Der Verbraucher sitzt an der Stellschraube

Barbara Riess

Von Barbara Riess

Di, 30. Mai 2017

Kirchzarten

Landwirte bei Fachgespräch über Nachhaltigkeit in Kirchzarten.

KIRCHZARTEN. Eigentlich ist die Sache klar. Die Mehrheit der Verbraucher will gesunde Nahrungsmittel aus nachhaltiger Produktion und möglichst in Bio-Qualität. Und dann greifen die meisten beim Großeinkauf im Supermarkt doch wieder dorthin, wo es am billigsten ist. Die Liebe zum Essen geht offenbar nicht durch den Magen, sondern durch den Geldbeutel. Was können Landwirte in einer Region wie dem Schwarzwald tun, um im Spannungsfeld zwischen Discounterdruck, Verbraucherinteressen und behördlichen Auflagen zu überleben? Mit dieser Fragestellung trafen sich Vertreter des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) und Landwirte mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter und Vertretern des SPD-Orts- und Kreisverbandes zum Fachgespräch im Thaddäushof bei Kirchzarten.

Schwarzelühr-Sutter richtete den Fokus auf die regionalen Strukturen, die nicht mit großen Betrieben zum Beispiel in Ostdeutschland zu vergleichen seien. Nachhaltigkeit beziehe sich nicht nur auf den Bio-Sektor, sondern müsse auch die ökonomischen Aspekte mit einbeziehen. "Der Bauer muss von dem, was er produziert, leben können", sagte sie. Der Weg dorthin gestaltet sich allerdings ziemlich schwierig, denn die Beziehung Erzeuger-Verbraucher sei immer noch ein zartes Pflänzchen, das durch jedes Sonderangebot im Discounter erschüttert werde.

"Man muss dem Verbraucher klar machen, dass er für 1,99 Euro kein nachhaltig produziertes Schweinesteak haben kann", sagte Michael Fröhling, BLHV-Kreisverbandsvorsitzender aus Müllheim. Dass das allein mit dem Appell an die Vernunft der Konsumenten funktioniert, glaubte keiner in der Runde. Angesichts der Düngeverordnung, der TA-Luft und der Gesetzgebung zur Tierhaltung sind oftmals Investitionen nötig, bei denen kleine Betriebe passen müssen, denn mit dem Preis, den sie für ihre Waren erzielen, können sie die Ausgaben nicht wettmachen, zumal die Konkurrenz der Agrarfabriken mächtig ist.

Rainer Bank, Betriebsleiter auf dem Thaddäushof, kennt die Zwickmühle, in der sich solche Höfe befinden. Der Thaddäushof ist ein Biolandbetrieb mit Milchkühen, Gemüsebau und einem Hofladen. "Wir wissen, dass die Kunden keine Gentechnik wollen, aber durch die Hintertür bekommen sie diese mit importierten billigen Nahrungsmitteln trotzdem untergejubelt." Für SPD-Kreisvorsitzende Birte Könnecke ist dies ein Grund dafür, auch für Importwaren die gleichen Standards zu fordern, wie sie für die im Land produzierten Nahrungsmittel gelten. Und dann ist da noch die Sache mit der Messlatte, auf die der Vertreter des Bauernverbands aufmerksam machte: "Die Politik muss bei neuen Bestimmungen prüfen, ob es Sinn macht, die kleineren Betriebe ebenso zu bewerten und zu belasten wie die großen", sagte Michael Nödl, stellvertretender BLHV-Hauptgeschäftsführer.

Nachhaltigkeit als Thema in Schulen und Kindergärten

Die angehende Landwirtin Charlotte Mark aus Buchenbach, die 2016 zur ersten badischen Milchkönigin gekürt wurde, sieht zudem in der Ausbildung eine große Chance. Nachhaltigkeit sei sowohl für junge Landwirte ein Thema als auch für Schulen und Kindergärten.

In einem Punkt war sich die Expertenrunde einig: Wenn der Verbraucher bereit ist, für nachhaltig produzierte Nahrungsmittel etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wäre damit den Erzeugern in der Region ein Stück weit geholfen. "Dem Verbraucher müssen regionale Lebensmittel etwas wert sein und zur Sicherheit sollten diese ein Siegel erhalten, auf das man sich verlassen kann", so Schwarzelühr-Sutter.