommt von den 3000 Quadratmetern Dachfläche, und das Vieh wird tiergerecht gehalten: "Mehr Luft, mehr Licht, mehr Liegefläche", zählt Christoph Krumm die Merkmale auf.

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Margarete und Karl-Frieder Leber züchten Dressur- und Springpferde im zahlenmäßig eher kleinen Stil, dafür mit großem Erfolg: Zwei Dutzend Pferde stehen derzeit im Leberschen Stall. In erster Linie sind dies die Zuchtstuten und deren jüngst geborenen Fohlen, die nun aufgezogen und dann verkauft werden; dazu einige Gastfohlen. Die Zuchtstuten entstammen hochkarätigen Linien – und zeugen nun ebensolchen Nachwuchs: Messbar ist dies in den Wettkampferfolgen auf nationalem und internationalem Niveau, die die Fohlen von "Donauperle" und "Leony" einfahren, und die Karl-Frieder Leber auszugsweise passieren lässt. Die Grethermühle von Gisela und Karl-Heinz Grether schließlich hat sich auf die Edelbrennerei spezialisiert: 43 Edelbrände und Liköre hat die Grethermühle im Sortiment, alles selbst gebrannt, zuvor zumeist auch selbst geerntet.

Die Landwirtschaft ist allen Dreien in die Wiege gelegt

Die Herstellung der Hochprozenter findet in der Brennerei im ehemaligen Kuh- und Hühnerstall des Hofes statt, die Ausgangsprodukte für Ziebärtli, Williams-Christ & Co. – Zwetschgen, Mirabellen, Kirschen, ein Dutzend Apfel- und ein halbes Dutzend Beerensorten stammen zum größten Teil aus dem eigenen Obstbau mit seinen 1200 Bäumen. Die edlen Tropen sind erfolgreich: Bei der jüngsten Branntweinprämierung des Badischen Klein- und Obstbrennerverbandes gab es einmal mehr einen Medaillenregen für Karl-Heinz Grether.

Die Landwirtschaft sei "wirtschaftlich nicht das beste, was es gibt", gibt Christoph Krumm zu Protokoll, um dann noch deutlicher zu werden: "Es ist ein Kampf von früh bis Nacht." Während die Krumms ihrem Betrieb im Haupterwerb und mit entsprechendem wirtschaftlichem Erfolgsdruck führen, haben die Lebers ihren Betrieb vom Gewinnzwang befreit – sich selbst damit indes auch von einem Leben mit dem "regulären" Feierabend und dem Wochenende des Otto-Normal-Angestellten.

Während Margarete Leber einen großen Teil des Alltagsgeschäfts in Sachen Versorgung und Pflege der Tiere übernimmt, läuft die Pferdezucht für Karl-Frieder Leber nebenberuflich: Die Arbeit mit den Pferden oder die Bewirtschaftung der 14 Hektar Acker, die das Futter für die Pferde hergeben, beginnt erst nach seinem ersten Feierabend. Und während sowohl die Grethermühle als auch der "Sunnehof" gezielt auf die regionale Karte setzen und via Direktvermarkung, Hofladen und Verkauf auf dem Wochenmarkt für die heimischen Produkte auch den heimischen Käufer anvisieren, bewegt Familie Leber sich mit ihrer Pferdezucht auf nationalem und internationalem Parkett – und bekommt hier die Globalisierung auf ganz eigene Weise zu spüren. Der Samen für künstliche Befruchtung etwa ist ein weltweit gehandeltes Gut, für das im Falle "hochfrequentierter Hengste" (Karl-Frieder Leber) immense Beträge berappt werden müssen. Ein Grenzgänger zwischen Voll- und Nebenerwerb ist Karl-Heinz Grether: Nachdem er den Hof schon seit Mitte der 1990er nebenher führte, hängte er vor vier Jahren den Brotjob als Schlosser endgültig an den Nagel und machte die Brennerei zum Hauptverdienst: "Es hat Spaß gemacht und immer mehr Spaß gemacht", sagt er zur Erklärung – und trifft damit den entscheidenden Punkt, der allen Dreien zu eigen ist: Begeisterung und Herzblut für ihre Arbeit. Tatsächlich ist die Landwirtschaft allen Dreien buchstäblich in die Wiege gelegt: Sowohl Christoph Krumm als auch Karl-Frieder Leber und Karlheinz Grether haben den elterlichen Hof übernommen. Und so soll’s weitergehen: Ob Krumm, Grether oder Leber – alle drei Familien sind auf dem besten Weg, dass auch die nächste Generation bei der Stange bleibt. Die drei Söhne der Krumms haben den Hof als künftigen Wirkungsort im Visier. Heike Grether hat Anfang des Jahres die Ausbildung zur Brennerin abgeschlossen. Die Jungs im Hause Leber sind noch zu jung für eine endgültige Entscheidung in Sachen Beruf, aber: Hofarbeit, Heuen und Reiten gehören auch hier schon dazu und machen Spaß.

Autor: Anja Bertsch