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13. Oktober 2012 10:29 Uhr

Kenzingen

Holger Strohm: Mahner gegen jegliche Art von Nutzung der Atomkraft

Holger Strohm, Atomkraftgegner und Schriftsteller, hat in den Kenzinger Löwen-Lichtspielen seinen Film zum Buch vorgestellt. "Friedlich in die Katastrophe" ist eine dokumentarisch zusammengestellte Mahnung gegen jegliche Nutzung der Atomkraft, der kleine Kreis von Besuchern bestand fast geschlossen aus Atomkraftgegnern.

  1. Buchautor und Filmemacher, vor allem aber Atomkraftgegner: Holger Strohm in Kenzingen Foto: Ilona Huege

Schon 1981 erregte Holger Strohm mit seinem Buch "Friedlich in die Katastrophe" Aufmerksamkeit, jetzt gibt es einen Film zum Buch. Er entstand in drei Jahren Vorarbeit. Produziert wurde im Studio Hamburg, mit vielen Studenten, die ehrenamtlich tätig waren und es damit schafften, das Budget für die 120 Minuten bei rund 100.000 Euro zu halten. Unterstützung gab es von deutschen TV-Sendern, die Ausschnitte von Sendungen zur Verfügung stellten, und von Greenpeace. Ins Netz der Verleiher ist der Film nicht aufgenommen, und so braucht es Menschen wie Christel Kauschwitz und ihre mehrfach ausgezeichneten Löwen-Lichtspiele, die den Film zeigen.

Der Film mit vielen Interviews von bekannten Persönlichkeiten der Anti-Atomkraftbewegung ist ein Aufruf zum Widerstand. Strohm stellt an vielen Beispielen vor, was er zum Auftakt des Films in Kenzingen vorausschickte. "Wir sägen praktisch an jedem Ast, auf dem wir sitzen – und vergiften die Wurzeln gleich mit." Oder anders, wenn auch mit gleichem Tenor ausgedrückt: "Sicherheit existiert nur in der Einbildung", sagt Strohm.

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Der Film beginnt mit wackligen Schwarzweiß-Bildern, zeigt die Atomwaffentests der USA und ihre verheerende Wirkung auf Hiroshima und Nagasaki. Er erinnert an die vielen Unfälle in Atomkraftwerken, von Sellafield über Three Miles Island bis zu Tschernobyl und Fukushima. Aber auch kleinere Störfälle sind dabei, oft verschwiegen und vielfach erst später erkennbar, an den deutlich höheren Krebserkrankungen bei den Menschen, die in der Umgebung leben.

Für Holger Strohm gibt es auch keine friedliche Nutzung: Wo immer Uran abgebaut wird, wird die Umwelt vergiftet. Dass alle schädigenden Substanzen in den Griff zu kriegen sind oder räumlich beschränkt bleiben, gehört für Strohm zu den vielen Lügen, die die Atomindustrie unermüdlich und mit Hilfe von viel Geld erfolgreich verbreite. Auch wegen der Bequemlichkeit der westlichen Welt. Nach Katastrophen sind die Menschen auf der Straße und demonstrieren gegen die Atomkraft und ihre Gefahren, dann sind alle wieder friedlich daheim.

Strohm hält das anders. Für ihn ist die Atomkraft nur eines: "Kollektiver Selbstmord der Menschheit." Macht, Habgier und Geld einiger weniger würden dazu genutzt, unvermeidlich das Ende der Welt anzusteuern. Für diese deutlichen Worte, die auch im Film ausgesprochen und mit Bildern und Zahlenmaterial aus Statistiken unterlegt werden, hat Holger Strohm schon einiges aushalten müssen. Seine Familie wurde bedroht, er zog mit ihr für einige Jahre nach Portugal. Sechs Jahre musste er darauf warten, dass er seine Promotionsurkunde erhielt. 2006 wurde sein Promotionsverfahren erfolgreich abgeschlossen, die Urkunde erhielt er aber erst im Sommer 2012 – zum 70. Geburtstag.

Autor: Ilona Hüge