Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Januar 2017

Umgeben von Musik

Das John Sheppard Ensemble in der Freiburger Christuskirche.

Die Leipziger, die Hallenser und die Londoner Weihnacht hat das Freiburger John Sheppard Ensemble mit seinem Dirigenten Bernhard Schmidt in den letzten Jahren schon gefeiert. Jetzt hatte der 1995 von Johannes Tolle gegründete Kammerchor zur Dresdner Weihnacht in die gut besetzte Freiburger Christuskirche geladen. Und zelebrierte auf hohem Niveau frühbarocke Musik, die stark von der venezianischen Mehrchörigkeit geprägt ist.

Neben dem 32 Mitglieder umfassenden John Sheppard Ensemble ist noch ein rund 80-köpfiger Mitsingchor im Altarraum und den Seitenschiffen verteilt. Mehrmals wird auch das Publikum als singende Gemeinde mit einbezogen. Die Christuskirche dient mit ihren Emporen als vielschichtiger Klangraum. Man ist umgeben von Musik, wenn wie bei Hans Leo Haßlers opulentem sechzehnstimmigem "Duo Seraphim" von allen vier Seiten die vokalen und instrumentalen Klänge auf das Publikum einwirken

Bernhard Schmidt steht im Zentrum des Geschehens, behält die Übersicht und sorgt für höchste Transparenz. Das Konzert wird zum sinnlichen Hörerlebnis, bei dem durch den geringen Nachhall des Kirchenraums jede einzelne Stimme verfolgt werden kann. Auch bei Haßlers rein instrumentalem "Canzone duodecimi toni" wetteifern Streicher (zwei Violinen, zwei Gamben) und Bläser (Fagott, zwei Zinken und zwei Posaunen) miteinander. Selbst die große Orgel (Sebastian Bausch) auf der hinteren Empore findet ihr Gegenüber im Orgelpositiv (Martin Müller) im Altarraum.

Werbung


Das dramaturgisch eng verklammerte Programm setzt Heinrich Schütz’ Weihnachtshistorie ins Zentrum. Die große lyrischen Partie des Evangelisten belässt Florian Cramer in ihrer Schlichtheit. Der Freiburger Tenor kostet die Haltepunkte aus und gestaltet die langen Textpassagen mit feiner Differenzierung. Diese Variabilität zeichnet die gesamte Interpretation aus. Die Engel werden durch Siri Karoline Thornhill (schlackenlos und hell) und Angelika Lenter (mit mehr Körper und etwas dunklerer Färbung) individuell gezeichnet. Das John Sheppard Ensemble teilt sich auf in kleinere Solistengruppen. Und glänzt auch im Tutti wie beim zweiten Intermedium "Ehre sei Gott in der Höhe" mit leichtfüßigen Koloraturen und genau aufeinander abgestimmten Registern.

Ein vielschichtiger

Klangraum

Häufig dirigiert Bernhard Schmidt ganztaktig, um das Tänzerische dieser fröhlichen Weihnachtsmusik zu betonen. Gelegentliche Intonationsschwächen im Instrumentalensemble können den Glanz der Aufführung nicht trüben. Die kürzeren Dresdner Weihnachtsstücke wie Andreas Hammerschmidts "Das Wort ward Fleisch" oder Michael Praetorius’ "Quem Pastores laudavere" mit sechs in der Kirche verteilten Knabensopranen sind stimmig um diese Achse gruppiert.

Tobias Knaus (Altus), Tiago Pinheiro de Oliveira (Tenor) und Karsten Müller (Bass) sorgen für weitere Farben in diesem abwechslungsreichen Kirchenkonzert, das mit Johann Hermann Scheins "Ein Kind geborn zu Betlehem", kraftvoll intoniert vom Publikum und musikalisch überhöht durch die Ensembles, feierlich zu Ende geht.

Autor: Georg Rudiger