Goebbels Sekretärin

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Von dpa

Di, 31. Januar 2017

Kino

Kino-Doku über die jetzt gestorbene Brunhilde Pomsel.

Brunhilde Pomsel hatte eine gut bezahlte Arbeit und nette Kollegen. Und einen in ihren Augen angenehmen, höflichen Chef: Joseph Goebbels. Ab 1942 war sie Sekretärin in seinem NS-Propagandaministerium in Berlin. Sie arbeitete einem Mann zu, der als einer der schrecklichsten Demagogen in die Geschichte einging. Pomsel erklärte stets, sie habe davon nichts mitbekommen. Erst nach dem Krieg sei ihr das Ausmaß der Schrecken klar geworden. Nun ist Pomsel mit 106 Jahren in München gestorben. Ihr Vermächtnis: Der Dokumentarfilm "Ein deutsches Leben", in dem Pomsel dem Wiener Produzenten Christian Krönes und drei Regisseuren fast zwei Stunden lang aus ihrem Leben erzählt und der am 6. April ins Kino kommen soll. Während des Drehs war sie 103 Jahre alt. Sie wirkt zerbrechlich, das Gesicht ist von Falten zerfurcht. Doch ihr Verstand ist hellwach.

"Gehorchen und ein bisschen schwindeln dabei oder lügen und die Schuld auf jemand anders schieben", so sei sie erzogen worden, sagt sie im Film. Als sie nach den Nürnberger Prozessen fünf Jahre lang in russische Gefangenschaft kam, empfand sie dies als zutiefst ungerecht, "weil ich ja nichts getan hatte, als bei Herrn Goebbels getippt und was dahinter steckte, wusste ich ja alles gar nicht, jedenfalls nur wenig". Schuldig sei sie nur, wenn man dem deutschen Volk vorwerfe, Hitler zur Macht verholfen zu haben. "Das sind wir alle gewiss gewesen, auch ich."