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12. Mai 2015

Einfühlsam und herzerfrischend

Die Formation "Tonart" macht bei ihrem Auftritt in der evangelischen Kirche in Kenzingen die Pfingstbotschaft erlebbar.

  1. Klein, aber fein: Der Chor „Tonart“ bei seinem Auftritt in der evangelischen Kirche in Kenzingen. Foto: Christel Hülter-Hassler

KENZINGEN. Durchsichtig zarte, betörend klare Singstimmen – schöner als mit dem kleinen, aber feinen Chor "Tonart" kann die Pfingstbotschaft kaum erlebbar gemacht werden. Während der gut besuchten Pfingstkonzerte am Samstag und Sonntag in den Kirchen von Sexau und Kenzingen war tatsächlich der in der Musik wehende Geist spürbar.

Dass die Besucher nach dem Konzert nicht nur beschwingt in den Maiabend hinaus gegangen sind, sondern auch auf angenehme Weise "verinnerlicht", das war Ekkehard Weber zu verdanken. So wie der musikalische Leiter des zwölfköpfigen Ensembles die Lieder in seiner Funktion als Conférencier einfühlsam mit den Hintergründen und dem Entstehen der einzelnen Kompositionen verwob, wurden die Lieder den Zuhörern im wahrsten Sinn des Wortes nahegebracht.

Der Öffentlichkeit seien vergleichsweise viele Lieder zu den Zyklen Advent, Weihnachten oder Ostern präsent, führte Weber in seiner Begrüßung aus. Die Botschaft des Pfingstfestes sei vielleicht weniger unmittelbar, doch umso komplexer und prädestiniert für die Musik: "Musik erleichtert es, sich mit dem eigenen mystischen Geist zu verbinden und sich zu identifizieren mit dem Spiel mit dem Feuer", so Weber.

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In diesem Sinn wechselte sich das Repertoire dieses Konzertabends ab mit ausgesucht schönen geistlichen Liedern, zeitgenössischen Kompositionen und wunderbaren Frühlingsliedern – alle dazu angetan, den Geist zu erfrischen und zu sensibilisieren für das "Unfassbare". Es waren Kompositionen von Charles Gounod, Giovanni Pierluigi da Palestrina oder Johann Sebastian Bach, aber auch von Michael Jackson und Ben E. King. Auf dessen Lied "Stand by me" gründe sich der Weltruhm des erst am 30. April dieses Jahres verstorbenen afroamerikanischen Künstler, sagte Ekkehard Weber.

Sehr bewegend, mit herausragendem Stimmvolumen war die Intonierung des Chorals von Ralph Vaughan Williams "Come down, o love divine", voller Heiterkeit das Tanzlied "A lieta vita" von Ciovanni Gastoldi und einfach herzerfrischend die Frühlingsweisen "Im kühlen Maien" von Hans Leo Hassler und das Mailied von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Alle Liedvorträge bestachen durch die Präzision ihrer Darbietung, gepaart mit großer Einfühlsamkeit. Virtuos setzten die zwölf Sängerinnen und Sänger auch das "Ubi caritas" aus der Feder des französischen Komponisten Maurice Duruflé um. Text und Melodie des schlichten, aber ergreifenden Hymnus heben die Gottes- und Nächstenliebe in immer neuen poetischen Wendungen als das "höchste Geschenk" hervor. Durch Vertonungen aus Taizé ist auch die vom Chor dargebotene Weise "Veni sancte Spiritus" populär geworden. Und ganz und gar auf die Wirkung des Geistes setzte das a-capella-Ensemble mit seinem Schlusslied "I have a dream".

Es griff eine aufmerksame Stille um sich, als Ekkehard Weber dieses durch Martin Luther King berühmt gewordene Bekenntnis zur Freiheit aller Völker zum Anlass nahm, sich vor der Leistung des Chors zu verneigen. "Ja, auch wir glauben an Engel – einige stehen vor Ihnen und singen", verkündete der Musikalische Leiter. Unter dem Eindruck des geist-durchflutenden Konzertabends war diese Einschätzung durchaus nachvollziehbar für das anhaltend applaudierende Publikum.

Autor: Christel Hülter-Hassler