Damit sich die Sprache eingraviert

Heiner Fabry

Von Heiner Fabry

Di, 26. Juni 2018

Kleines Wiesental

Brauchtumsverein und Tourismusverein starten Projekt "Alemannisch g’schwätzt" im Kleinen Wiesental.

KLEINES WIESENTAL. Mit dem Projekt "Alemannisch g’schwätzt" starten der Brauchtumsverein Kleines Wiesental- Raich und der Tourismusverein eine öffentlich wirksame Aktion, mit der die alemannische Sprache im Gebiet der Gesamtgemeinde weiter gefördert und den Mitmenschen näher gebracht werden soll. Seltene – zum Teil außer Gebrauch gekommene Wörter und Redewendungen – sollen (mit einer Übersetzung) auf Metallplatten graviert und gut sichtbar an Häusern in den Teilorten der Gemeinde Kleines Wiesental angebracht werden.

Die Idee für das Projekt wurde von Günter Giesin vom Tourismusverein geboren, der sich in der Folge mit Markus Manfred Jung und Sonja Eiche vom Brauchtumsverein zusammentat, die jetzt gemeinsam die ganze Aktion vorbereitet und organisiert haben. "Es hat mich gestört, dass unsere heimische Sprache – das Alemannische – immer mehr in Vergessenheit gerät und dass die Sprache, die Teil unserer Heimat und unserer Identität ist, teilweise sogar in Schulen mit einer negativen Wertung vermittelt wird", erklärte Günter Giesin bei einem Vorgespräch.

Bei dem Besuch einer Kunstausstellung im Dorf Ötlingen bei Weil am Rhein kam ihm der Gedanke, eine vergleichbare Wirkung nicht mit Kunstwerken, sondern mit alemannischen Wörtern und Begriffen ins Leben zu rufen. "Bei diesem Rundgang im Dorf und dem Besuch der verschiedenen Ausstellungen habe ich das Dorf Ötlingen erst richtig kennengelernt", so Günter Giesin, "und ich war begeistert, wie viele spontane Begegnungen und Gespräche sich unter den Besuchern ergeben haben." Günter Giesin und Markus Manfred Jung haben also begonnen, alemannische Wörter und Redewendungen zu sammeln und sie auf Metallplatten zu dokumentieren. "Wir haben dabei auch das Alemannisch-Wörterbuch von Rudolf Post und Friedel Scheer-Nahor benutzt und versucht, zwei oder drei Wörter in einem Satz oder einer Redewendung zusammenzufassen", erläuterte Markus Manfred Jung.

Ziel ist, die rund 50 schon vorhandenen Platten am Brauchtumsfest im September in Raich vorzustellen und an Interessenten zum Preis von 50 Euro zu verkaufen. Diese Platten sollen an den Häusern – gut sichtbar – angebracht werden. Das Anbringen kann von den Hausbesitzern selbst oder von der Aktionsgruppe vorgenommen werden. Interessenten für diese Aktion können auch eigene Vorschläge für Wörter, Begriffe oder Redewendungen einbringen.

Sollten längere Texte entstehen und die Produktionskosten erhöhen, trägt die Aktionsgruppe die Kosten, die über den Preis von 50 Euro hinausgehen. Die Platten können gekauft oder verschenkt werden. "Wir denken daran, dass entlang solcher Wege durch die Dörfer die Spaziergänger aus der Region – aber auch Feriengäste – auf vergnügliche Weise das Alemannische und unser Kleines Wiesental kennenlernen, anderen Menschen begegnen und in Austausch treten", beschreibt Günter Giesin die Zielsetzung. Markus Manfred Jung ergänzt, dass ein Flyer geplant ist, auf dem in einer Karte des Kleinen Wiesentals die einzelnen Standorte solcher "Hinweise auf das Alemannische" aufgeführt sind.