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31. Mai 2013

Brillanter Kenner der Geschichte

Werner Störk zog die Zuhörer mit seinem Vortrag über das Kleine Wiesental und seine Besonderheiten in den Bann.

  1. Ein profunder Kenner der Geschichte ist Werner Störk – hier bei seinem Vortrag über das Kleine Wiesental in der „Krone“. Foto: Heiner Fabry

  2. Ein 460 Jahre alter Waldglastropfen aus Sallneck. Foto: Werner Störk

KLEINES WIESENTAL. In einem früheren Vortrag hatte Werner Störk das Kleine Wiesental als den "hellstrahlenden Karfunkel in der großen kulturhistorischen Schatzkammer des Landkreises" bezeichnet. Dass dieser Ausdruck in keiner Weise zu hoch gegriffen ist, machte der weit über die Region hinaus bekannte Heimat- und Geschichtsforscher beim "Krone-Frühschoppen" eindrücklich klar.

Es sind Menschen wie Werner Störk, denen für ihr gar nicht hoch genug einzuschätzendes Engagement und ihre jahrzehntelangen akribischen Forschungen, verbunden mit einer vorbildlichen Dokumentations- und Präsentationsarbeit, ein Denkmal im Bewusstsein der Menschen gebührt. Ohne seine Arbeit und die der von ihm angeleiteten Minifossis wüssten wir heute so gut wie nichts über Goldwäscherei und Bergbau, über Waldglas und Glasmacher und erst recht gar nichts über die historischen Ereignisse vergangener Jahrhunderte und die Bedeutung der Schanzanlagen im deutschen Südwesten.

Wer Werner Störk einmal bei einem seiner Vorträge erlebt hat, wird keinen weiteren Vortrag mehr auslassen, denn an Gehalt, an Fakten, an tiefgreifenden Reflexionen über die Menschen in ihrer Geschichte können es diese Präsentationen mit jedem spannenden Krimi aufnehmen. Der Referent zog die Besucher auch beim jüngsten Vortrag in seinen Bann. In mehr als drei Stunden breitete Werner Störk die Geschichte des Kleinen Wiesentals vor seinen Zuhörern aus – es war "mucksmäuschenstill", und alle blieben bis zur letzten Minute.

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Schon früher hatte Werner Störk über Goldwäscher und Bergmännlein berichtet. Jetzt erweiterte er die Beschreibung mit detaillierten Untersuchungsergebnissen zum Bergbau im Kleinen Wiesental, wies auf Silber- und Eisenerz-Stollen hin und konnte zeigen, dass der Bergbau auch hier bis ins 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle spielte. Die Entdeckung einer Erzschmelze oberhalb von Bürchau ist in diesem Zusammenhang eine echte Sensation. Eine vergleichbare Bedeutung kommt der Glasmacherei zu, die eine über Jahrhunderte reichende Tradition in der Region hat. Anhand von Oberflächenfunden machte er auf das Vorhandensein der Zeugnisse aufmerksam und ermunterte die Zuhörer, bei ihren Wanderungen auf diese Schätze aus vergangener Zeit zu achten.

Das absolut sensationellste Ergebnis, das Werner Störk seinen Zuhörern präsentieren konnte, waren seine neuen Forschungen zu den Schanzanlagen auf dem Neuenweger Hau. Mit diesen Erkenntnissen hat sich Werner Störk mit Sicherheit einen festen Platz in der Schanzenforschung gesichert. "Aufgrund ihrer besonderen Form und der Solidität ihrer Anlage stach die Neuenweger Sternschanze von Anfang an aus den übrigen Schanzanlagen heraus", erläuterte Werner Störk. Hatte er sie ursprünglich – wenn auch mit gewissen Zweifeln – in die Schanzenlinien des Türkenlouis eingeordnet, so haben seine neueren Forschungen belegt, dass diese Interpretation revidiert werden muss. Bei intensiven historischen Vergleichen stellte der Heimatforscher die frappante Ähnlichkeit der Sternschanze mit den Bauwerken des Festungsbaumeisters Sébastien Prestre de Vauban fest. Dazu kam, dass die Sternschanze an einer exponierten Lage auf der Passhöhe zwischen Neuenweg und Schönau angelegt wurde. "Hier verlief die Grenze zwischen der protestantischen Markgrafschaft und dem katholischen Reichsgebiet", erklärte Werner Störk, "und von hier aus kontrollierte man die Wege nach Kandern, Müllheim, dem Münstertal und hinunter ins große Wiesental." Die Kriegszüge der französischen Truppen gegen Schönau 1677/78 und im gleichen Jahr gegen Tegernau gingen von dieser Sternschanze aus. "Somit steht auch fest, dass diese Schanze älter ist als die Schanzenlinie des Türkenlouis", konnte Werner Störk festhalten, denn diese wurden erst zwischen 1692 und 1701 angelegt. Diese Interpretation will Werner Störk anhand der französischen Archive aus jener Zeit verifizieren, aber die Indizienkette ist schon jetzt überzeugend. Damit ist das Kleine Wiesental um eine weitere historische Rarität reicher. "Die Neuenweger Sternschanze ist dann die einzig bis heute erhaltene reine Erdwallfestung aus französischer Hand im Südschwarzwald", betonte Werner Störk, "absolut einzigartig." So einzigartig wie seine Forschungen und Vorträge.

Autor: Heiner Fabry