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04. Februar 2017

Die Erzgrube bleibt verschlossen

BERGBAU IN NEUENWEG (TEIL 5): Vor gut 50 Jahren wurden zum letzten Mal Erkundungsarbeiten am Spitzkopf veranlasst.

  1. Viele Männer haben in Neuenweg ab dem Jahr 1700 ihr Glück im Spitzkopf versucht (links oben) – und mussten erkennen, dass sie nicht an die erhofften Blei- und Silbererze kamen. Foto: Fotos: Werner Störk, Dirk sattelberger

NEUENWEG/SCHÖNAU. In den letzten Monaten hat sich ein neuer Blick auf das Dorf Neuenweg und seine regionale Bedeutung ergeben. Historiker Werner Störk hat erforscht, wie der Ort ein Brückenkopf für Militärs und wichtige Station zwischen St. Blasien und St. Trudpert wurde. Darüber hinaus wurden über viele Jahrzehnte am Spitzkopf reichlich Blei- und Silbererze abgebaut. Doch damit war ab etwa 1770 Schluss.

Um das Jahr 1720 sollen "vier Bergleute vier Jahre auf eigene Faust gearbeitet haben", berichten die Quellen über den Stollen im Berg Spitzkopf. 1729 begehrten dann der ehemalige Bergwerkskassier der St. Georgszeche im Böschlinsgrund bei Sulzburg Johann Sebastian Nicolaj, dessen Schwager, der Sulzburger Kaufmann Hans Georg Kamperlahn und Martin Schwaldt aus Neuenweg die Belehnung mit dem Grubenfeld am "Spitzkopf" unter dem Namen "Gott hilft gewiß".

Nach Entrichtung des "Muthgroschens" (eine Gebühr für die behördliche Genehmigung) wurde ihrem Antrag am 5. Juli 1730 entsprochen und die "Fundgrube mit zwei Obern und zwei Untern Maßen auf einem flachen Gang nebst einem tiefen Erbstollen samt zugehörigen Stollrecht auf alle Metalle und Mineralien" verliehen.

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Da die neuen Grubenbesitzer gleichzeitig zwei weitere Bergwerke bei Badenweiler, das "Haus Baden" und den "Carl-Stollen", wieder in Betrieb nehmen wollten, aber auch dort erfolglos blieben, war 1731 Johann Sebastian Nicolaj bankrott. Alle drei Projekte waren gescheitert.

1773 ordneten die badischen Behörden eine geologische Untersuchung des Belchengebietes an, die man dem bereits erwähnten Geometer Erhardt übertrug. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang auch das von ihm entdeckte Anthrazit-Vorkommen an der Nordostflanke des Spitzkopfs, das sich – auch nach dem Vortrieb eines Versuchsstollens – aber nicht als wirklich abbauwürdig erwies. Grund: Die anthrazitführenden Kulmkonglomerate werden dort unmittelbar von kulmischen (anthrazitfreien) Deckenergüssen abgelöst.

Zwischen 1780 und 1790 konnte der untere Stollen noch begangen, also befahren werden, wie dies in der Bergmannssprache heißt. Der Bericht weist darauf hin, dass "die Erze sogar in neuern Zeiten nur mit Schlägel und Eisen gewonnen worden seyn weil man durchaus keine Spur von einem Bohrloch antrifft".

1819 verweisen die Quellen erneut auf die Spitzkopf-Grube. Die danach wohl zunehmend verfallene Erzgrube am Spitzkopf zog 1922 nochmals das Interesse auf sich: Der alte Erbstollen wurde geöffnet, doch die geplante Befahrung kam schon nicht mehr zustande. Warum, ist unklar.

Der untere Stollen war laut Zeitzeugen aus Neuenweg noch 1935 auf 70 Meter Länge begehbar. Um 1960 veranlasste die Gewerkschaft Finstergrund erneute Prospektionsarbeiten und dokumentierte in deren Rahmen auch Gangmaterial, das unmittelbar nördlich des Steinehofs gefunden wurde. Für Werner Störk ein weiteres Indiz dafür, dass der Steinehof unmittelbar in Zusammenhang mit der Geschichte der Spitzkopf-Grube stand.

An die Erze des Spitzkopfs bei Neuenweg hat sich jedenfalls seit 1960 niemand mehr herangewagt. Das Unternehmen Finstergrund förderte in Wieden Flussspat und bereitete es in Utzenfeld auf. Die Firma stellte dort aber die Produktion 1973 ein, weil es mit den Weltmarktpreisen für Flussspat nicht mithalten konnte

Werner Störk hat sich unter anderem mit der Erforschung der barocken Schanzanlagen, Goldvorkommen und der Minifossi-AG einen Namen gemacht. In dieser Serie beschreibt er erstmals seine neuen Forschungsergebnisse aus Neuenweg.
Internet: http://www.minifossi.pcom.de

Autor: bz