Mit Wilhelm zurück ins Mittelalter

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 19. Mai 2017

Kandern

Der Schauspieler Wigand Neumann bietet Führungen zur Sausenburg an, bei denen die Mitwanderer viel erfahren.

VOGELBACH. Alte Rittergeschichten, imposante Burggemäuer, ein geheimnisvoller Turm und eine verzweigte Familiensaga aus dem Mittelalter: Das alles war geboten bei der Premiere der schauspielerischen Führung zur Sausenburg mit Wigand Neumann.

Bei prächtigem Frühsommerwetter schlüpfte der Schauspieler aus Lörrach erstmals in sein schwarzes Ritter-Gewand mit Kettenhemd und spielte den Markgrafen Wilhelm von Hachberg-Sausenberg, der von 1406 bis 1482 lebte. Diese historische Figur und ein Stück regionale Geschichte lebendig zu vermitteln, ist dem Darsteller bei dieser etwas anderen Burgführung sehr gut gelungen. Überzeugend gibt Neumann den "armen Ritter", der zu Fuß unterwegs ist, weil er seine Rüstung und sein Pferd verpfänden musste. Wilhelm war für seinen verschwenderischen Lebensstil berüchtigt, die Gläubiger saßen ihm im Nacken, die Verwandtschaft drängte darauf, dass er die Güter seiner Frau nicht verpfändete.

Dass er bei der Wärme keine schwere Ritterrüstung tragen muss, kommt dem Darsteller durchaus entgegen. Denn immerhin ist er mit der Gruppe gute zwei Stunden unterwegs. Vom Wanderparkplatz Lindenbückle in Vogelbach aus geht es durch den idyllischen Wald steil hinauf zur Burgruine und wieder zurück. Auf den Waldwegen hält der Schauspieler immer wieder inne und erzählt aus der Sicht des Markgrafen, wie es damals war.

Darsteller Neumann schafft es bewundernswert, die gewaltige Textmenge auswendig so anschaulich und lebhaft vorzutragen und Licht in das schier undurchschaubare Dickicht an Personen, Fakten und geschichtlichen Daten zu bringen. Neumann lässt in der Figur des Wilhelm das Burgen- und Markgrafenleben so Revue passieren, dass vor allem das Menschlich-Allzumenschliche im Blickpunkt steht. Sein Markgraf Wilhelm präsentiert sich als ein Mann mit Stärken und Schwächen, der als einstiger stolzer Burgherr nachdenklich über seine Lage, sein Leben und seine Familie sinniert.

Immer wieder kommt er auf die weit verzweigte Dynastie zu sprechen, auf Fehden, Kämpfe, Besitzverhältnisse. Er erzählt, wie Rudolf I. die Seitenlinie der Hachberg-Sausenberger gegründet hat, er berichtet von Rudolf II., der den Basler Bürgermeister erstochen haben soll, von der Belagerung der Burg Rötteln durch die Truppen der Stadt Basel. Und natürlich spricht Wilhelm über seinen Vater Rudolf III., der auf Burg Rötteln eine rege Bautätigkeit entfaltete, die Chronik von Rötteln mitschrieb und die Röttler Kirche errichten ließ. Und der 13 Kinder hatte. Einige der Töchter gingen als Nonnen ins Kloster Basel, andere starben an der Pest.

Das Mittelalter war eine harte Zeit, "eine Zeit, in der man Hände abhackte und Zungen herausriss und Leute gevierteilt wurden, eine Zeit, in der der Tod allgegenwärtig war", beschreibt es Neumann drastisch. Spannend wird es, als die Sausenburg in Sicht kommt. An der unteren Treppenstufe zur Ruine, im Hof, vor den Außenmauern und dem mächtigen Bergfried erfahren die Mitwandernden einiges über die Burg, die zwischen 1232 und 1246 nach dem Grundriss der Burg Zähringen erbaut wurde. Neumann beschrieb, wie das Baumaterial damals über Rampen, Stege und Leitern auf das Gelände transportiert wurde und der Zugang zur Hauptburg einst über eine Brücke führte.

Die steilen Stiegen geht es im dunklen Bergfried hoch, dann hinauf zur Aussichtsfläche des Turms, von wo aus man einen grandiosen Blick hat. Einprägsam schildert "Wilhelm" das raue, harte Burgleben vor allem in den Wintermonaten, wo die Fensteröffnungen verbarrikadiert worden seien. Das Leben auf der Burg sei ein "steter Kampf" gewesen, geprägt von Schmutz, Lärm, Kälte. Nur ein Raum sei mit einem Kamin beheizbar gewesen. Gegessen, so erzählte Wilhelm den Zeitreisenden, wurde mit Holzspießen und Holzlöffeln oder eben mit den Fingern.

Noch ärger ging es den Bauern, die so viel Zins abgeben mussten, und den Knechten und Mägden, die im Gesindehaus untergebracht waren und in einer Schlafkoje nächtigten, die in der Art eines Fuchsbaus die Kälte abhalten sollte. Trotz des geerbten Schuldenbergs habe Wilhelm in der Sausenburg den Wehrgang überdachen lassen, eine Wächterstube über dem Torturm und zwei weitere Räume bauen lassen, berichtet der Erzähler. Zur Veranschaulichung zeigt er Zeichnungen des Künstlers Johannes Beyerle aus Vogelbach, auf denen Burg, Burgbau, Gesindehaus und andere Motive dargestellt sind. Mit Wilhelms Abdankung 1441 und der Geburtsstunde des Markgräflichen Landes 1444 endet der Spaziergang. Angeregt wurde von Teilnehmern, vielleicht eine Stärkung zwischendurch anzubieten.

Weitere Führungen zur Sausenburg jeden Dienstag ab 18 Uhr vom Wanderparkplatz Lindenbückle in Vogelbach aus. Anmeldungen Tourist-Information, Tel. 07626/972356
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