Singen, Dirigieren, Arrangieren

Vier Chöre aus Freiburg beim Deutschen Chorwettbewerb

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Do, 03. Mai 2018 um 10:55 Uhr

Klassik

Sie messen sich vom 5. bis zum 13. Mai in Freiburg mit 130 Laienensembles: ein Treffen mit den Chorleitern Bernhard Schmidt, Julian Knörzer und Adrian Goldner.

Alle drei haben an der Freiburger Musikhochschule Schulmusik studiert. Musiklehrer ist aber keiner von ihnen geworden. Sie verdienen ihr Geld mit Singen, Dirigieren, Arrangieren, Beatboxen und Unterrichten. Bernhard Schmidt (John- Sheppard-Ensemble), Julian Knörzer (Senior Jazz Chor) und Adrian Goldner (Twäng!, Herrengedeck) sind freie Musiker. Beim nur einmal in vier Jahren stattfindenden Deutschen Chorwettbewerb in Freiburg (5. bis 13. Mai) messen sie sich mit ihren Chören mit 130 anderen Amateurensembles aus dem ganzen Bundesgebiet, die sich über den Landeswettbewerb qualifiziert haben.

Die Begrüßung beim gemeinsamen Treffen in einem Freiburger Café ist herzlich. Julian Knörzer erzählt grinsend, dass Bernhard ihm schon einmal Dirigierunterricht gegeben hatte, als er ganz neu an der Freiburger Musikhochschule war. Mit Adrian habe er aber mehr zu tun, weil beide in A-cappella-Formationen singen würden und sich häufig über ihre Arbeit austauschten. "Das ist einfach die gleiche Szene", sagt Julian Knörzer. Der 33-jährige Freiburger ist vor allem als Beatboxer, der mit dem Mund ein ganzes Schlagzeug imitieren kann, bekannt – im Jazzchor Freiburg sowie seinen eigenen Ensembles Unduzo und Acoustic Instinct. Beim Deutschen Chorwettbewerb ist er nicht nur im Sonderkonzert des Jazzchors (10.5., 20 Uhr, Konzerthaus) zu erleben, sondern nimmt auch als Dirigent mit seinem Senior Jazzchor teil (11.5., 16.50 Uhr, Forum Merzhausen). Den Ableger des Jazzchors Freiburg hat er 2014 übernommen – für ihn war es der erste Chor überhaupt. "Ich habe dann gleich das Repertoire verändert und Gospels und Weltmusik durch ausgefeilte Jazzarrangements ersetzt."

Für das zwanzigminütige Wettbewerbsprogramm, bei dem der 35-köpfige Chor zusammen mit einem Jazztrio antritt, hat Knörzer neben dem Pflichtstück "Believe It Or Not" von James Taylor vier weitere Songs ausgesucht. "Mit ‚Sing To The Moon‘ haben wir noch eine besondere Farbe im Programm." Etwa vier Konzerte gibt der Senior Jazzchor im Jahr – die Altersspanne der Mitglieder reicht von Ende 20 bis 91 – das älteste Chormitglied feiert am Wettbewerbstag seinen 92. Geburtstag.

Beim Popchor Twäng! repräsentiert Chorleiter Adrian Goldner mit seinen 26 Jahren das Durchschnittsalter der Sängerinnen und Sänger. Frühere Mitglieder von Voice-Event, die zu alt für diesen Schülerjazzchor wurden, hatten 2014 diesen Chor gegründet und dafür einen Dirigenten gesucht. Goldner sagte zu, weil er seine eigenen Arrangements ausprobieren wollte und bald seine Dirigierprüfung hatte, die er dann erfolgreich bestand.
Die Qualitätssicherung
ist dabei wichtig

Der 45-köpfige Chor, der rund zehn Konzerte im Jahr gibt, erarbeitet auch Choreographien zu den ausgefeilten Arrangements, von denen die meisten aus Goldners Feder stammen. "Fever" arrangierte der Freiburger vor einem Jahr speziell für den Chorwettbewerb (6.5., Messe, 16.05 Uhr). "Damals hatten wir noch nicht das passende Niveau, aber inzwischen singt der Chor diesen Latin-Swing hervorragend", erzählt Goldner, der sich auch noch mit seinem vierköpfigen Freiburger Vokalensemble Herrengedeck qualifiziert hat (7.5., Christuskirche, 13.50 Uhr).

"Beim Dirigieren ist es wunderbar, so viele verschiedene Persönlichkeiten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen", sagt Goldner. Bernhard Schmidt nickt und ergänzt: "Im normalen Leben spielt jeder eine Rolle und trägt eine Fassade. Im Chorgesang wird das ganz abgelegt und man findet zu einer gemeinsamen Emotion." Zum Dirigieren kam der 36-jährige Saarländer durch seine erste Stelle als Organist in Freiburg-St. Georgen, die er gleich in seinem ersten Studiensemester mit Schul- und Kirchenmusik im Jahr 2001 antrat. "Der Kirchenchor, den ich mit übernahm, war mein bester Lehrer", sagt Schmidt, der seine Dirigierausbildung mit einem Auslandsjahr an der Musikhochschule Stockholm und einem Aufbaustudium Chorleitung bei Morten Schuldt-Jensen an der Freiburger Musikhochschule fortführte.

Der Dirigent von insgesamt fünf Chören tritt beim Wettbewerb gleich mit zwei seiner Ensembles in der gleichen Kategorie an. Neben der Canta Nova Saar hat er sich auch mit dem Freiburger John-Sheppard-Ensemble (6.5., Paulussaal, 13 Uhr) qualifiziert: "Mir war es wichtig, im Wettbewerbsprogramm auch einen roten Faden zu haben. Mir geht es nicht um das typische höher, schneller, weiter", sagt der erfahrene Chorleiter. Aber natürlich spielt die Qualitätssicherung bei allen drei Freiburger Chordirigenten eine wichtige Rolle. Ohne ein Vorsingen ist bei keinem der Ensembles eine Mitgliedschaft möglich. Bernhard Schmidt schreibt Protokolle von seinen Proben, die an alle Chorsänger verschickt werden. Im Senior Jazzchor und Twäng! werden selbstorganisierte Stimmproben abgehalten. Trotz der hohen gesanglichen Anforderungen gibt es bei den Chören lange Wartelisten. "Ich möchte den Chor auch nicht zu groß werden lassen, weil erfahrungsgemäß die Eigenverantwortlichkeit der Mitglieder mit der Größe des Ensembles sinkt", erzählt Knörzer, Dozent für Jazzgesang und Beatboxing an der Freiburger Musikhochschule. Nachwuchsprobleme hätten vor allem die Jugendchöre wie Voice Event oder der Junior Jazzchor. Wegen des häufigen, durch G8 verstärkten Nachmittagsunterrichts seien die Schüler oft so eingespannt, dass kaum mehr Zeit und Energie bleibe für intensive musikalische Chorproben.

In Sachen Qualitätssteigerung ist der Deutsche Chorwettbewerb durchaus wichtig für die Freiburger Dirigenten. "Wir legen in den Proben schon noch eine Schippe drauf", sagt Julian Knörzer. "Ein Erfolg bei solch einem Wettbewerb wäre natürlich auch gut für die Vita des Chores." Sehr reizvoll für die Chormitglieder sei es, einmal nicht vor ihrem Stammpublikum zu singen und von einer neutralen Jury beurteilt zu werden. "Die Sängerinnen und Sänger sind häufig sehr kritisch mit sich selbst. Über ein positives Feedback von der Jury oder von Mitgliedern anderer Chöre freut man sich natürlich sehr", bemerkt Bernhard Schmidt.

Alle drei möchten die Chance nutzen, sich auch die anderen Ensembles anzuhören und sich mit Kollegen auszutauschen. Adrian Goldner hat schon einmal am Deutschen Chorwettbewerb teilgenommen und war von der Atmosphäre begeistert. "Der Spirit, den man beim Wettbewerb spürt, ist sehr kollegial und inspiriert. Früher habe ich häufig mit Violine und Klavier bei ‚Jugend musiziert‘ mitgemacht – da herrschte ein ganz anderer Geist. Der Deutsche Chorwettbewerb dagegen ist wirklich cool."

Deutscher Chorwettbewerb: 5. bis 13. Mai in Freiburg.