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01. Juli 2015

Junge Preisträger als leidenschaftliche Spielleut’ in Gundelfingen

Das Quartett "Flauto dolce" gab auf Einladung des Kunstvereins im Rathausfoyer ein Konzert für Blockflöten / Werke von der Renaissance bis zur Moderne.

  1. Das Blockflötenensemble „Flauto dolce“ begeisterte mit originellen Einfällen und musikalischen Höchstleistungen. Foto: Annette Preuss

GUNDELFINGEN. "Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu machen", soll Aristoteles gesagt haben. Die jungen Künstlerinnen Anja Arend (Sexau), Lea Eglin (Buchholz), Laura Oßwald (Emmendingen) und Karina Punt (Heuweiler) übertrafen in diesem Sinn alle Erwartungen. Sie boten im Gundelfinger Rathausfoyer ein niveauvolles Programm für Flöten, das Werke der Renaissance, aus der Barockzeit und der Moderne umfasste.

Langweilige Blockflöte? Das war gestern! Von Beginn an offenbarte sich der Wunsch des Ensembles "Flauto dolce", das 2009 zusammenfand, die übliche Art der Programmgestaltung zu verlassen. Im ersten Teil waren zwei Stücke von Johann Sebastian Bach (Concerto in C BWV 545 und Concerto in d BWV 593 nach Antonio Vivaldi) zu hören. Perlende Klänge und tänzerische Rhythmen, dem Zuhörer vertraut. Dazwischen eingebettet von Ryohei Hirose, einem japanischen Komponisten, das Stück "Idyll 1". Meditative, getragene Musik, die früher von japanischen Mönchen auf Bambusflöten gespielt wurde, bildete den faszinierenden Gegensatz zu Bachs barocken Klängen. Als Hintergrund wurden Natur- und Landschaftsdarstellungen im japanischen Stil projiziert, in denen der Zuhörer nebenbei gleichsam mit den Augen spazieren gehen konnte. Die Interpretinnen spielten jeweils auf unterschiedlichen Flöten und entfalteten mit Hilfe verschiedener Blastechniken einen farbigen Klangteppich.

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Bevor die Ensemblemitglieder Flötenmusik der Renaissancezeit boten, erklärten sie dem Publikum die besondere Bauweise ihrer Flöten und deren Klang und Charakter. Später erfuhr der Zuhörer biographische Details über Jacob van Eyck (1590 bis 1657). "Wat zalmen op den Avond doen", der Liedtext, in Übersetzung vorgetragen, erhellte die Komposition: Thema und Variationen, spielfreudig und tonschön dargeboten, Zwiegespräch zweier Flöten, Echowirkung, immer variantenreicher, immer schneller.

Eine kleine Choreographie entwickelten die Flötistinnen in "Indian Summer" von Mathias Maute (Jahrgang 1963): In die Hände klatschen, Finger schnipsen, stehen, sitzen, den Takt mit den Füßen vorgeben, Jazzcharakter entfalten. Zu Karel van Steenhoven (Jahrgang 1958) "Just a song" begaben sich zwei Spielerinnen auf eine höhere Etage des Foyers und ließen ihre Musik, quasi von oben, entrückt erklingen. Eine Hommage an ihren Professor der Musikhochschule Karlsruhe, der sie betreut und in einem Workshop mit dieser Komposition bekannt gemacht hatte. Experimentierfreude zeigte "Flauto dolce" in den Stücken der Moderne wie "Take five" von Paul Desmond (1924-1977) und "On the Trail of the Pink Panther": Mit dem Fingerring auf der Flöte den Takt schlagen, in die Grifflöcher blasen, hauchen – und am Ende des Stückes ein "chromatisch-melodiöser Absturz". Dass jede Flötistin noch ein anderes Instrument beherrscht, erfuhren die Zuhörer am Ende: Laura Oßwald spielte Cello, Lea Eglin Kontrabass, Anja Arend Klavier und Karina Punt sang. Die Musikerinnen sind auch freundschaftlich verbunden, was sich im perfekten Zusammenspiel, in Körpersprache und Blickkontakt zeigte. Diese Verlässlichkeit, ihre Leidenschaft für Musik, die Liebe zu ihren "mehr als zwanzig Blockflöten" und ihr Fleiß begründen das hohe Niveau. 2014 erzielte das Ensemble "Flauto dolce" im Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" den ersten Preis. Zu Recht erging am Schluss ein besonderer Dank an Hildegard Wippermann, Lehrerin an der Musikschule Nördlicher Breisgau, für die Betreuung des Ensembles.

Eingeladen zu diesem Konzert hatte der Kunstverein Gundelfingen, der besonders jugendliche Musizierende aus der Umgebung fördert.

Autor: Annette Preuß