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24. Januar 2017

Bergbauspuren führen nach Bürchau

BERGBAU IN NEUENWEG (TEIL 3): Mehrere Flurnamen weisen dort auf Gruben hin/ Reichlich Silber am Spitzkopf im 18. Jahrhundert.

  1. Foto: Von Eckhardju

KLEINES WIESENTAL. In den letzten Monaten hat sich ein neuer Blick auf Neuenweg und seine regionale Bedeutung ergeben. Historiker Werner Störk hat nachgezeichnet, wie Neuenweg ein Brückenkopf für Militärs und wichtige Station zwischen St. Blasien und St. Trudpert wurde. Darüber hinaus wurden am Spitzkopf Blei- und Silbererze abgebaut. Und nicht nur dort: Auch im Nachbardorf Bürchau vermutet Störk Silbergruben.

Mit den Dokumenten des Vermessers Karl Friedrich Erhardt aus dem Jahre 1773 kommt erstmals Licht in das überwiegend im Dunkel der Geschichte liegende Kapitel der Blei- und Silbergewinnung am Spitzkopf in Neuenweg. In allen Stollen war nur Schlägel- und Eisenarbeit zu erkennen, stellte Erhardt bei seiner Begehung fest. Das heißt: Selbst bei den jüngsten Abbauversuchen in Neuenweg wurde reine Handarbeit geleistet.

Auf der Gemarkungskarte von 1770 ist die "Bleygrub" am östlichen Fuß des Spitzkopfes und gegenüber dem Wüstungsareal des "Steinehof" eingetragen. Und damit ist auch klar benannt, nach was man im Berg suchte: nach abbauwürdigem Bleierz. Dies kommt in Neuenweg in Form von Bleiglanz vor.

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Bleiglanz enthält bis zu 87 Prozent Blei

Davon berichtet auch Erhardt und beschreibt eine reiche Erzführung von "grobwürflichtem Bleyglantze von 2 bis 3 Pfund" sowie "grünem Bley ertze" (Pyromorphit). Der Bleiglanz – auch Galenit genannt – ist mit seinem hohen Bleigehalt von bis zu 87 Prozent das wichtigste Erz zur Gewinnung von Blei. Aber vor allem auch wegen seines Silbergehalts von 0,1 bis 1 Prozent das wichtigste Silbererz. Die durchschnittliche Abbauwürdigkeit bei Silber im Schwarzwald beginnt bei 0,03 Prozent und 0,05 Prozent, also zwischen 300 bis 500 Gramm Erz pro Tonne Gestein. Nur in seltenen Fälle wurde eine Abbauwürdigkeit von 0,15 Prozent angetroffen. Die Neuenweger Bleigrube war – so die Einschätzung von Werner Störk nach einem intensiven Quellenstudium – zumindest in ihren Anfängen wohl eine ausgesprochen reiche Silbergrube.

Wichtig für eine zutreffende Einschätzung der Ertragslage der Grube ist Erhardts Hinweis, und dass sehr viel Erz gewonnen wurde und man deshalb "zwey Stollen über ein ander angeleget und gar nicht in die Teufe zu arbeiten nöthig gehabt hat!" Und weil der Erzgang eben noch nicht nach unten abgebaut war, sah Erhardt für die Grube weiterhin gute Chancen für eine Erzsuche.

Auch in anderen Quellen finden sich Hinweise auf die reiche Erzführung. So heißt es im Jahre 1819 – bezogen auf das Jahr 1779 – über die Neuenweger Grube: "Die Grube ist, wie mir vor 40 Jahren ein 84-jähriger Neuenweger Bewohner angab, der dabey als Karrenläufer arbeitete, Anno 1709 durch einen Bürger von Schönau mit 5 Arbeitern betrieben und wegen Kriegs-Unruhen verlassen worden. Es sey gar viel Erz da gewesen, man habe es nicht geachtet, wenn von Hafnern die Halde durchsucht, und auch Erz ausgeschieden worden".

Nimmt man die Jahresdaten als Ausgangsbasis, muss der Neuenweger Bürger 1695 geboren sein und bereits als 14-jähriger im Bergwerk gearbeitet haben. Mit dem Hinweis auf die "Hafner" ist zunächst die Berufsgruppe der Töpfer gemeint, im damaligen Sprachgebrauch aber vor allem auch als Synonym für ärmere Bevölkerungsschichten verwendet, die sich durch das Haldenabsuchen nach kleinen Erzresten einen minimalen Zuverdienst hofften.

Im Jahr 1773 vermerkt Geometer Erhardt in seinen Aufzeichnungen von "beschehener sonderbahren begebenheiten, welche einige noch lebende hiesige Bürger selbsten wollen gesehen respective und gehört haben" und berichtet davon, dass "nach Aussage 80jähriger Männer von Neüweg und Birchau sollen hieselbsten sehr reiche Silber Wercke gewesen seyn, so aber schon in dem 30jährigen Krieg verlassen worden. Man findet auch hieselbsten hie und da Ansätzte von Stollen gebaüden in taubem Gestein." Taubes Gestein bedeutet: nicht verwertbares Gestein. Dies veranlasste manchen Bergbauexperten zu der Vermutung, dass sich deren Aussage "als Erinnerungsrest mehr auf die St. Trudpertsche Belchen-Nordseite bezogen haben dürfte, im Gefolge des verdämmernden Wissens aber auf das Kleine Wiesental übertragen wurde."

Interessant dabei ist auch, dass in den meisten Quellenzitaten nur von Männern aus Neuenweg, nicht aber auch von denen aus Bürchau geschrieben wird. Offensichtlich besaßen auch die Bürchauer Wissen von Silberbergwerken. Schon länger mutmaßen Geologen und Bergbauexperten, dass eine Fortsetzung des Bleierz-Ganges der Spitzkopf-Grube über das Kleine Wiesental hinweg nach Süden möglich erscheint, aber bislang nicht gesichert ist. Dennoch läuft die Gangrichtung relativ exakt auf den Bürchauer Silberberg zu.

Und es ist nicht nur der Silberberg, sondern auch das "Silbereck", die als Flurnamen in Bürchau existieren. Grund genug, auch im Bereich von Bürchau nach archäologischen Spuren des früheren Bergbaus zu suchen. Mit der Unterstützung von Ortsvorsteher Friedrich Meier wurden dazu unlängst ältere Bürger befragt. Die Hinweise waren leider nicht ergiebig.

Doch ergab die parallel laufende intensive Auswertung großformatiger Topographiekarten eine Überraschung: Genau dort, wo bislang weder Geologen noch Mineralogen gesucht haben, finden sich "verdächtige" Flurnamen: "Auf der Grube", "Unter der Grube" und "Im Grubenwald" – da Flurnamen nicht ohne Grund so heißen, sondern oft altes Wissen widerspiegeln, wird jetzt jenes Gebiet intensiver unter die Lupe genommen.

Werner Störk hat sich unter anderem mit der Erforschung der barocken Schanzanlagen, Goldvorkommen und der Minifossi-AG einen Namen gemacht. In dieser Serie beschreibt er erstmals seine neuen Forschungsergebnisse aus Neuenweg.

Internet: http://www.minifossi.pcom.de

Autor: bz