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14. Juni 2014

"Ein starker Film, sehr beeindruckend und künstlerisch sehr stark"

Volles Kino und begeisterte Reaktionen: Filmemacher Matthias Beyerle freut sich über die Resonanz bei der Premiere seines Films "Tausend Jahre sind wie ein Jahr".

  1. Freute sich bei der Premiere im Kino Kandern über die positive Resonanz auf „Tausend Jahre sind wie ein Tag“: Regisseur und Drehbuchautor Matthias Beyerle Foto: Roswitha Frey

KANDERN (ros). Ein volles Kino und begeisterte Reaktionen: Filmemacher Matthias Beyerle freute sich über die Resonanz bei der Premiere seines Films "Tausend Jahre sind wie ein Jahr" im Kino Kandern. 260 Besucher sahen dieses ambitionierte Filmprojekt der Christophorus-Gemeinschaft und der Christophorus-Stiftung.

"Ein starker Film, sehr beeindruckend, künstlerisch sehr stark", fand Dorothea Koelbing Bitterli vom Riedlinger "Theater im Hof", und auch Sandra Förnbacher vom Förnbacher Theater in Basel sprach von "ganz starken Bildern". Katharina Mauser, die sich sehr für das Filmprojekt engagiert hat, war erfreut über die "sehr schöne Reaktion des Publikums". Auch Regisseur und Drehbuchautor Matthias Beyerle zeigte sich "überwältigt". Dass im Kino die Menschen "so zahlreich und gemischt" zusammensitzen, sei im Sinne des Filmprojekts, das auf besondere Art eine Inklusion zustande bringe. Mehr als 60 Akteure aus Kandern und Umgebung standen vor der Kamera, die Hälfte davon Menschen mit Behinderungen. Sogar Kommunalpolitiker wie die Bürgermeister Christian Renkert und Gerd Schweinlin, aber auch bekannte Kulturschaffende wie Dieter Bitterli vom "Theater im Hof", Karlheinz Beyerle oder Johannes Beyerle spielen in verschiedenen Filmszenen mit, ebenso viele Musiker sowie eine Gruppe von Schülern. Matthias Beyerle, der Schauspieler und Heilerziehungspfleger ist und seit vielen Jahren in der Kanderner Werksiedlung St. Christophorus arbeitet, dankte allen, die den Film möglich machten, sei es als Darsteller, sei es finanziell. Er dankte auch den Kollegen von der Werkstatt und den Bewohnern der Christophorus-Werksiedlung, die er "zum Teil stark gefordert" habe.

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Die Grundidee für den Film stammt aus der Geschichte "Die Wanderung" des polnischen Autors Slawomir Mrozek, in der es um ein mysteriöses Licht und drei Männer geht, die unerklärlich verschwinden. Aus dieser Idee entwickelte Beyerle mit seinem Kameramann Helmut Kirchner einen geheimnisvollen Film, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt und viele rätselhafte Szenen hat, die ins Metaphorische, ins Surreal-Fantastische, aber auch ins Absurde, Kafkaeske und Mystische hineinreichen. Die Rahmenhandlung spielt in der Gegenwart in Kandern, wo eine Journalistin im Rathaus mit einem ominösen Rucksack auftaucht. Dieser alte Rucksack voller Tagebuchaufzeichnungen wurde an einer entlegenen Waldhütte gefunden und weist auf einen mysteriösen Fall aus der Vergangenheit hin: Drei junge Männer verschwanden eines Tages aus einer Kanderner Hütte spurlos "ins Nichts". Die Journalistin versucht die sich sträubende skeptische Ratsrunde zu überzeugen, diesem seltsamen Fall der verschwundenen Männer nachzugehen. In Rückblenden erzählt der Film, was damals im Wald geschah, und der Wechsel zum Schwarzweißfilm zieht die Zuschauer magisch in das fiktive Geschehen hinein, in einen Strudel von Vergangenheit, Imagination, Traum und Abgründigem. Das Spiel mit gleißend hellem Licht und düsteren Schatten, das aufstrahlende Licht in der Dunkelheit, die wildnisartige Stimmung im Wald, die verfallene Hütte, die Schauplätze im Markgräflerland, vor allem in der Wolfsschlucht, zwischen Felsen, Höhlen, Geröll, Bäumen, knisternden Ästen verstärkt die Atmosphäre des Mystischen und Verwunschenen.

Man sieht die drei Männer auf ihrer Wanderung zur Hütte, sieht, wie der eine immer wieder magisch angezogen, ja geblendet ist von einem merkwürdigen nächtlichen Licht, diesem Licht nachspürt und verschwindet. Die anderen folgen ihm, auf der Suche nach dem seltsamen Licht, und erleben allerlei seltsame Begegnungen im Wald. Ein Mann im dunklen Mantel mit Rohr taucht dort auf, wo die Wanderer gerade Rast machen, ein Flöte spielender Bauer, ein Prediger, ein Händler, ein Beamter, ein Torhüter der Träume säumen ihren Weg. Kinder springen koboldhaft umher, plötzlich taucht ein Reiter zwischen den Bäumen auf. Es ist Johannes Beyerle, der in einer Szene von großer Bildmagie beim Formen von Lehmskulpturen zu sehen ist. Der Filmemacher hat viele Anspielungen hineingebracht, so auch den "dunklen Schrecken", eine Figur, die etwas Bedrohliches assoziiert.

Den Film gibt’s als DVD in der "Alten Schmiede" in der Kanderner Hauptstraße.

Autor: ros