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23. Mai 2016 19:00 Uhr

Filmreihe in Freiburg

Wie viel Realität steckt in Science-Fiction?

Maschinenmenschen, Gedankenmanipulation – so etwas gibt es im Kino. Und in der Wirklichkeit? Freiburger Wissenschaftler fragen in einer Filmreihe nach.

  1. Die schöne Maschinenfrau Ava aus dem Film „Ex Machina“ Foto: Universal

  2. Ein Roboter auf der Darpa Challenge 2015 fällt um beim Versuch, durch eine Tür zu kommen. Foto: AFP

  3. Der Freiburger Forscher Wolfram Burgard mit seinem Roboter Obelix. Foto: Thomas Kunz

Das ist schon gemein. Erst ist auf der Leinwand eine schöne Androidin zu sehen, ein weiblicher Maschinenmensch, der sich so elegant zu bewegen wie sprachlich auszudrücken weiß. Es ist die Hauptfigur in Alex Garlands Science-Fiction-Film "Ex Machina" von 2015.

Und dann sind auf derselben Leinwand klobige Roboter zu sehen, die ziemlich unbeholfen daherkommen und schon beim Versuch, durch eine Türe zu kommen, zusammenklappen und umfallen. Das ist ein Youtube-Clip von 2015 mit Aufnahmen von der Darpa Robotics Challenge, einem alljährlichen Treffen der besten Roboterbauer aus aller Welt.

Wie weit das Zukunftskino und die gegenwärtige Wirklichkeit auseinander liegen können, das zeigt derzeit die Veranstaltungsreihe "Science Fiction in a Reality Check", die das Exzellenzcluster Brainlinks – Braintools der Freiburger Universität mit dem Kommunalen Kino und dem aka-Filmclub veranstaltet. Die Frage, die hier gestellt wird: Wie viel Wissenschaft steckt in Science-Fiction-Filmen? Die Antwort geben Forscher des Exzellenzclusters.

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Wolfram Burgard, der bekannte Freiburger Informatik-Professor, der mit seinem Team öfter mal den Roboter Obelix selbständig durch die Innenstadt rollen lässt, hatte den Film "Ex Machina" selbst ausgesucht. Mitgebracht hatte er auch die witzigen Videos mit den fallenden Robotern. Die zeige er eigentlich nicht so gerne, sagte Burgard, aber in diesem Kontext...


Ava, die Androidin, ist eben eine ganz andere Erscheinung als die Maschinen, die uns bislang höchstens beim Handtücher-Zusammenlegen und anderen Dingen des täglichen Lebens helfen können, wie Burgard mit weiteren Videos demonstrierte. Die Robotik, sagt er, habe in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Aber trotzdem: "Von Menschenähnlichkeit sind wir weit entfernt". Auch wenn es bei der Darpa Challenge 2015 Roboter gab, die sogar auf unwegsamem Terrain nicht mal ins Straucheln gerieten.

Bewegungen sind weit komplexer, als man als Mensch ahnt. Und auch mit den Unterhaltungen, die Ava mit dem jungen Programmierer Caleb führt, bis der sich schließlich in sie verliebt, ist es in Wirklichkeit nicht so weit her. "In der Realität", so Burgard, "können Software-Systeme keinen langen intelligenten Dialog führen". Schon nach wenigen Sätzen würde der Mensch merken, mit wem oder was er es zu tun hat.

Das Fazit Burgards: "Science-Fiction-Filme überzeichnen den Stand der Technik substanziell." Eine etwas ernüchternde Aussage, wenn man sich gerade vorher der Faszination, die von Ava ausgeht, nicht hat entziehen können.

Wahrscheinlich ist es eben so, dass Science-Fiction-Filme ihren (vor allem männlichen) Zuschauern zeigen, was die sich wünschen: schnelle Fluggeräte, spannende Abenteuer in fernen Welten und scheinbar perfekte Gespielinnen.

Zugleich aber ist da auch eine Furcht vor der Zukunft. Der Wissenschaftler Burgard bescheinigt Science-Fiction-Filmen eine oft "negative Attitüde", die ihm nicht gefällt. Er ist Optimist, was die Technik angeht. Aber die Frage, die Science-Fiction eben auch stellt, ist diese: Ob Technik und Wissenschaft nicht das bedrohen, was den Menschen in seinem Wesen ausmacht. Kann das Liebe sein, wenn der junge Mann sich in die Androidin verguckt?

Im nächsten Film der Reihe, "Vergiss mein nicht!" von Michel Gondry, geht es um die Manipulation der menschlichen Erinnerung mit Hilfe von Neurotechnologien. Ein Liebespaar lässt sich darauf ein, es entspinnt sich eine sehr komplexe Geschichte. Ob so etwas schon möglich ist, ob es überhaupt möglich sein kann, das erläutert anschließende der Freiburger Neurochirurg Phillip Kellmeyer.

Science Fiction in a Reality Check: Vergiss mein nicht! Kommunales Kino Freiburg, Dienstag, 31. Mai, 18 Uhr.


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Autor: Thomas Steiner