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18. März 2017

Kleiner Kletterkünstler

Die Haselmaus gilt als bedroht und wurde darum zum Tier des Jahres gewählt.

  1. Haselmäuse sind flink unterwegs – auch auf Bäumen. Foto: Justus Vogt (VDN)

  2. Lecker! Futter! Foto: dpa

Psst. Die Haselmaus schläft noch. Erst Ende März wird sie aus ihrem Winterschlaf aufwachen. Und dann die große Neuigkeit erfahren: Sie ist zum Tier des Jahres 2017 gewählt worden. Allerdings wird das die Haselmaus nicht unbedingt vom Hocker hauen, sie steht nicht so auf Partys und Leute. Stattdessen wuselt sie am liebsten bei Dunkelheit durch die Wälder und sucht sich Leckereien. Mit einem Vogelei zum Beispiel füllt sich die Maus gerne den Magen, oder mit Beeren, Insekten, Samen und Knospen.

Die Haselmaus ist eigentlich gar keine Maus, sondern ein Bilch. Ein bitte was? Bilche sind kleine Nagetiere mit einem langen, oft buschigen Schwanz, die auf Bäumen und in Büschen leben und Winterschlaf halten. Der Siebenschläfer ist auch ein Bilch. Der Name Haselmaus führt also ein bisschen in die Irre. Aber das nehmen wir dem hellbraunen Tier mit dem hellen Fleck an der Brust nicht übel, dafür ist es zu süß.

Die Haselmaus ist etwa so lang wie der Daumen eines erwachsenen Menschen, plus der lange Schwanz. Sie hat dunkle Knopfaugen und ist extrem scheu. Deswegen wird man sie tagsüber nicht zu Gesicht bekommen. Da schläft sie meistens in ihrem Kobel. So heißt das kugelförmige Nest, das sie aus Gras, Laub und kleinen Ästen baut und in Büschen oder Bäumen aufhängt. Es ist etwa so groß wie eine Faust, da kann sie sich also gut reinkuscheln. Viele Haselmäuse sind aber zu faul, sich ein eigenes Nest zu bauen, sie ziehen in Nistkästen oder verlassene Nisthöhlen anderer Tiere ein.

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Wenn die Sonne untergegangen ist, geht die Haselmaus auf Futtersuche und macht nebenher eine Menge Sport. Sie balanciert auf dünnen Ästen, klettert Bäume hoch und runter und hangelt sich von Zweig zu Zweig. Dafür benutzt sie die gleiche Hangeltechnik wie Affen. Auf dem Boden ist eine Haselmaus kaum anzutreffen. Dort wäre es für sie ziemlich gefährlich. So kleine Tiere haben eine Menge Feinde. Der Fuchs nascht gerne eine Haselmaus als Imbiss zwischendurch, auch das Hermelin und der Waldkauz jagen den Mininager. Da die Haselmaus sich im Ernstfall nicht wehren kann, achtet sie darauf, dass sie nicht entdeckt wird. Wenn doch, läuft sie so schnell wie möglich weg – flink genug ist sie ja. Für den Winterschlaf sucht sich der kleine Bilch eine Erdhöhle oder einen Baumstumpf, der vor Frost schützt. Wenn es dumm läuft, wird die Haselmaus hier von einem hungrigen Wildschwein gefunden, das sie ausgräbt und frisst.

Die Haselmaus ist zwar keine Maus, aber der erste Teil ihres Namens ist immerhin richtig. Haselnüsse sind im Herbst ihr absolutes Lieblingsessen. Walnüsse sind auch okay, aber wenn sie eine Haselnuss kriegen kann, ist die Haselmaus glücklich. Das Fett der Nüsse hilft ihr, sich den Speck anzufuttern, den sie für den Winterschlaf braucht.

Die Haselmaus hat ein großes Problem: Es gibt in der Landschaft immer weniger Hecken und zu wenig Wälder mit vielen verschiedenen Baumarten und Sträuchern. So ein Mix ist wichtig für die Haselmaus, weil sie nur dort all das findet, was sie zum Leben braucht. Wenn diese Vielfalt fehlt, werden auch die Haselmäuse immer weniger. In manchen Gegenden sind sie deshalb bereits vom Aussterben bedroht.

Autor:                 Claudia Füßler