Ein Klang von ansteckender Lebendigkeit

Nikolaus Cybinski

Von Nikolaus Cybinski

Mo, 10. Juli 2017

Klassik

Konzert des Motettenchors Lörrach mit dem Piccolo Coro und dem Piccola Ochestra aus Prag.

Vielleicht hatten die Lörracher Musikfreunde an diesem heißen Sommersamstag tatsächlich zu viel gesungen, um Lust zu haben, am Abend in der Evangelischen Stadtkirche noch dem Piccolo Coro & Piccola Orchestra aus Prag unter Marek Valáseks Leitung zuzuhören. So war die Kirche nur gut zur Hälfte besetzt, doch die jetzt dasaßen, hörten einen ausgezeichneten Piccolo Coro; junge Frauenstimmen, die jede Höhe mühelos und klar meisterten, und erfreulich kultiviert singende Männer. Der Gesamtklang des Coro war homogen und von der ansteckenden Lebendigkeit, die das Zuhören zum wachen Vergnügen macht.

Die Prager begannen mit Palestrinas "Exsultate Deo" und wechselten im kühnen Zeitsprung zu ihren komponierenden Landsleuten aus dem vorigen Jahrhundert: Jan Bernátek (geboren 1950), Zdenek Lukás (1928 bis 2007) und Petr Eben (1929 bis 2007). Wir hörten "zeitgenössische" tschechische A-cappella-Chormusik, die ohne Verkrampfung und frei von jeglicher Anbiederung in der Tradition böhmischen Musikmachens steht. Mal harmonisch kühner wie in Bernáteks "Laudate Dominum" und Ebens "Cantico delle creature", mal in dieser Hinsicht konventioneller wie in Lukás’ "Pater noster", doch immer überraschend und hörenswert, und, vor allem, professionell gesungen: sicher in der Intonation, klar in der Artikulation und der Textverständlichkeit und nuanciert in allen Belangen der Dynamik.

Nicht auf gleichem interpretatorischen Niveau spielte das Piccola Orchestra; die zwölf jungen Frauen (Geigen und Celli) und die drei Herren (Bratschen und Kontrabass) fanden zwar in Händels Ouvertüre zum "Messias" den angemessenen Orchesterklang, doch in der zweiten Streichersinfonie des jugendlichen Mendelssohn verfehlten sie ihn, denn vor allem die Tonbildung der Geigen verwandelte die Luftigkeit dieser Musik in leicht stampfende Direktheit. Doch am Schluss, in Zelenkas "Magnificat" und in Mozarts "Ave verum corpus", das die Prager mit Sängerinnen und Sängern des Lörracher Motettenchors sangen, waren alle Defizite vergessen. Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1754) erinnerte wieder daran, wie lebendig die böhmische Musiktradition war. Mozart wusste schon, worauf er in Prag zählen konnte und warum er "Don Giovanni" und "La clemenza di Tito" dort uraufführte.