Altes Hobby mit ganz modernem Flair

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Sa, 24. Februar 2018

Kandern

Die Imkerei erfährt enormen Zuspruch / Bei vielen steht weniger der Honig, als der Naturschutz im Mittelpunkt des Interesses.

KANDERN-SITZENKIRCH. Bienenvölker im eigenen Garten und eigener Honig – das interessiert immer mehr Menschen. Das Imkern erlebt einen noch vor Jahren nicht denkbaren Boom, feststellen lässt sich das auch beim Imkerverein Kandertal: Auf den neuen Jungimkerkurs gibt es einen richtigen Run. Rund 30 Interessierte kamen zum Informations- und Anmeldetermin nach Sitzenkirch.

Kursleiterin Almut Schmidt-Rau und die erste Vorsitzende Astrid Hellebrand zeigten sich einigermaßen geplättet ob des Zuspruchs: "Wenn sich heute nach dem Vortrag mehr als 20 angehende Imker melden, dann müssen wir einen zweiten Kurs aufmachen oder eine Warteliste erstellen", erklärten sie. Jung und Alt saß am Tisch – das Interesse für die Imkerei ist nicht am Alter festzumachen.

Womit die Attraktivität zusammenhängt, dafür haben Almut Schmidt-Rau und Astrid Hellebrand aber eine Erklärung: Das Umweltbewusstsein vieler Menschen sei gestiegen, spätestens nach dem Bienensterben vor ein paar Jahren, verursacht vom unsachgemäß ausgebrachten Insektizid Neonicotinoid. Auch von der Bedrohung durch die Varroamilbe haben mittlerweile viele Naturinteressierte gehört. "Es ist bekannt, dass Honigbienen und andere Insekten es schwer haben, in einer Landschaft, die vorwiegend auf Produktion ausgelegt ist und mit Hausgärten, in denen vielfach der gepflegte Rasen mehr zählt, als eine bunte Wildblumenwiese", hielten die beiden fest.

Was sich bemerkbar mache, sei auch die konstante Arbeit der Imker, um Aufmerksamkeit für und Aufklärung in Sachen Bienenhaltung zu sorgen und an die Öffentlichkeit zu gehen – etwa mit Imkertagen oder eben mit dem Angebot der Imkerkurse. Dass an Schulen Insektenhotels gebaut werden, wecke bei jungen Menschen das Interesse dafür, wozu Insekten nützlich sind. Das im letzten Jahr thematisierte Insektensterben hat weitere Bevölkerungsschichten alarmiert.

Immer mehr Menschen entdeckten das sehr alte "Hobby" und begeisterten sich für die Imkerei. Nicht alle wollten dabei unbedingt Honig ernten – so mancher Lehrgangsteilnehmer will einfach den Fortbestand der Honigbienen sichern und möglichst viel über die Bienenhaltung erfahren, berichtete Schmidt-Rau und unterstrich die Bedeutung der Imkerei und der Bienenhaltung: "Wenn es keine Bienen mehr zur Bestäubung gibt, so hat schon Einstein es festgehalten, könnte die Menschheit gerade noch vier Jahre überleben."

Doch vor den Erfolg hat die Natur die Arbeit gesetzt. Wer imkert, sollte etwa in den Monaten Mai und Juni keinen Urlaub machen – denn das sind die Hauptarbeitsmonate der Bienen, rät Schmidt-Rau. Zudem gab es allgemeine, spannende Informationen: 90 Prozent aller Bestäubungen leisten Honigbienen. Pro Bienenvolk kann es bis zu 20 Kilo Honig Ertrag geben. 1,4 Kilogramm Honig werden durchschnittlich in Deutschland pro Kopf verspeist. 90 000 Tonnen Honig werden von den Bienenvölkern deutschlandweit erzeugt. Im Kurs lernt man aber noch mehr, als die richtige Bienenhaltung. "Wir beschäftigen uns mit Bestäubung, Trachtpflanzen, unterschiedlichen Bienenstöcken, mit der Herstellung von Salben und Tinkturen aus Bienenprodukten und mehr", zählte Schmidt-Rau auf.

Kontakt: imkerverein-kandertal@t-online.de