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14. Juli 2015

ZMF-Gala

"Exil - Asyl - Heimat" lautete das diesjährige Motto

ZMF I: "Exil – Asyl – Heimat" lautete das Motto der diesjährigen Gala.

  1. ZMF-Ehrenpreisträger Gerhard Polt bei Gala im Zirkuszelt. Foto: Wolfgang Grabherr

In Freital werden Flüchtlinge vom pöbelnden Mob verängstigt, in Freiburg stehen ihre Leidensgenossen bei der Gala des Zeltmusikfestivals auf der Bühne des Zirkuszeltes und werden mit stehenden Ovationen gefeiert. "Exil – Asyl – Heimat" heißt das Motto der Gala, die Clemens Salm von der Oberle-Stiftung moderierte. Mit diesem rund dreieinhalbstündigen Abend schafft Festivalleiter Alexander Heisler die Quadratur des Kreises – ein sehr ernstes Thema auf so berührende wie unterhaltsame Weise aufzuarbeiten. Begeisterung und Betroffenheit schließen sich nicht aus an diesem Abend.

"Wenn jemand auf einen kleinen Jungen schießt, das kann ich nicht aushalten" heißt es in einem der Gedichte, die Schülerinnen und Schüler der Freiburger Hebelschule über ihre eigenen Kriegserfahrungen geschrieben haben. Beim Projekt des Freiburger Theaters "Weit vom Auge – Weit vom Herz" tanzen sechs Flüchtlinge gemeinsam mit der Hip-Hop-Formation "Juvenile Maze" des Freiburger Tanzstudios Dance Emotion zu diesen Gedichten (Choreographie: Anita Khosravi). Es entsteht eine mitreißende Performance voller Energie und Körperspannung.

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Auch der aktuelle ZMF-Preisträger Jan Mustafa, der kurze Zeit später von Oberbürgermeister Dieter Salomon die ZMF-Krone überreicht bekommt, ist hier dabei. Der 21-jährige kurdisch-syrische Tänzer und Rapper, der für einen von ihm gedrehten Dokumentarfilm gerade ausgezeichnet wurde, ist aus Aleppo geflüchtet. Hier in Freiburg hat er eine neue Heimat gefunden, wofür er zutiefst dankbar ist. Die Deutschlandfahne lässt er an diesem Abend fast nicht mehr los.

Wie schon in den vergangenen Jahren ist die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter der Leitung von Juri Gilbo zu Gast und sorgt nicht nur mit Schostakowitschs "Tanz der Kutscher" für orchestralen Glanz. Auch die Begleitung der erstklassigen Solisten ist sensibel. Manuel Druminski (Violine) verbindet in Sarasates "Zigeunerweisen" Virtuosität mit spielerischer Leichtigkeit und großer Ausdruckskraft. Enrique Ugarte (Akkordeon) zeigt eine hochemotionale Version von Astor Piazzollas "Libertango". Die Sängerin Brenda Boykin verleiht den beiden Songs von George Gershwin Wärme und Emotion.

Auch die anderen Programmpunkte haben hohes musikalisches Niveau. Der ZMF-Dauergast Perry Robinson (Klarinette) trifft auf Murat Coskuns mitreißendes WorldPercussionEnsemble. Das junge israelisch-palästinensische Streichquartett Polyphony gefällt mit dem schwerelos gespielten, nur ein wenig gehetzten Finale aus Franz Schuberts "Rosamunde"-Quartett.

Nur die stark gekürzte Fassung von Prokofiews "Peter und der Wolf" (ohne Wolf) mit ZMF-Ehrenpreisträger Gerhard Polt als Erzähler wirkt in der wie immer lockeren, aber durchaus schlüssigen Dramaturgie des Abends dann doch wie ein Fremdkörper. Die beiden bitterbösen Solonummern des bayerischen Kabarettisten über Minderheitenängste und einen Rentner mit Demokratiedefizit dagegen sind Glanzpunkte. Im Gedächtnis haften bleibt auch der fulminante Auftritt der Magnet Family mit dem Rapper Peter Stöcklin, der auch beim Freestyle über zehn vom Publikum vorgeschlagene Begriffe nicht aus der Kurve fliegt. Am Ende kommen zu Kurt Weills "Mackie Messer" aus der "Dreigroschenoper" nochmals alle auf die Bühne. Und vereinen sich zur großen ZMF-Familie.

Autor: Georg Rudiger