Freiburg

Geflüchtete organisieren das Filmfestival Cinema Exil

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Fr, 16. September 2016 um 00:00 Uhr

Kino

Geschichten aus Fluchtländern: Organisiert und präsentiert wird das Freiburger Festival "Cinema Exil" von jungen Geflüchteten, ein Begleitprogramm bietet Raum für Diskussionen.

Kultur verbindet – die Liebe zum Kino sowieso. Lebenswelten und Geschichten aus Fluchtländern auf die Leinwand zu bringen: Das ist das Ziel des Freiburger Festivals "Cinema Exil", bei dem an diesem Wochenende Filme aus Afghanistan, Nigeria, dem Libanon und Irak im Kino Harmonie zu sehen sind. Das Besondere daran: Organisiert und präsentiert wird "Cinema Exil" von neun jungen Geflüchteten, ein buntes Begleitprogramm bietet Raum für Diskussionen. Marion Klötzer sprach mit der Medienpädagogin Irene Schumacher und dem Filmemacher Jakob Reinhart.

BZ: Unter dem Titel "Typisch deutsch" lud das junge Team der Freiburger Blackwoodfilms in den letzten Wochen Geflüchtete und Freiburger zum gemeinsamen Filmschauen in die Harmonie – auf dem Programm standen Klassiker wie "Sonnenallee" oder "Angst essen Seele auf". Jetzt folgt der Perspektivwechsel: Junge Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, zeigen Filme, die für sie bedeutsam sind. Wie kam es zu dieser Idee des cineastischen Kulturaustausches?
Schumacher: Kollegen aus München organisierten im letzten Jahr "Kino Asyl". Das Projekt hat mich sofort begeistert: In der ganzen Flüchtlingsdebatte nicht nur die Menschen und ihre Herkunftskultur sichtbar zu machen, sondern sie auch zu befähigen, ihre Filme selbst auszuwählen und zu präsentieren – dieses Konzept auf Augenhöhe passte gut in die Filmstadt Freiburg. Durch meine drei Kochbücher von Freiburgerinnen aus aller Welt habe ich viele Netzwerke und Kontakte und bekam sofort begeisterte Reaktionen. Dank der Förderung durch Stadt und Land konnten wir im Mai loslegen, mit Jakob Reinhart hatte ich schnell einen Medienprofi mit im Boot.
Reinhart: Das war in der heißen Phase im Spätsommer letzten Jahres. Da wurde mir sehr deutlich: Wenn Integration gelingen soll, müssen wir uns kennen lernen. Welche Kultur bringt ein junger afghanischer Mann mit? Welchen Film aus seiner Heimat würde er uns zeigen wollen und warum? Das ist ein spannender Dialogansatz und hat auch schon bei der Organisation des Festivals für spannende Diskussionen gesorgt.
"Es ist ein starkes, sehr aktuelles Programm geworden, das sich in keiner Nische verstecken muss." Jakob Reinhart
BZ: In ihrem Team sind neun junge Menschen Mitte 20, die auf teilweise lebensbedrohlichen Wegen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Milieus im letzten Jahr nach Deutschland flüchteten. Trotzdem stehen auch Komödien auf dem Festivalprogramm. Ist das etwa Galgenhumor?
Schumacher: Neben der gemeinsamen Festivalorganisation war die Filmauswahl ein intensiver Prozess: Es kamen viele Vorschläge, es ging um zentrale Themen wie Freiheit, Terror und Krieg, Geschlechterverhältnisse. Am Anfang stand natürlich die Frage: Ist der Film im Verleih überhaupt erhältlich, bekommen wir die Rechte? Aber auch: Stimmt die Mischung für das Publikum? Im Duo werden die jungen Geflüchteten ihren jeweiligen Lieblingsfilm präsentieren – und auch über dessen Identifikationspotenzial und persönliche Bedeutung erzählen.
Reinhart: Es ist ein starkes, sehr aktuelles Programm geworden, das sich in keiner Nische verstecken muss, sondern in ein öffentliches Kino passt: Der Film "Memories of Stone" kam im Irak erst dieses Jahr in die Kinos, "Confusion na wa" aus Nigeria feiert in der Harmonie seine Deutschlandpremiere, und eine der Schauspielerinnen wird dabei sein.
Schumacher: Begleitend zu den Filmen lädt der Basar der Begegnung mit Talk auf dem "Grünen Sofa", Filmworkshop und anderen Aktivitäten zum Austausch. Geflüchtete werden hier zu Gastgebern. Damit wollen wir einen Beitrag leisten, kulturelle Vielfalt in Freiburg sichtbar zu machen.
Filmfestival Cinema Exil am 17. und 18. September im Kino Harmonie, Freiburg.

Infos unter www.cinema-exil.de