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03. Februar 2016

Interview

Petra Lang: „Dieses Konzert liegt mir besonders am Herzen“

BZ-INTERVIEW: Petra Lang singt in Freiburg die Solopartie in Mahlers Sinfonie Nr. 3 und debütiert im Sommer als Isolde in Bayreuth.

  1. Petra Lang Foto: Ann Weitz

Petra Lang gehört zu den führenden Interpretinnen im Wagner-Repertoire. Vor ihrem Auftritt mit dem SWR-Sinfonieorchester bei Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 3 unterhielt sich Georg Rudiger mit der Frankfurterin über das Warten auf den Einsatz, ihren Fachwechsel vom Mezzo zum Sopran und ihr kommendes Bayreuther Debüt als Isolde.

BZ: Frau Lang, für einen Fußballtorhüter ist es schwierig, wenn lange kein Ball aufs Tor fliegt und in der Schlussphase ein gefährlicher Schuss kommt. Wie ist das für Sie, wenn Sie in Mahlers dritter Sinfonie über eine Stunde auf den Einsatz warten müssen und dann im Mittelpunkt stehen?
Lang: Wir Sängerinnen müssen oft ohne Vorbereitungszeit agieren. Das sind wir gewohnt – auch das Warten. Der Einsatz muss technisch gut vorbereitet sein. Bei der "Dritten" höre ich vorher intensiv der Musik zu. Und wenn ich für das Solo aufstehe, ist das die Fortsetzung davon.
BZ: Worin liegt der Reiz dieser Partie?
Lang: Für mich ist emotional unglaublich viel mit dieser Musik verbunden. Auch der Text von Nietzsche berührt mich. Die Einsamkeit in der Nacht, der Erlösungsgedanke – das beschäftigt jeden Menschen. Wenn ich mich danach setze und dem letzten Satz zuhören darf, den Mahler mit "Was mir die Liebe erzählt" überschrieben hat, jagt es mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken. Und ich bin dankbar, dass ich Teil dieses Ganzen sein darf.

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BZ: Sie wissen, dass das SWR-Orchester auf Abschiedstournee ist, weil es mit dem RSO Stuttgart fusioniert wird. Mit welchem Gefühl kommen Sie zu den Proben?
Lang: Ich fahre mit einem traurigen Gefühl nach Freiburg. Ich habe Geige studiert, viel im Orchester gespielt und Kammermusik gemacht. Ich kenne den Zusammenhalt innerhalb eines Klangkörpers. Und der ist beim SWR-Sinfonieorchester besonders hoch – das habe ich selbst erfahren, als ich Schönberg-Lieder mit ihm gemacht habe. Ich kann mir vorstellen, dass eine Fusion für die Musiker so ist, als würde man ein Stück vom Körper wegschneiden. Letztendlich stirbt da vielleicht auch ein Teil der Seele mit.
BZ: Bei den Bayreuther Festspielen debütieren Sie im Sommer als Isolde. Es ist das erste Mal, dass Sie die Partie singen...
Lang: Ich habe einen unglaublichen Respekt vor der Isolde. Diese Partie ist die Krönung für jeden dramatischen Sopran. Die Isolde in Bayreuth singen zu dürfen, und das noch mit Christian Thielemann, ist der Höhepunkt meiner Karriere.
BZ: Sie haben 2012 einen Fachwechsel gemacht vom Mezzosopran ins dramatische Sopranfach. Was hat Ihre Stimme dabei gewonnen, was vielleicht verloren?
Lang: Ich habe in meiner Karriere, was die Oper angeht, als lyrischer Mezzosopran viel hohes Repertoire gesungen. Im Konzert auch viele Altpartien. In der Tiefe kam ich an Grenzen, in der Höhe fühlte sich meine Stimme am wohlsten. So gesehen war der Schritt vom Mezzo zum Sopran kein echter Wechsel, weil ich die anderen Partien ja noch mitnehme. Dennoch wird das wahrscheinlich meine letzte "Dritte" Mahler sein. Deshalb liegt mir das Konzert besonders am Herzen.
BZ: Dann haben Sie vor allem Mut gebraucht, diesen Schritt zu wagen.
Lang: Mut ist das entscheidende Wort. Ich weiß von vielen Kolleginnen: Wenn du Isolde singst, darfst du nicht darüber nachdenken, was du tust. Für die Isolde war ich schon lange angefragt, habe aber abgelehnt. Ich habe so viele Kolleginnen mit dieser Partie kaputtgehen sehen. In Bayreuth letzten Sommer hat mich Katharina Wagner nach der "Lohengrin"-Orchesterprobe gefragt, ob ich bei der Probe Isolde singen könnte. Ich habe kurz mit dem Assistenten von Christian Thielemann gearbeitet. Am anderen Morgen habe ich die Sitzprobe erster Akt aus Noten gesungen. Dadurch ist der große Druck weggegangen. Ich sah: Ich kann das singen. Und es macht auch noch Spaß.

SWR-Konzert heute, 3. Februar, 20 Uhr, Konzerthaus Freiburg.
Petra Lang wurde 1962 in Frankfurt am Main geboren. Sie ist eine bedeutende Wagner- und Mahler-Interpretin.

Autor: ruge