UWC-Schüler

John Michael Koffi hat ein Buch über sein bisheriges Leben geschrieben

Caroline Bingenheimer

Von Caroline Bingenheimer

Di, 26. Juni 2018

Freiburg

Der ehemalige UWC-Schüler John Michael Koffi hat ein Buch über sein bisheriges Leben geschrieben.

FREIBURG. "Es ist nicht nur meine Geschichte, die ich erzähle. Es ist die von vielen jungen Menschen in afrikanischen Flüchtlingscamps", so der Autor John Michael Koffi. Seit seiner Kindheit ist der heute 20-Jährige auf der Flucht. Nachdem er mit elf Jahren bereits aus der Demokratischen Republik Kongo floh, lebte er in verschiedenen afrikanischen Flüchtlingscamps. Über das "United World College" (UWC) kam Koffi 2014 nach Freiburg und besuchte hier das "Robert-Bosch-College". Genau dort entstand bereits der Gedanke, ein Buch zu verfassen. Ende April wurde sein Roman nun veröffentlicht.

Da seine Familie einer ethnischen Minderheit angehörte, gezielter Verfolgung und andauernden Konflikten ausgesetzt war, floh sie 2009 aus ihrem Heimatland. Zunächst kam John Michael Koffi mit seiner Familie in das Dzaleka Camp in Malawi, das südöstlich der Demokratischen Republik Kongo liegt. Aufgrund der politisch instabilen Lage dort mussten sie nach einigen Jahren erneut fliehen und landeten 2012 noch weiter südlich im Mpaka-Flüchtlingscamp in Swaziland, das an Südafrika angrenzt. Dort konnte er zur Highschool gehen, schrieb sehr gute Noten und war vor allem engagiert. Ein Jahr lang war Koffi Schülersprecher, organisierte viele Bildungs- und Sportkurse und gründete einen Jugendclub. Einmal wöchentlich wurde über Probleme im Camp, wie etwa Diskriminierung, diskutiert. Über sein vielfältiges Engagement lernte der heute 20-Jährige dann Schüler des UWC Waterford Kamhlaba in Südafrika kennen. Nachdem die erste Bewerbung beim UWC scheiterte, wurde er 2015 schließlich angenommen, bekam ein Stipendium und zog nach Freiburg. Vor allem an das Joggen im Schwarzwald und an gemütliche Abende an der Dreisam denkt Koffi gerne zurück. Mittlerweile lebt er seit 2017 in Kanada. Über das Stipendium "International Leader of Tomorrow" des UWC kann er die "University of British Columbia" besuchen. Doch nach wie vor hat der junge Mann Probleme, ein Visum zu bekommen.

"Auch nach Deutschland einreisen zu können, war nicht leicht. Bürokratie und komplizierte Einwanderungsgesetze machen es Flüchtlingen schwer", berichtet der 20-Jährige im Gespräch mit der BZ. Dies war auch ein Grund, warum er seine Geschichte zu Papier brachte. Im September 2015 saß Koffi mit Mitschülern zusammen und diskutierte, wie man vor allem jungen Flüchtlingen aus Syrien in Freiburg helfen könne. Es kam die Idee auf, dass er von seiner eigenen Flucht berichten könnte. Koffi möchte, dass die Leser so erfahren können, wie es Geflüchteten geht. Und mit welchen Problemen und Hindernissen sie zu kämpfen haben. Einige Freunde haben ihm bereits erzählt, dass sie sich in vielen Situationen, die er in dem Roman erzählt, wiederfinden.

Als emotionalste und persönlichste Stelle in seinem Buch beschreibt er das Wiedersehen mit seinem besten Freund. "Als ich mit meiner Familie das Camp Dzaleka in Malawi verlassen musste, dachte ich, dass ich Alberto nie mehr wieder sehe. An einem gewöhnlichen Schultag im März 2013 kam ich völlig unverhofft aus der Schule – und dann saß er da plötzlich." Auch heute haben die beiden nach wie vor Kontakt, denn "wenn man zu keinem Land Heimat sagen kann, dann sind Freunde und Familie dein Zuhause – kein Land". Auch die Musik gibt dem 20-jährigen Koffi Halt. Er schreibt eigene Songs und Gedichte. Sein nächstes Buch ist bereits in Planung: Ein Gedichtband soll es diesmal werden.

John Michael Koffi, "Refuge-e: The Journey much desired", Englisch, 270 Seiten, Taschenbuch (17,60 Euro), Hardcover (26,70 Euro) oder E-Book, Tellwell Talent