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30. Januar 2012

Musikalischer USA-Trip

Neujahrskonzert des Orso philharmonic im Konzerthaus.

Kaum ist der Begrüßungsapplaus im gut besuchten Freiburger Konzerthaus verklungen, holt das Orso philharmonic zum ersten Schlag aus. Die Ouvertüre zu Bernsteins Voltaire-Operette "Candide" musiziert das semiprofessionelle Orchester unter der engagierten Leitung von Wolfgang Roese rasant und präzise. In die weite Welt hinaus geht es in "Escapades", John Williams’ Soundtrack zu Spielbergs "Catch Me If You Can". Wo Pink Panther und, sagen wir, Tschaikowsky sich gute Nacht sagen: Eine Jazz-Combo ist integriert, Helmuth Müller gefällt mit seinem introspektiven Saxophonspiel.

In seinem Neujahrskonzert nimmt das Orso mit auf eine musikalische USA-Reise. Nächste Station New England: In Charles Ives’ "Putnams Camp" sorgt Roese für den Zusammenhalt des auskomponierten Gegeneinander- und Auseinanderstrebens und nimmt sich auch Zeit für die ruhigen Momente. Die genuin amerikanische Musik, der Jazz, erklingt hier in sinfonischem Gewand: Für George Gershwins "Porgy and Bess", das nach South Carolina führt, kommen der Orso- und der Laetitia-Chor aus Furtwangen auf die Bühne, bunt gekleidet, Finger schnippend, Hüte schwenkend. Der Chor und das groß besetzte Orchester sind leider oft lauter als die Solisten. Yvonne Frazier und Derrick Lawrence füllen ihre Rollen großartig aus. Fraziers üppiger Sopran leuchtet auch in der Höhe. Der Bariton, ehemaliges Ensemblemitglied am Freiburger Theater, gestaltet jazzig frei; voller Energie ist sein Duell mit dem Chor. Das inniges Duett "Bess, You Is My Woman Now" zeigt schönste Konsonanz in Spiel und Gesang – große Oper.

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Schließlich New York: Der sachte Swing ist Gershwins "Concerto in F" ausgetrieben. Mit Verve rasen die Musiker durch das Werk. Die Steigerungsmöglichkeiten sind bald ausgereizt. Der Pianist Irakli Chumburidze, Jahrgang 1985, gestaltet seinen Part mit motorischer Stringenz. Auch im traumverlorenen Mittelteil des zweiten Satzes ist seine Tongebung kühl, sein Anschlag hart – was bei den Tonwiederholungen des Finales von Vorteil ist. Mit dem Schlussakkord reißt es ihn vom Hocker; so am Ende des dreistündigen Konzerts auch das Publikum.

Autor: Dennis Roth