Der Steinkauz erobert sich Lebensräume zurück

Streuobstwiesen sind sein Zuhause

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Do, 22. Juni 2017 um 15:16 Uhr

Kandern

Es ist ein gutes Jahr für Steinkäuze – denn diesmal war es während der Brutzeit nicht zu kalt oder zu nass.

Es ist ein gutes Jahr für Steinkäuze – denn diesmal war es während der Brutzeit nicht zu kalt oder zu nass. Das Nahrungsabgebot ist gut, auf den Wiesen und auf Feldrändern sind viele Mäuse unterwegs. Erstaunlicherweise aber haben die Minieulen einen unterschiedlichen Entwicklungsstand. Manche sind bereits kurz davor, flügge zu werden und können beringt werden, andere Steinkauzbabys sind erst zwei Wochen alt. "Das ist noch zu früh, um sie zu beringen", sagt Steinkauz-Experte Franz Preiß.

Preiß kontrolliert zusammen mit Annette Windhausen vom Naturschutzbund (Nabu) Steinkauzröhren im Bereich Kandern und Efringen.Kirchen. Der NABU nämlich möchte am heutigen Freitag, 23. Juni, mit dem Nachwuchs Steinkäuze beringen. Dazu gilt es, herauszufinden, in welchen Röhren überhaupt Steinkauzjunge sitzen, die dafür alt genug sind.

25 Brutpaare betreuen Franz Preiß und der Nabu zwischen Lörrach, dem Kandertal, Efringen-Kirchen, Bad Bellingen und Schliengen.

An einigen Standorten, wie etwa bei Mauchen, Blansingen und Huttingen sowie bei Egringen gibt es derzeit keine Brutpaare mehr, obwohl die Bedingungen "eigentlich gut sind", wundert sich Preiß. Gute Bedingungen heißt: Obstwiesen mit alten Bäumen mit Höhlungen oder Brutröhren, Obstgärten, Entwässerungsgräben mit alten Kopfweiden. Der nur rund 22 Zentimeter große Vogel ist ein hervorragender Mäusejäger, bevorzugt aber auch Insekten, Würmer, Käfer, Amphibien und Regenwürmer.

Auf der Britsche bei Efringen-Kirchen gibt es Nachwuchs an zwei Standorten. Zum einen bei Familie Arber, dort sind die Aufzuchtbedingungen für die geschützten Vögel ideal "die Röhre ist hoch am Schopf, es gibt Wiesen und alte Bäume rundherum und Holzstapel, auf denen die Vögel gerne sitzen", erklärt Preiß. Drei kleine Steinkäuze sind noch nicht beringt, aber kurz vor dem Ausflug aus der Röhre, sie sind gut genährt, aber ihre "Augen sind noch nicht richtig gelb", beobachtet Preiß an dem Steinkauz, den Annette Windhausen aus der Röhre "gefischt" hat. Preiß entfernt alte Streu aus dem Nest und füllt sie mit frischer Streu auf. "Ist die Unterlage feucht, siedeln sich gerne Parasiten an, Steinkauzjunge sollten es lieber trocken haben", meint er. Die Röhre am Reitstall Britschenhof in der Nähe ist seit mehreren Jahren "bewohnt". Zwei oder drei Steinkauzbabys , die aber noch ganz weiß und damit zu klein zum Beringen sind, und einen Altvogel kann Annette Windhausen im Licht der Taschenlampe erkennen. Dazu liegt eine sogenannte Depotmaus in der Röhre – als Futterreserve für die Jungen. In Egringen gibt es diesmal keine Jungkäuze, dafür aber einen Wiedehopf. Rund um Mappach und Gupf gibt es vier Steinkauzbruten, berichtet Preiß.

Oberhalb von Wittlingen ist in einem alten abgängigen Kirschbaum eine weitere Röhre angebracht. Wieder heißt es, eine der unterschiedlich großen Leitern aufzuklappen, die Preiß im Auto dabei hat. Nur ein Junges sitzt in der Röhre, das aber ist sehr gut genährt. "Ein kleiner fluffiger Fettmops", kommentiert Annette Windhausen liebevoll. Preiß vermutet, dass bereits mobile Eulengeschwister sich an anderer Stelle in einer Baumhöhlung versteckt halten.

Bisweilen brütet der Vogel sogar direkt am Maisfeld

Der kleine Steinkauz macht empörte Knacklaute, als er von den beiden Vogelexperten begutachtet wird – erst nach der kurzen Untersuchung wird er wieder zurück in die Röhre bugsiert. Er kann beringt werden. Auch bei Mappach in einem wunderschönen großen Walnussbaum – hier erstaunlicherweise direkt an einem Maisfeld – und bei Binzen gibt es Brutpaare. Aber dass immer mehr große Bäume abgängig sind oder verschwinden, das macht Preiß große Sorgen.

Oberhalb von Binzen stehen in einer eigentlich idealen Wiese gerade noch zwei alte Kirschbäume. "Hier gab es mal 50 alte Bäume, aber sie sind alle verschwunden und damit ist auch der Steinkauzlebensraum weg", bedauert der Steinkauzexperte.

Auf deutscher Seite tue sich der Steinkauz immer noch schwer, so Preiß. In Frankreich drüben sei das anders – dort gibt es nach wie vor mehr Kleingärten um die Dörfer mit Wiesen und alten Bäumen, "das fehlt hier einfach mittlerweile", informiert er.