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03. März 2016

Ungetrübtes ästhetisches Vergnügen

Werke der Malerin Melanie Siegel beim Kunstverein Kirchzarten / Wechselspiel von Natur und Menschenwerk ins Bild gesetzt.

  1. Ausschnitt aus einem Werk von Melanie Siegel (links), die hier im Gespräch mit Joachim Kurz vor einem ihrer Bilder steht. Foto: Erich Krieger

  2. Melanie Siegel im Gespräch mit Joachim Kurz vor einem ihrer Bilder. Foto: Erich Krieger

KIRCHZARTEN. "Dominium Terrae", sinngemäß übersetzt mit "Herrschaft über die Erde", nannte Melanie Siegel die Präsentation ihrer Bilder in der Alten Evangelischen Kirche in Kirchzarten. Der dort beheimatete Kunstverein zeigt im 39. Jahr seines Bestehens in der 247. Ausstellung eine beeindruckende Werkschau der in Freiburg geborenen und in München lebenden Künstlerin.

Alle Bilder, vom Großformat bis zu kleinen Aquarellen, sind vom Wechselspiel oder vielleicht besser vom Widerspruch der sich selbst überlassenen Natur und dem domestizierenden Eingriff des Menschen inspiriert. Mal hält ein wuchtiger Mast einer Überlandleitung das um ihn herum in matten Farben wuchernde Gestrüpp in Schach, mal verschwinden nicht eindeutig zu identifizierende Baumpflanzen in einem sie überdachenden Gewächshaus in der Unendlichkeit. Auf einem anderen Bild schiebt sich ein im abstoßenden Stil der 60er-Jahre gemaltes Wohnsilo molochartig in einen armseligen Restwald.

Für Melanie Siegel sind stets symbolträchtige Platzhalter aus der Dinglichkeit der vom Menschen gestalteten objektiven Außenwelt und ihr jeweiliger innerer Blick darauf Ausgangspunkte für ihr Schaffen. Für Kunsterzieher Joachim Kurz vom Kunstvereinsvorstand, der die gut besuchte Vernissage eröffnete, entsteht dabei "eine Art Zwischenwelt aus Abbild und persönlicher Wahrnehmung", die ihn an den Surrealismus von René Magritte erinnere.

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Malkunst mit hohem technischen Können

In der widersprüchlichen Dialektik des ausbeuterischen Satzes "macht euch die Erde untertan" und einem pfleglich erhaltenden Umgang mit der außermenschlichen Natur entscheidet sich Melanie Siegel in ihren Werken nicht eindeutig. "Mal kippt die Darstellung in die eine, mal in die andere Richtung", sagt sie selbst und zwingt damit den Betrachter in einen eigenen Reflexionsprozess.

Sich einem solchen durch ihre Motive angeregt hinzugeben, ist neben einem damit verbundenen potenziellen Erkenntnisgewinn auch ein ungetrübtes ästhetisches Vergnügen, denn ihre Malkunst ist von außerordentlich hohem technischen Können unterfüttert. Nichts spricht also gegen einen Besuch dieser gelungenen Ausstellung.

Die Ausstellung von Melanie Siegel, "Dominium Terrae", ist noch bis 20. März in der Alten Evangelischen Kirche, Burger Straße 8, in Kirchzarten zu sehen; geöffnet ist sie jeweils Freitag, Samstag, Sonntag von 17 bis 19 Uhr.

Autor: Erich Krieger