"Freud’, ewge Freude"

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Mo, 12. November 2018

Klassik

Freiburger Bachchor mit Schumanns "Das Paradies und die Peri".

Ein unreiner Engel, der in exotischen Ländern nach "des Himmels liebster Gabe" suchen muss und erst nach dem dritten Sühneversuch erlöst wird – diese Geschichte erzählt Robert Schumanns Oratorium "Das Paradies und die Peri", 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführt. Heute kennt man das dramaturgisch schwierige, musikalisch überaus reiche Werk kaum. Dass es nun der Freiburger Bachchor zum ersten Mal überhaupt im Freiburger Konzerthaus zur Aufführung brachte, war der Wunsch seines Dirigenten Hannes Reich.

Die mit großem Beifall bedachte Interpretation ist auch ein starkes Plädoyer für das Werk. Reich verankert die abenteuerliche Reise Peris auf der Suche nach Erlösung ganz im Lyrischen. Orchester, Chor und Solisten nähern sich in den Phrasierungen, Klangfarben und den vielen dynamischen Feinabstufungen einander an. Spitzentöne werden nur kurz angestochen, um die Transparenz nicht zu gefährden. Die vielen Übergänge, mit denen Schumann die Einzelteile zu einem größeren Ganzen verklammert, gelingen ihm organisch. Ein lichtes Klangbild, das selbst im Tutti nie grell wird, kennzeichnet die Interpretation. Auch der durchaus dramatische erste Teil wird nicht überdreht. Der "Chor der Inder und der Eroberer" hat Wucht in den Janitscharen-Rhythmen und dem fokussierten Klang des Freiburger Bachchors, bleibt aber beweglich. Die schwebenden, abschwellenden Terzen des Frauenchors in hoher Lage ("Weh, weh") sind tiefe Seufzer. Der Freiburger Bachchor besticht durch Homogenität, gute Textverständlichkeit und eine Flexibilität, die diese Hundertschaft wie einen Kammerchor klingen lässt.

Auch das Freiburger Bachorchester glänzt (bei leichten Einschränkungen in den Violinen) mit einem genau ausbalancierten Gesamtklang und modellierten Details, wenn die hervorragende Cellogruppe wieder einmal eine Melodie veredelt oder Peter Bromig (Horn) im dritten Teil das heikle Solo ("Es fällt ein Tropfen aufs Land") beseelt. Sebastian Kohlhepp (Tenor) ist ein lyrischer, fast liedhafter Erzähler mit viel Charisma, die großartige, tief lotende Altistin Renée Morloc ein echter Glücksfall. Auch Mirella Hagen (mit kristallinem Sopran) und Bassbariton Hanno Müller-Brachmann (immer sonor, aber auch etwas manieriert) bereichern das Solistenensemble.

Die als krank angekündigte Johanna Winkel (Sopran) meistert die große, hoch liegende Partie der Peri mit Bravour und berührt besonders in den innigen Passagen. Dass sie dann am Ende des strahlenden Schlusschors "Freud’, ewge Freude" das dreigestrichene C nicht durchhält, ist verständlich und wird vom Orchester- und Chorglanz überstrahlt. Peri ist erlöst – und das Freiburger Publikum ist beglückt.