Eindrücke, die bleiben

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Do, 27. September 2018

Kenzingen

Interkulturelle Woche in Kenzingen: Filmvorstellung beeindruckt.

KENZINGEN. Mit dem Dokumentarfilm "Newcomers" hat die interkulturelle Woche in Kenzingen einen Programmpunkt geboten, der über den Kinobesuch hinaus wirken wird. Das stellten die Teilnehmer der Diskussionsrunde fest, die sich im Anschluss mit Vertreterinnen der Stadt und der Servicestelle Ehrenamt von Caritas und Diakonie austauschten.

"Newcomers" haben Ma’an Mouslli (Regisseur) und Sara Höweler (Produzentin) gedreht. Menschen mit Fluchterfahrung erzählen darin ihre Geschichte. Renate Günter-Bächle, die bei der Stadt Kenzingen für Flüchtlingsangelegenheiten zuständig ist, gab den rund 20 Kinobesuchern eine kurze Einführung. Der syrische Regisseur hat 100 Menschen interviewt und 400 Stunden Material zusammengetragen. 29 Interviewpartner kommen in dem einstündigen Film zu Wort.

Gezeigt werden nur die Gesichter der Interviewten. Sie sprechen in ihrer Muttersprache. Menschen aus Syrien, Afghanistan, Palästina, den Kurdengebieten, dem Libanon, dem Sudan oder Guinea (Westafrika) erzählen von ihrer Heimat, den Gründen für ihre Flucht und vom Ankommen. Einige der Newcomer kommen ohne Untertitel aus: Sie sprechen fließend Deutsch. Der Regisseur bat auch Menschen aus Deutschland zum Interview. Eine alte Dame ist bis heute von den Erfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt, ein anderer vom gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR.

In der Diskussion zeigte sich, dass der Film nachwirken wird. "Mir ist wichtig, dass man mich als Mensch sieht und nicht nur als Flüchtling", lautete eine Aussage, die hängen blieb. "Da werde ich noch lange drüber nachdenken", sagte eine Kinobesucherin. Das sahen auch andere so, die sich als Helfer engagieren. "Wir kennen Filme über Flüchtlinge, hier ist er mit Flüchtlingen", sagte Utta Link (Diakonie). Gerade das machte deutlich, dass es weder pauschal "die Flucht" noch "die Flüchtlinge" gibt. Statt einer Überschrift für alle sind es vielmehr ganz "subjektive Eindrücke", die so vielfältig sind wie die Menschen, die sie erzählen.

Die Interviews, die im Film nicht gezeigt wurden, sollen künftig unter dem Stichwort Newcomers ins Internet gestellt werden, informierte Edith Kulzer-Schwab (Caritas). Damit könnte das Interviewmaterial zum Beispiel auch für den Unterricht in Schulen genutzt werden.