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17. September 2012 15:30 Uhr

Brauchtumsfest in Raich (Kleines Wiesental)

Bäuerliches Leben hautnah erlebt

Das Leben auf dem Land war hart, hatte aber auch seine charmanten und gute Seiten. Das konnten die Zuschauer am Sonntag beim Brauchtumsfest in Raich (Landkreis Lörrach) nacherleben.

  1. Pflügen mit dem Pferdegespann Foto: Edgar Steinfelder

  2. Beim „Holz bschla“ Foto: Edgar Steinfelder

  3. Bügeln ohne Strom geht eigentlich gar nicht so schwer... Foto: Edgar Steinfelder

  4. Mit Dreschschlägel das Spreu vom Weizenkorn trennen Foto: Edgar Steinfelder

  5. Buchenasche macht die Wäsche weiß Foto: Edgar Steinfelder

  6. Auf der Bühne wurde das Spinnen mit dem Spinnrad demonstriert. Foto: Edgar Steinfelder

  7. Vom Apfel zum Most ist es nicht weit. Foto: Edgar Steinfelder

  8. Steine schlagen war ehrliche Handarbeit. Foto: Edgar Steinfelder

  9. Standesgemäß: Zum Fest mit dem eigenen Traktor. Foto: Edgar Steinfelder

  10. Generationen, die auf der Bühne das Spinnen mit dem Spinnrad vorführen. Foto: Edgar Steinfelder

Die Heimatgeschichte des Kleinen Wiesentals wurde beim Brauchtumsfest in Raich am Sonntag wieder lebendig. Dass die Menschen großes Interesse an den Lebensbedingungen und Arbeitsweisen ihrer Vorfahren haben, bewies der Publikumsandrang auf das Gelände bei der Lindenhalle in Raich. Da gab es viel zu entdecken, so dass die Besucher aus dem Staunen nicht heraus kamen. Schon die Ausstellung alter landwirtschaftlicher Geräte gab so manches Rätsel auf – wer kennt schließlich schon Obstibi, Hanfbrechi, Fruchtschrodi oder einen Ranzespanner?

Das wohl älteste Gerät beim Brauchtumsfest war ein Strauschnieder aus dem Jahr 1854. Die einheimischen Ausstellungshelfer wurden nicht müde, die Funktionen dieser Raritäten ausführlich zu erklären.

Um alle Stände und Vorführungen zu erkunden, musste man sich viel Zeit nehmen. Da war es am Besten, sich zusammen mit dem kundigen Moderator Jürg Dörflinger auf Entdeckungsreise zu machen. Er hatte immer die passenden Erläuterungen und auch die eine oder andere Anekdote auf Lager. Auf der Bühne in der Lindenhalle etwa surrten die Spinnräder der fleißigen Landfrauen. Davor demonstrierten die Wöschwiiber, wie Leinenhemden und Bettzeug beim Waschen mit Buchenholzasche wieder blütenweiß wurden. Und die Büglerin mit dem historischen Bügeleisen brachte alles wieder in Form.

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Eine Druggete gab es bei den Vorführungen mit dem stattlichen Haflingergespann beim "Grund füere, Maje mitem Ross" und beim z’Acker fahre." Und wie kraftaufwendig man früher mit dem Dreschflegel die Spreu vom Weizen trennte, zeigten die Drescher auf dem Holztennenboden. Eine schweißtreibende Schwerstarbeit. Äußerste Präzision war dagegen beim Düchelbohren nötig; die Stämme mit dem geradlinigen Lochkanal dienten früher als Leitungsrohre. Beim Apfelmosten durften dann auch die Kinder Hand anlegen, um mit dem schweren Steinrad die Äpfel zu zerquetschen. Als dann der Apfelmost in Strömen floss, hatten sie ihre helle Freude...

Immer wieder stieß man beim Rundgang auf interessante Handwerksvorführungen. Steinklopfer, Korbflechter, Wellemacher, Holzhauer oder der Strohfinkemacher demonstrierten ihre traditionellen Handwerkskünste. Bei den "Lichtspömachern" wurde man an das Hebel-Gedicht vom Hexlein erinnert. "Und woni uffem Schnidstuehl sitz für Basseltang und Liechtspöh schnitz ..." heißt es da bekanntlich. "Üseri Viecher" war diesmal ein Schwerpunktthema. So konnten die Besucher eine große Ziegenherde sowie Rinder, Kaninchen, Ponys und Pferde betrachten. Und damit man sich nach dem ausgedehnten Rundgang stärken konnte, stand eine große Auswahl an deftigen Speisen und erfrischenden Getränken zur Verfügung. Auch hier griffen die Anbieter zu den Rezepten der Vorfahren, als Rosenküchle als Kleinwiesentäler Spezialität und Bratwürste nach historischem Rezept in traditioneller Handarbeit hergestellt wurden. Die Besucher und die Organisatoren waren sich in der Einschätzung einig: Das Brauchtumsfest in Raich ist einer der besten Werbeträger für das Kleine Wiesen dietal. Kein Wunder, dass sich auch politische Prominenz wie Landrätin Marion Dammann das Spektakel nicht entgehen ließ.

Autor: Edgar Steinfelder