Keine Sau will mehr aufs Neufeld

Verena Pichler

Von Verena Pichler

Do, 13. September 2018

Grenzach-Wyhlen

In Grenzach gibt es kaum noch Wildschweine – Bebauungen, Freizeitnutzung und schlechter Zustand des Buchwaldes sind Gründe.

GRENZACH-WYHLEN. Vor gar nicht allzu langer Zeit war die Wildschweinpopulation ein Grund zur Sorge. Zu viele Tiere fühlten sich in Grenzach sauwohl und richteten Schäden an. Heute ist die Situation eine ganz andere. Den Tieren fehlt es an sicheren Rückzugsräumen und Nahrungsangebot. Seit das Neufeld bebaut und der Buchswald vom Zünsler kahlgefressen wurde, hat der Schwarzkittel den Rückzug angetreten. Aber auch für andere Wildtiere wird der Lebensraum knapp, den sie sich immer häufiger mit Menschen teilen müssen.

Wildschweine sind sehr standorttreue Tiere und verlassen ihr Revier in der Regel nicht. "Wenn sie aber in ihrem Lebensraum eingeschränkt werden, kann es zu räumlichen Verlagerungen kommen", erklärt Revierförster Markus Dischinger auf Nachfrage der Badischen Zeitung.

Einschränkungen für den Schwarzkittel, so scheint es, gibt’s besonders auf dem Grenzacher Neufeld zuhauf. Durch die Wohnbebauung gingen Maisfelder verloren, die den Schweinen als Nahrungsquelle und Schutz dienten.

Hinzu kommt, dass sich die vierbeinigen Bewohner des Waldes durch die stetige Zunahme an Zweibeinern gestört fühlen. "Das Wild kommt doch gar nicht mehr zur Ruhe", sagt Hansfrieder Plattner. Er jagt seit 1980 und seit 1993 kümmert er sich gemeinsam mit einem Kollegen um die Jagdpacht von Grenzach. Früher, so Dischinger und Plattner, war Grenzach ein Paradies für Wildschweine. Felder, abgeschiedene Steilhänge, undurchdringliche Naturschutzgebiete und vor allen Dingen der Buchswald boten Lebensraum. "Dort konnten sich die Tiere tagsüber zurückziehen, auch Rehe zum Beispiel", beschreibt Plattner. Er und Dischinger aber stellen fest: Der Buchswald ist seit dem Befall durch den Zünsler so gut wie tot. Aber auch das Eschentriebsterben wirkt sich auf das Lebensumfeld der Tiere aus.

Am schlimmsten aber findet Plattner, dass der Wald oberhalb von Grenzach mittlerweile von so vielen Menschen auf unterschiedliche Weise genutzt werde – häufig ohne Rücksicht auf die Wildtiere. "Freilaufende Hunde, nächtliche Jogger mit Stirnlampen, Mountainbiker, Geo-Cacher", zählt Plattner auf. All’ das sorge für eine Unruhe im Wald.

Wo hingegen der Mensch kaum einen Fuß hinsetzt, fühlen sich die Wildsauen wieder wohl. In Wyhlen zum Beispiel, oberhalb des Engeltals Richtung Markhof. Dichter Wald, stillgelegte Steinbrüche und kaum Menschen. "Die dortigen Jäger schießen zwischen 50 und 60 Wildschweine pro Jahr", sagt Plattner. In Grenzach sind solche Zahlen seit Jahren nicht zu erreichen, und Zeiten wie 2005, als die Jäger sogar viel mehr schießen mussten, weil die Wildschweine zur Plage geworden waren, sind vorbei. "Im Schnitt waren es in den vergangenen Jahren 13, 14 Stück."

Auch auf dem Rührberg Richtung Inzlingen und von dort nach Degerfelden gebe es noch recht viel Wild. Wahrscheinlich auch abgewanderte Wildschweine aus Grenzach. Dass dort kaum noch Tiere leben, kann Plattner auch an der sogenannten Kirrung feststellen. Dabei handelt es sich um einen festen Platz, auf dem Jäger Getreide ausbringen. "Ein Liter Mais pro Tag ist erlaubt." Aber – die Futterquelle wird gar nicht mehr angenommen.

Was Plattner traurig macht, ist, dass er es immer häufiger mit überfahrenen oder verendeten Tieren zu tun hat. "Erst neulich mussten wir einen Rehbock bergen, der sich in einem Weidezaun verfangen hatte." Auch Überreste von Zäunen, etwa von stillgelegten Gärten, werden häufig zur tödlichen Falle für Wild.