Wenn man sich über die Musik begegnet

Jonathan Janz

Von Jonathan Janz

Sa, 02. Februar 2019

Klassik

Bachs Johannes-Passion als Mitsingkonzert / Ein Probenbesuch.

"Das D in der zweiten Geige Takt 35 etwas breiter, bitte", sagt einer der Dirigierstudierenden der Musikhochschule Freiburg. An diesem Freitagmorgen ist die Probe für die Aufführung der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach in vollem Gange. Es ist ein Mammutprojekt der Kooperationen. Außer den Studierenden der Fächer Dirigieren/Orchesterleitung, Dirigieren/Chorleitung und Kirchenmusik der Musikhochschule sind die Musikerinnen und Musiker des Landesjugendbarockorchesters ebenso wie die Profis des Freiburger Barockorchesters (FBO) vertreten. Auch das hochschuleigene Institut für Kirchenmusik ist an der Breitenarbeit beteiligt. Brigitte Täubl, Geigerin im FBO sagt: "Bei der Vermischung der Ensembles und dem gemeinsamen Musizieren ist es interessant zu beobachten, was geschieht, wenn man sich in der Musik und über die Musik begegnet."

Im Probenraum herrscht konzentrierte Atmosphäre. Bis zum Mitsingkonzert stehen noch einige Proben an, für eine gelungene Aufführung bedarf es der intensiven Vorbereitung aller Parteien. Heute arbeiten die Dirigierstudierenden mit kleinen Besetzungen und erstmals mit historischen Instrumenten. Chorprofessor Frank Markowitsch, Leiter des Projekts, steht mit Notenständer und Partitur im Rücken der Studierenden. Sorgsam beobachtet er die Schützlinge, gibt Ratschläge, unterbricht und korrigiert, falls nötig, spricht auch mal ein Lob aus. Das Projekt ist eine Kooperation der Möglichkeiten, eine besondere Situation, berichten die Teilnehmer. Projektidee ist die Sammlung praxisnaher Erfahrungen auf beiden Seiten – Musizieren als Werkstatt.

Insbesondere Schüler der Musik-Leistungskurse sind zum Mitsingen- und proben eingeladen – denn Bachs Johannes-Passion ist Sternchenthema im diesjährigen Musikabitur. Das Projekt bietet daher auch Raum für Abiturienten der Musikzüge. Für das Konzert am Montag werden sogar Schülerinnen und Schüler des Helmholtz-Gymnasiums aus Karlsruhe erwartet, ebenso Vertreter der Freiburger Schulen. Willkommen ist jeder, der bereits Erfahrung mit der Johannes-Passion hat. Ein Mitmachprojekt eben.

Zu hören ist die späteste Werkfassung. Nach der Uraufführung Karfreitag 1724 wurde die Johannes-Passion von Bach mehrmals umgearbeitet. Die Änderungen für die Variante von 1725 werden darauf zurückgeführt, dass Bach nicht zwei Jahre hintereinander die gleiche Version bieten wollte. Nun erklingt die letzte zu Bachs Lebzeiten aufgeführte Fassung von 1749. Jene gleicht der ersten in der Struktur, enthält aber instrumentale Erweiterungen. Die Kooperation aller Beteiligten findet unter dem Motto "Kirchenmusik erleben" statt.

Werkstatt- und Mitsingkonzert: Bachs Johannes-Passion, Montag, 4. Februar,
19 Uhr, Musikhochschule Freiburg.