Der Abend mit dem doppelten Halleluja

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Mo, 18. Dezember 2017

Klassik

Der Dirigent Hannes Reich und der Freiburger Bachchor interpretierten Georg Friedrich Händels Oratorium "Messiah" im Konzerthaus Freiburg.

"His yoke is easy, His burthen is light" (Sein Joch ist sanft, seine Last ist leicht): Die Worte vom Schluss des ersten Teils könnten als Leitlinie über dieser gesamten Aufführung von Georg Friedrich Händels "Messiah" stehen, die der Freiburger Bachchor jetzt ins trefflich gefüllte Konzerthaus brachte. Das in der englischen Originalsprache dargebotene barocke Oratorium mit Stationen aus dem Leben Jesu als Programm: Hier wurde es zur beglückenden Botschaft von der Erlösung und Freiheit des Christenmenschen.

Dass dies gelingen konnte, ist in erster Linie Hannes Reich zu verdanken, der auch bei seiner (nach 2015) nunmehr zweiten "Messias"-Runde souveräne Partiturkenntnis an den Tag legte. Ein führungsstarker, frische Tempi bevorzugender Dirigent und feinsinniger Klangformer, der – wie bereits Hans Michael Beuerle – in der Lage ist, eine mehr als hundertköpfige, bestens aufgestellte Choristenschar für das dienstbar zu machen, was man historisch informierte Aufführungspraxis nennt. Die wie mühelose Leichtigkeit bis hin zu den Koloraturen: durchweg beeindruckend!

Häufig gab es ein sehr schönes Zusammenwirken von Chor und dem von Lisa Juliane Immer angeführten Bachorchester, bei dem vor allem der warme Streicherklang für sich einnahm. Da geriet die "Pifa", jene schlichte C-Dur-Hirtenmusik im Zwölfachteltakt, zu einem wohligen Schlummerlied fürs Jesuskind.

Ausdruck wurde bei dieser konzeptionell rundum schlüssigen Messias-Deutung kaum mit Druck verwechselt. Auch dort nicht, wo, etwa im Hinblick aufs Passionsgeschehen, im expressiven Kontext ernste Töne anzuschlagen sind. Dass in der Bassarie "The trumpet shall sound" bei Geerten Roozes Trompetenpart nicht alles absolut astrein war – geschenkt!

Man hörte vier überzeugende Vokalsolisten. David Erlers Altus punktete primär durch seine immer wieder druckfrei fließende Natürlichkeit. Beseelt und dabei im besten Sinn nachrichtlich interpretierte Franziska Bobe ihre E-Dur-Larghetto-Arie "Ich weiß, dass mein Erlöser lebet". Erlösung – hier beinah als Gewissheit. Thomas Volles Tenorlyrik war aller Ehren wert. Und nach einem etwas schwächelnden Start bewies auch der Bassist Simon Robinson, was er wirklich kann.

Kein Aspekt aus Händels Meisterwerk mit seinen Bildern und Kontrasten wurde bei dieser in summa sehr gelungenen Auslegung nur halbherzig thematisiert. So gab es viel Innigkeit. Und wenn am Ende von der Würde des Lammes, das da starb, die Rede ist, so bekam der Klang durchaus auch Gewicht. Eher leichtfüßig hob dagegen das "Halleluja" an.

Wobei Letzteres zweimal erklang. Denn: Am Ende des Abends und nach dem Verteilen von Notenblättern wurde der Händel-Hit vom gesamten Auditorium unter Hannes Reichs Leitung erneut gesungen. In britischer Tradition. Mit dem kleinen Unterschied, dass man das auf der Insel wohl auch ohne Noten in der Hand geschafft hätte...