Wehrhaftes Gebäude mit wechselnder Nutzung

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Mo, 10. September 2018

Kirchzarten

Die Gemeinde Kirchzarten zeigt am "Tag des offenen Denkmals" die Talvogtei und die Mediathek.

KIRCHZARTEN. Zu den ältesten Siedlungsplätzen des Dorfes Kirchzarten hatte die Gemeinde am gestrigen "Tag des offenen Denkmals" in die Talvogtei geladen. Bei jeweils zwei Führungen am Vor- und Nachmittag konnten das Rathaus Talvogtei im ehemaligen Schloss und die Mediathek in einer der renovierten Schalampi-Scheunen besichtigt werden. Als Experten standen Kirchzartens Archivar Dargleff Jahnke im Schloss und der erfahrene Sanierer alter Gebäude Willi Sutter in der Mediathek zur Verfügung.

Bei seinem Rundgang durch die Talvogtei vermittelte Jahnke mit vielen Fakten und Grafiken einen Überblick zur Geschichte der Talvogtei als "wehrhaftes Gebäude mit ständig wechselnder Nutzung". Der älteste Nachweis stammt aus dem Jahr 1297. Damals wurden die Rechte am sogenannten Dinghof von Kirchzarten vom Kloster St. Gallen an die Johanniter von Freiburg verkauft. 1320 erwarb Kuno von Falkenstein das Gebäude. Als Burg erfuhr es 1437 eine erste Erwähnung. Sie war von einer dicken hohen Mauer umgeben, deren Schießscharten ihre Wehrhaftigkeit ausdrückten. Wo heute die Dächer in die Höhe ragen, habe ein Zinnenkranz die Verteidigung der Anlage gesichert. Wassergräben und Teiche, heute weitgehend zugeschüttet, hätten sie noch verstärkt.

Jahnke erzählte von zahlreichen Besitzerwechseln in der langen Geschichte bis zum Ankauf der einzelnen Nord-, West- und Südflügel ab dem Jahre 1981 durch die Gemeinde Kirchzarten. Sie gab dem auch als Werkstätten und Wohnungen genutzten Gebäude mit einer äußerst liebevollen Renovierung den heutigen Glanz und die Funktionalität als Verwaltungssitz. Ein Rundgang mit Blick in die Große Stube, das Bürgermeisterzimmer und das einstige Verlies sorgte bei den Besuchern für staunende Augen und weckte Hochachtung für den gelungenen Denkmalschutz.

Bei seiner Führung durch die Mediathek unterstrich Willi Sutter, wie Sanierungen alter Bausubstanz die Historie eines Ortes stärken können. Hier sei es gelungen, Denkmalschutz und Modernität sinnvoll miteinander zu vereinen: "Wir haben viel Licht in die alte Scheune gebracht und in der Mediathek ein offenes Arbeiten ermöglicht." Durch den Steg zwischen Mediathek und Verwaltungsscheune sei es gelungen, ohne absperrende Brandschutztüren auszukommen. Erstmals sei im Inneren das Holz der Weißtanne in dieser Ausprägung eingesetzt worden: "Alles neue Holz an Wänden und auf dem Boden ist Weißtanne", erklärte Sutter.