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14. Oktober 2016

Keine Angst vor dem Erben

Der Katholische Verein für soziale Dienste informiert über Behindertentestamente, die das Erbe vorm Zugriff des Staates schützen.

  1. Freuten sich über die gute Resonanz des Abends (von links): Heinrich Eckerlin (Ortsgruppe) Geschäftsführer Andreas Haug, Rechtsanwältin Karin Schwarz-Marty und Gabriele Friedrich (Ortsgruppe) Foto: Hirschberger/dpa

  2. Ein Behindertentestament sollte mit fachlicher Hilfe angefertigt werden. Foto: Jens Büttner dpa/lmv

RHEINFELDEN. Hinter der Abkürzung SKM verbirgt sich der Katholische Verein für Soziale Dienste im Landkreis Lörrach. Über diesen Verein werden Menschen betreut und beraten, die auf Grund einer Behinderung ihr Leben nicht selbst verwalten können. Die in Schopfheim ansässige Hilfsorganisation ist auch in Rheinfelden tätig. Für die hiesigen Betreuer werden regelmäßig Informationsabende angeboten – zuletzt über Behindertentestamente.

Andreas Haug, Geschäftsführer des SKM, konnte Rechtsanwältin Karin Schwarz-Marty für diesen Abend gewinnen. Zahlreiche Betreuer fanden sich in der Cafeteria der Sozialstation Müßmattstraße, ein um sich mit dieser schwierigen Materie auseinander zu setzen.

Die Ausgangssituation
Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder psychiatrischen Einschränkung erhalten oft Leistungen vom Staat für ihren Lebensunterhalt. Wenn sie eine Erbschaft erhalten, zieht der Staat diese ein und nimmt sie für den monatlichen Unterhalt. Der gehandicapte Mensch sieht nichts von dem Geld, er kann seine Lebensqualität nicht verbessern. Doch auch für ihn gibt es viele Leistungen, die von den Krankenkassen nicht bezahlt werden. Gesunde Menschen besuchen Weiterbildungen, gehen in Urlaub, haben Hobbys, das alles kostet Geld. Um dies auch Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen und deren Lebensqualität zu steigern, gibt es die Möglichkeit, ein Behindertentestament zu machen.

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Die Möglichkeiten
Karin Schwarz-Marty riet davon ab, das Berliner Testament mit dem Zusatz Behindertentestament alleine aufzustellen. "Es kommt auf jede Formulierung an, um einen Schutz vor dem Sozialamt zu erreichen". Sie riet zu fachlicher Hilfe durch einen Rechtsanwalt oder Notar. Über die Einsetzung eines Vorerbes, durch einen bestellten Testamentsvollstrecker und die Benennung eines Nacherben kann auch ein Mensch mit Behinderung selbst vom Erbe profitieren. In dem Behindertentestament muss eine Klausel enthalten sein, dass es nicht für die Kosten der gesetzlichen Betreuung verwendet werden darf. Der Testamentsvollstrecker muss für die Lebenszeit des Menschen mit Behinderung bestellt werden. Schwarz-Marty erläuterte, dass über eine Verwaltungsanordnung festgelegt werden kann, wann und wie das Geld verwendet wird, zum Beispiel für Geburtstage, Weihnachten, Restaurantbesuche oder Reisen.

Für Fragen zu Steuern und Gebühren hatte Schwarz-Marty für jeden einen Ausdruck kopiert, für die Fragen eine Checkliste vorbereitet. Sie verwies auf die Broschüre "Vererben zugunsten behinderter Menschen" von Katja Kruse und Günther Hoffmann, die vom Bundesverband für Körper - und mehrfachbehinderte Menschen herausgegeben wird.

Das Testament
Die versierte Rechtsanwältin versuchte den Anwesenden die Furcht vor der Erbschaftssteuer zu nehmen und gab einige gute Tipps zum Thema Erbschaft allgemein. Sie empfahl die Verwahrung eines gültigen Testaments beim Amtsgericht. "Es ist noch keiner gestorben, weil er sein Testament früh gemacht hat, man fühlt sich aber besser, wenn es erledigt ist" meinte sie.

Weitere Infos unter http://www.skm-loerrach.de

Autor: Danielle Hirschberger