Natur und Kunst in Harmonie

Gero Schreier

Von Gero Schreier

Fr, 15. Mai 2015

Klassik

Das John-Sheppard-Ensemble konzertierte in Freiburg.

Ein Summen wie das Säuseln des Abendwindes. "Ruhig der Himmel, still steht der Wald": Klang gewordene Impressionen aus nordischen Landschaften. Mit einem Programm skandinavischer A-cappella-Chormusik war jüngst das John-Sheppard-Ensemble in der Freiburger Christuskirche zu hören (sowie zuvor schon in Müllheim und tags darauf in Teningen). Unter Leitung von Bernhard Schmidt beeindruckt die Formation mit nahezu lupenreinen, außerordentlich klangschönen Darbietungen.

Der Chor ist von mittlerer Zahlenstärke, erreicht aber dennoch einen auffallend schlanken, durchhörbaren Gesamtklang. Dass die Sängerinnen und Sänger gemischt stehen, dürfte ein Gutteil zum Eindruck der besonderen klanglichen Homogenität beitragen. In den zumeist ruhigen, flächig wirkenden Stücken entfaltet sich sehr gepflegter Chorklang, dem die mittleren und insbesondere die satten, samtigen tieferen Register warmes, dunkles Kolorit verleihen.

Zum Thema passt die Lichtinstallation

Vor allem besticht die technisch, aber auch interpretatorisch souveräne Arbeit im Piano. So in Hugo Alvféns "Aftonen", in dem die wunderbar rund geformten Phrasenbögen immer wieder in besagtes Summen auslaufen. Ruhig, allenfalls liedhaft bewegt fließen die Chorsätze von Edvard Grieg und Carl Nielsen. Sehr schlüssiger interpretatorischer Aufbau, sauber gespannte Bögen auch in Ola Gjeilos Hohelied-Vertonung "Pulchra es". Werke wie die von Jean Sibelius oder die der neueren Tonsetzer Einojuhani Rautavaara, Jørgen Jersild und Jan Sandström wirken moderner, mitunter auch experimenteller. Dissonanzen und offene Klangfelder sorgen oft für diffuse Atmosphären, aber auch tänzerische und quirlig verwobene Texturen fehlen nicht.

Zum Thema des Programms "Nordlichter" passt die Lichtinstallation von Matthias Wilcken-Frey: Eine sparsame Ausleuchtung des Chorumgangs der Christuskirche in stillen Grün- und Blautönen; später erscheinen glühwürmchenartig bewegliche Lichtpunkte. Ullo von Peinens Könnerschaft zeigt sich in seinen Rezitationen der jeweiligen Liedtexte. Eigenartig, als sich in Andréas Halléns "Philharmonie", dessen Text vom himmlischen Frieden durch herabsteigende Töne spricht, in den klangvollen, an die Spätromantik erinnernden Chorsatz von außen ein Vogel meldet: Natur und Kunst in Harmonie.