Ansprechpartner im Landratsamt vermisst

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Do, 26. Juli 2018

Kippenheim

Landtagspräsidentin Muhterem Aras besuchte die Gedenkstätte ehemalige Synagoge Kippenheim.

KIPPENHEIM. Der Aufbau der Gedenkstätte ehemalige Synagoge und aktuelle strukturelle Probleme waren Thema beim Besuch der Landtagspräsidentin Muhterem Aras am Montag in Kippenheim. Aras setzte sich mit Ehrenamtlichen, Lehrern und Politikern zusammen und nahm Appelle, Wünsche und Informationen mit nach Stuttgart. Ihrer Meinung nach ist eine breit verankerte und in die Zukunft weisende Gedenkkultur mitentscheidend für einen offenen Umgang innerhalb der Gesellschaft.

"Ist das auch meine Geschichte?", mögen Jugendliche und Erwachsene bezüglich der jüdischen Vergangenheit fragen, vor allem, wenn sie oder ihre Vorfahren nicht aus Deutschland stammen. "Das ist auch unsere Geschichte, denn wir leben in diesem Land", antwortet Muhterem Aras, die mit zwölf Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist. Aras ist zwei Tage lang auf Gedenkstättenreise am Oberrhein. Auf dem Programm: Kippenheim, Haslach (Gedenkstätte Vulkan), Emmendingen (Jüdisches Museum), Breisach (Das Blaue Haus, ehemaliges jüdisches Gemeindehaus) und Natzwiller in den Vogesen (ehemaliges Konzentrationslager Natzweiler-Struthof).

Aras fragt und hört zu. Knapp drei Stunden verbringt sie mit den zuständigen Förderern der heutigen Kulturstätte. Strukturelle Probleme lassen die Gedenkarbeit stocken, so die Aussage von Ehrenamtlichen und Lehrern, die sich für die ehemalige Synagoge Kippenheim stark machen. "Unser Verein hat keine finanziellen Sorgen", sagte der Vorsitzende Jürgen Stude, "und wir haben viele Veranstaltungen, die gut bis sehr gut besucht sind. Aber wir verstehen uns als Gedenkstätte für die Ortenau mit entsprechendem Angebot. Allerdings vermissen wir einen Ansprechpartner im Landratsamt, das wir auch in der Verantwortung für die Erinnerungsarbeit sehen. Immerhin war die Ortenau eines der großen jüdischen Zentren Badens." Der Kulturstätte fehle eine angemessene Anbindung an den Öffentlichen Verkehr. Aber auch die Bildungseinrichtungen vor Ort und in der nahen Umgebung nutzten das Angebot zu selten, so die Beobachtung des Vereins.

Wer sich die Mühe einer Auseinandersetzung mit dem Thema macht, hat das Interesse seiner Schüler, sagte Andrea Welz vom Max-Planck-Gymnasium Lahr. Ihr Kollege Florian Hellberg vom Anne-Frank-Gymnasium in Rheinau, das eine Schulpartnerschaft mit dem Förderverein pflegt, fährt ein Mal im Jahr mit der Jahrgangsstufe neun nach Kippenheim. Hellberg beklagte, dass die Lehrer zu wenig Freiraum für solche Exkursionen bekämen, und es kaum Unterrichtsmaterial gebe. "Wir müssen schnell auf Technik und Material zugreifen können und mit Kollegen anderer Schulen vernetzt sein", sagt er. Denn kaum ein Lehrer schaffe es, jedes Besuchsprogramm selbst zu entwickeln. Aktuell seien von der Landesregierung wieder Mittel für die Landeskunde und damit Deputate gekürzt worden. Hellberg: "Mein Appell ist: Geben Sie uns mehr Mittel für die Kinder."

Jürgen Stude und Robert Krais, der die Erinnerungsarbeit und die Renovierung des Gebäudes in den 1980er Jahren gefordert hatte, führten Aras durch das Gebäude und erläuterten die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte. 1981 wurde die Synagoge nach Jahrzehnten der Profanierung zu einem "Denkmal von besonderer Bedeutung" erklärt. Die Gemeinde Kippenheim kaufte die Synagoge und renovierte die Außenfassade und stellte deren ursprüngliches Aussehen wieder her.