Turmspitze von St. Gallus

Rekordverdächtig: Storchenpaar in Kirchzarten bringt drei Junge durch

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mo, 04. Juni 2018 um 17:36 Uhr

Kirchzarten

Auf Regen folgte schnell wieder Sonnenschein: Das ist der Grund, warum die Jungstörche in Kirchzarten nicht an der gefährlichen Lungenentzündung erkrankt sind. Das war nicht immer so.

Schon im fünften Jahr nacheinander ist sich das Storchenpaar Sarah und Edgar – ursprünglich aus der Schweiz stammend – treu geblieben und hat nach getrennter Überwinterung in wärmeren Gefilden in ihrem Hochzeitshorst auf der Turmspitze von St. Gallus in Kirchzarten wieder zusammengefunden. In diesem Jahr haben sie drei Junge durchgebracht. Dies gilt als sehr gutes Ergebnis.

"Wir hatten bisher ein gutes Storchenjahr, wahrscheinlich ist es sogar rekordverdächtig" Gustav Bickel
Gustav Bickel aus Opfingen, Vorsitzender des Vereins Weißstorch-Breisgau, stehtdie Freude ins Gesicht geschrieben. "Wir hatten bisher ein gutes Storchenjahr, wahrscheinlich ist es sogar rekordverdächtig", sagt er. Ganz neue Nester, wie im Kolleg-Wäldle St. Sebastian in Stegen oder auf dem Lüftungsschacht des Gasthofs Bären in Zarten, habe es gegeben.

Vorteilhaft hätte sich ausgewirkt, dass trotz vieler Regengüsse danach immer gleich wieder die Sonne geschienen hätte und die Störche schnell wieder trocken werden konnten und somit nur wenige Junge an der für sie lebensgefährlichen Lungenentzündung erkrankt seien. Das war nicht immer so: Seit Beginn der Zählung 1911 sei in Kirchzarten das Nest auf St. Gallus bis 1925 dauerbelegt gewesen, danach erst wieder 1934 und 1959 je einmalig und dann erst wieder ab 1998 bis heute ununterbrochen. Die Bilanz dieser letzten Dauerperiode sei mit 34 Jungstörchen zufriedenstellend.

Sämtliche Daten auf dem Ring aus Plastik

Genug geredet, denn nun geht es in luftige Turmeshöhen, denn die drei Storchenjungen sind jetzt groß genug, um beringt zu werden. Der zweiteilige Plastikring, der um das Storchenbein gelegt wird, enthält ähnlich einem Autokennzeichen sämtliche Daten über das Tier, vor allem auch die Meldeadresse, an die Informationen übermittelt werden können, wenn ein Storch tot oder krank aufgefunden wird. Für den Breisgau ist dies die Vogelwarte in Radolfzell.

Gustav Bickel steigt über Wendeltreppen vorbei an der verstaubten und vor sich hin rottenden historischen Uhrwerksmechanik, passiert die mächtigen Glocken und erklimmt zuletzt die senkrechten Leitern zur Turmspitze. Er seilt sich alpinistisch an, klettert durch die Dachluke hinaus und in das Storchennest. Die Storcheneltern haben ihr Domizil ob der Störung längst verlassen, ein Altvogel beobachtet das Ganze jedoch vom Giebel eines benachbarten Hauses.

Viertes Ei im Nest gefunden

Gustav Bickel braucht nur wenige Minuten für seine Arbeit und findet im Nest noch ein viertes Ei, das zwischen die Äste des Nestbaus geraten ist und deswegen nicht bebrütet werden konnte. Er nimmt es mit, um es später der Kirchzartener Storchenmutter Waltraud Maurer zu schenken, die unten im Kirchhof derweilen eine Gruppe von interessierten Zuschauern betreut. Seit 20 Jahren ist Waltraud Maurer die gute Seele und Auskunftsstelle bei allem, was sich in Kirchzarten um die Betreuung der Störche dreht. Sie verlieh den Jungvögeln Namen und fand auch in diesem Jahr drei Patinnen für den Storchennachwuchs, für die sie Urkunden vorbereitet hat. In diesem Jahr sind dies Frigga Schlott aus Kirchzarten für Storch Odin, Christel Döhring aus Freiburg für Störchin Martha und Sabine Goller aus Mössingen für Störchin Rebecca. Erst der finanzielle Patenbeitrag ermöglicht die Beringung und Registrierung der Störche. Ob deren Namen geschlechtsspezifisch zutreffend sind, muss offen bleiben, denn Frau oder Mann lässt sich in diesem Stadium des Storchenwachstums nicht feststellen.

Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass auch alle drei Jungen flügge werden und künftig ihren eigenen Beitrag zur Vermehrung der Breisgauer Storchpopulation leisten. Und auch, dass die Ehe von Sarah und Edgar im nächsten Jahr weiterhin Bestand hat.