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07. Februar 2012
Kunstvoll verwobenes Netz der Stimmen
Das Ensemble Anprall mit Variationen in der Kulturscheune Rabe in Kleinkems.
Der Abend beginnt mit Purcell und endet mit Strawinsky. Dazwischen liegen anderthalb spannende Konzertstunden. Spannend deshalb, weil das Ensemble Anprall interessante Bezüge und Verbindungslinien zwischen Stücken aus dem 17. und 20. Jahrhundert herstellt. Die ambitionierte Formation aus Freiburg ist bekannt für ihre sehr speziellen Programme, mit denen sie regelmäßig in der Kulturscheune Rabe in Kleinkems gastiert. Dieses Mal widmeten sich die Musiker einem Thema von schier unerschöpflicher Fülle: den Variationen, die zu den einfachsten und ältesten musikalischen Formen gehören.
Um aufzuzeigen, wie sich diese Form entwickelt hat, führte das Ensemble Anprall Werke teils aus der Barockzeit, teils von Komponisten des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart auf, so dass die Zuhörer nachvollziehen konnten, worauf solche Variationen zurückgehen. Spannend war die Gegenüberstellung von alter und neuerer Musik auch, weil sich reizvolle Instrumental-Kombinationen und eine Vielfalt der Klangfarben ergaben. Das lag schon an der ungewöhnlichen Besetzung mit der Flötistin Liz Hirst, der Klarinettistin Andrea Nagy, der Violinistin Miriam Rudolph, dem Cellisten Philipp Schiemenz und dem Pianisten Hans Fuhlbom, die aus den Variationen eine große Ausdrucksdichte, bewegte rhythmische Kraft und enorme Transparenz der Stimmen herausholten.
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In Purcells fünfstimmiger, ursprünglich für ein Gamben-Consort geschriebener "Fantasia upon one note" verstand es das Ensemble, das kunstvoll verwobene Netz der Stimmen hörbar zu machen. Ähnlich wurden in einem Ricercare von Froberger – hier setzte Nagy die Bassklarinette ein – die Linienverläufe mit aller Deutlichkeit und klanglichen Prägnanz nachgezeichnet. Dazwischen erklang "Thème et variations" für Violine und Klavier des französischen Klangmystikers Olivier Messiaen, von Miriam Rudolph und Hans Fuhlbom eindringlich interpretiert: präzise im Klavierklang und leidenschaftlich-virtuos im Geigenspiel. Großartig steigerten die beiden Interpreten das verhaltene Thema in den Variationen zu fast hymnischer Kraft, Intensität und Emphase.
Aus Ravels Klaviertrio von 1914 spielte das Ensemble die Passacaille, die an die Stelle des langsamen Satzes tritt. Rhythmisch raffiniert wird in dieser Passacaglia ein bisschen der Bachsche Geist beschworen. Klanglich verdichtet spielten Fuhlbom und die beiden Streicher diesen Satz, das hatte geschärfte Klangsensibilität und erreichte eine expressive Ausdrucksdichte.
Das Ensemble Anprall hatte auch Werke im Programm, die verkrustete Kammermusikformen aufbrechen: etwa Mauricio Kagels Variationen für gemischtes Quartett und die Variationen des Messiaen-Schülers Gilbert Amy. Ausgefeilt im Spieltechnischen und faszinierend in den instrumentalen Farben ließen sich die Musiker auf die Klanglichkeit dieser Stücke ein. Bei Kagel traten die Charaktere von Flöte, Klarinette, Geige und Cello akzentuiert hervor. Bei Amy klingt innerhalb des komplexen Gefüges manches atmosphärisch, gerade in der hellen Flöte und im Celloklang. Cellist Schiemenz legt in den Sacher-Variationen von Witold Lutoslawski – einem Werk für den Basler Mäzen Paul Sacher – einen starken Soloauftritt von Vehemenz hin, bevor das Ensemble in Strawinskys "Theme with variations" zum Schluss die musikalischen Strukturen dieser Charaktervariationen ausleuchtet.
Autor: Roswitha Frey
