Als Bücher in Flammen aufgingen

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Di, 05. Juni 2018

Kenzingen

Kenzinger SPD-Ortsverein erinnert mit einer szenischen Lesung an die Bücherverbrennungen im Mai 1933.

KENZINGEN. Der SPD-Ortsverein Kenzingen hat am Sonntag im AWO-Garten mit einer szenischen Lesung an die Bücherverbrennungen im Mai 1933 erinnert. Madeleine Oelze, Claudia Strobel und Bruno Strobel lasen vor. Das Material für die Lesung hatten sie zusammengestellt. Dabei standen Informationen zur Geschichte standen neben Zitaten von Autoren, deren Werke verboten wurden.

Rund 20 Zuhörer waren zu der Lesung in den Garten des AWO-Seniorenheims gekommen. Im Schatten der großen Bäume waren die Temperaturen am Nachmittag angenehm. Neben der Lesung gab es auch Zeit für Gespräche miteinander. Anlass für die Wahl des Themas Bücherverbrennung war der 10. Mai 1933: Auf dem Opernplatz in Berlin gingen in einer fünf Wochen lang vorbereiteten und als "spontan" verkauften Aktion Bücher von über 380 Autoren in Flammen auf. Ähnliche Aktionen gab es auch in anderen deutschen Städten, vor allem in Universitätsstädten.

Muss man sich 85 Jahre danach daran erinnern? Diese Frage stellte Elke Curdts-Müller, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Kenzingen, in der Einleitung. Sie stellte mit einem Zitat von Günter Grass fest, dass derartige Einstellungen nie ganz aufhörten. Curdts-Müller appellierte an die Gäste, menschenverachtendem Geist entgegenzutreten, wo immer sie ihm begegnen.

Zu den geächteten Autoren gehörten unter anderen Bertolt Brecht, Bertha von Suttner, Kurt Tucholsky und Erich Kästner. Mit Zitaten aus Kästners "Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen?" aus dem Jahr 1928 und einem Gedicht mit dem Titel "Marschliedchen" (1932) gab es Zitate und Einsichten eines Zeitgenossen.

Der SPD-Ortsverein erinnerte aber auch an Magnus Hirschfeld. Der Arzt gilt als Pionier der Sexualwissenschaft und als Schöpfer des Begriffs "Transvestit". Er wurde verfolgt, sein Institut zerstört. Homosexualität wurde mit dem Konzentrationslager bestraft. Der Paragraf im Gesetzbuch blieb übrigens bis 1994 erhalten, erst 2016 wurde die Rehabilitierung Homosexueller vom Bundestag beschlossen. Ganz aktuell gab es am Sonntag in Berlin die erste öffentliche Entschuldigung eines Bundespräsidenten an alle Männer und Frauen, die wegen Homosexualität vom Staat verfolgt, inhaftiert oder getötet wurden.