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29. April 2014

Gelebte Inklusion statt nur Worte

Schülerinnen und Schüler der Georg-Wimmer-Schule aus Lahr besuchen das Jugendzentrum in Kippenheim.

  1. Schülerinnen und Schüler der Georg-Wimmer-Schule Lahr sind zu Gast im Jugendzentrum Kippenheim. Beim gemeinsamen Billardspiel werden Schranken überwunden und Vorurteile abgebaut. Foto: Sandra Decoux-Kone

KIPPENHEIM. Statt vieler Reden gab es einfach einmal Taten: "Wir sind Inklusion" hieß es am Montag im Jugendzentrum, als Schüler der Georg-Wimmer Schule aus Lahr zu Gast waren. Gemeinsam haben die Gäste mit ihren Gastgebern zu Mittag gegessen und später aus Birkenstämmen Kerzenständer gebastelt. Es war ein Probelauf für weitere Treffen. Das erste Fazit, das Jugendzentrumsleiterin Heike Dolenga und Lehrerin Ulrike Koscheck von der Georg-Wimmer-Schule zogen, war positiv und macht ihnen Mut zur Hoffnung, dass aus dem Begegnungstag ein regelmäßiger Kontakt wird.

Der regelmäßige Kontakt ist laut Ulrike Koscheck die Hoffnung der Eltern beim Stichwort Inklusion, die seit Jahren unter wechselnden Namen Thema in der Schule sei. Ist die Schule aber aus, sitzen laut Koschek viele der Schüler zu Hause bei ihren Eltern und haben kaum Kontakte nach draußen zu Gleichaltrigen. Diese Kontakte hofft man nun mit der Organisation von Treffen wie im Kippenheimer Jugendzentrum zu schaffen; der gemeinsame Tag entstand aus einer Initiative von Heike Dolenga und Ulrike Koscheck heraus, die sich privat kennen.

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Die Grundidee ist, dass die Jugendlichen den Gästen aus Lahr als Paten zur Seite stehen. Manuel, Sabrina, Martin und Tobias von der Georg-Wimmer-Schule kommen aus der Gemeinde und der näheren Umgebung. Geholfen hat beim Treffen, dass Sabrina ihre beiden Patinnen Adelina und Luisa, die ihr an dem Tag zur Seite stehen, schon kennt. Außerdem war die Schülerin schon einmal in Schmieheim im Jugendzentrum zu Besuch. Um die anderen Gäste kümmerten sich Florian, Nico und Philipp als weitere Paten. Alle fünf Sieben- und Achtklässler besuchen in Kippenheim die Werkrealschule und sind Stammgäste im Jugendzentrum.

Als Heike Dolenga sie fragte, ob sie mit den Schülerinnen und Schülern aus der Georg-Wimmer-Schule Lahr gemeinsam kochen und basteln wollen, haben sie sofort Ja gesagt. Grünes Licht gab’s auch von der Schulleitung, sie hatte ihnen am Montag schulfrei gegeben. Gemeinsam haben sie sich mit der Jugendtreffleiterin auf den Tag vorbereitet. Heike Dolenga erhofft sich von der Aktion vor allem, dass Vorurteile abgebaut werden.

Gemeinsam wird gekocht, gespielt und gebastelt

Vor der Ankunft der Gäste haben Adelina und Luisa ein Plakat gemalt, die Tische dekoriert und die Eingangstür mit einem Willkommensgruß geschmückt, die Buben haben Stühle herbeigeschafft und zusammen mit den ehrenamtlichen Helferinnen Gabriele Ketterer und Johanna Kalt Karotten und Fleisch geschnippelt. Auf dem Menüplan standen Putengeschnetzeltes mit Reis und Soße, zum Dessert gab’s Vanilleeis mit heißen Beeren.

Danach wurde gemeinsam Tischfußball und Billard gespielt. Auch Bürgermeister Matthias Gutbrod schaute kurz vorbei und gab den ein oder anderen Tipp, wie das Queue am besten zu halten ist. Später haben Manuel und Philipp die Birkenstämme von draußen reingeholt. Martin hatte schon einmal ein Praktikum bei einem Gartenbauunternehmen gemacht und könnte mit anpacken, wenn beim Jugendzentrum in Schmieheim auf dem Grünstreifen eine Kräuterspirale angelegt wird. Sabrina, die sich alleine nicht so recht ins Jugendzentrum trauen mag, wird vielleicht bald von Luisa und Adelina von zu Hause abgeholt, damit die Drei gemeinsam ins Juze gehen. Ob es dazu kommt, wird sich zeigen.

Erst einmal wollen Heike Dolenga und ihr Juze-Stamm den Tag am Montag miteinander besprechen, in Lahr werden Manuel und Martin und Lehrerin Ulrike Koscheck bei der Freitagskonferenz Bericht erstatten. Ebenso werden sich Heike Dolenga und Ulrike Koscheck miteinander kurzschließen, schließlich steht noch ein Gegenbesuch in der Georg-Wimmer-Schule an. Was die beiden nach dem gemeinsamen Tag? "Ein Anfang ist gemacht".

Inklusion

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat im Jahr 2008 "Inklusion" als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt. Inklusion (lateinisch "Enthaltensein") bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Das heißt: Menschen mit Behinderungen müssen sich nicht mehr integrieren und an die Umwelt anpassen, sondern diese ist von vornherein so ausgestattet, dass alle Menschen gleichberechtigt leben können – egal wie unterschiedlich sie sind. Das Ideal der Inklusion ist, dass die Unterscheidung "behindert/nichtbehindert" keine Relevanz mehr hat.  

Autor: bz

Autor: Irene Bär