Erneuter Schanzenfund am Blauen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 22. Juni 2018

Kleines Wiesental

Historiker Werner Störk entdeckt befestigten Signalfeuer-Standort / Weiterhin Sorge um Bodendenkmäler durch Windpark-Pläne.

KLEINES WIESENTAL (BZ/nic). Nur kurze Zeit nach dem Fund einer Schanzenanlage oberhalb von Elbenschwand im Kleinen Wiesental vor rund zwei Wochen meldet Heimatforscher Werner Störk nun erneut die Entdeckung einer historischen Schanzanlage aus der Frühen Neuzeit am Höhenzug des Zeller Blauen. Diesmal hat Störk, so schreibt er, eine ausgedehnte Schanzanlage nördlich vom Elbenschwander Wolfsacker entdeckt.

In dieses Waldgebiet war Werner Störk gemeinsam mit Revierförster Rüdiger Motzke aufgebrochen, nachdem er vom Landesamt für Denkmalpflege einen Hinweis bekommen hatte. Vertreter des Amtes hatten beim sogenannten Scoping-Termin zur Vorbereitung des Windpark-Projektes am Zeller Blauen von einer bislang nicht wiederentdeckten Schanze bei Elbenschwand gesprochen. Störk und Motzke hatten daraufhin eine Anlage entdeckt, der Störk den Namen "Wolfsackerschanze" gab. "Die Auswertung der die Wolfackerschanze umgebenden Waldareale ergab dann aber auch konkrete Hinweise auf das mögliche Vorhandensein neuer Objekte – die man aber eben nicht gerade mal so bequem am PC, sondern nur vor Ort durch intensive Geländebegehungen klären kann", schreibt Werner Störk. Also machte er sich nochmal auf den Weg in den dortigen Wald.

Eine konkrete Vermutung hatte Störk bereits: "Auf einer handgezeichneten Militärkarte von 1701 – sie war einst im Besitz des badischen Markgrafen und liegt heute im Generallandesarchiv Karlsruhe – war beim Gewann Wolfsacker der Standort eines jener Alarm- und Signalfeuers eingezeichnet, das die Kommunikations-Signale per Spiegel, Feuer, Rauch und Böllern zwischen den einzelnen zum Teil weit auseinanderliegenden Schanzen gewährleisten sollte", schreibt der Historiker. Nur so konnten in der im 17. Jahrhundert noch überwiegend verkehrstechnisch kaum erschlossenen Berglandschaft die Posten schnell benachrichtigt werden – etwa wenn Feinde anrückten.

Wie eine solche "Feuerleitstelle" aussah, konnte man bislang nur erahnen – denn einen konkreten Fund, so Störk, gab es in der Region noch nicht. Bis jetzt: Störk ist oberhalb der Wolfsackerschanze tatsächlich auf die Überreste einer solchen Signalfeueranlage samt Verteidigungsbollwerken gestoßen. "Das gesamte Kern- und Außenareal umfasst rund 30 000 Quadratmeter und liegt im exponierten Kuppenbereich mit einer damals wohl – ohne den heute hohen Baumbestand – fantastischen Rundum- und Fernsicht über das gesamte Kleine Wiesental", schreibt Werner Störk. 30 000 Quadratmeter sind mehr als vier Fußballfelder groß, die Anlage ist also sehr ausgedehnt. "Ganz offensichtlich wurde der Punkt, an dem man die Feuer entfachte, gezielt von der Mannschaftsunterkunft auch räumlich gut erkennbar getrennt", vermutet Störk. Der nächste Kommunikationspunkt im Süden lag demnach auf der Südflanke des Zeller Blauens, im Norden wartete man bei Böllen auf die von hier ausgehenden Nachrichten.

Wie wichtig dieser neu entdeckte Standort auch militärisch war, zeigen laut Störk die eindrucksvollen, im Kuppenbereich mit fünf langgestreckten ringförmig angeordneten Steinwälle, welche die Anlage gegen Westen sicherten. Vergleichbare Ringwälle hat Störk bislang nur bei Schanzen auf der Hebelhöhe über Raitbach und in der Ringwallanlage auf dem Neuenweger Schlossboden entdeckt.

Bodendenkmäler dürfen "nicht unter die Räder kommen"

Störk, der ohnehin durch die Windpark-Pläne in Sorge um die historischen Schanzanlagen auf dem Zeller Blauen ist, weist auch im Zusammenhang mit diesem neuen Fund noch einmal auf die mögliche Gefährdung durch den Bau von Windrädern und zugehörigen Lkw-Zufahrten hin. "Dieser erneute überraschende Fund macht deutlich, dass man wohl alle in Frage kommenden Standorte des geplanten Windparks jetzt nochmals wirklich genau unter die Lupen nehmen muss, um sicherzustellen, dass keine schützenswerte Boden- und Kulturdenkmale im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kommen", schreibt Werner Störk. Gleichzeitig mache die neue Situation klar, "wie wichtig es gewesen wäre, bereits in einem sehr frühen Planungsstadium die in Frage kommenden Standorte nicht nur durch Entscheider im fernen Freiburg per Software überprüfen zu lassen, sondern auch jene Fachleute – inklusive aus dem Forst – mit ins Boot zu nehmen, die sich mit ihrem detailreichen Lokalwissen Vorort bestens auskennen", kritisiert Störk das Windpark-Planungsverfahren.

Störk hatte sich bereits vor Wochen zu Wort gemeldet, als der Windpark-Investor EWS die Planungskulisse für bis zu neun Windkraftanlagen am Zeller Blauen veröffentlichte. Der Historiker hatte entdeckt, dass die sogenannte Verschiebungsfläche einer Windkraftanlage bei Böllen – innerhalb der Fläche könnte das Windrad platziert werden – auf der sogenannten Holderschanze platziert ist. Weiterhin seien eine weitere Schanze sowie historische Grenzsteine gefährdet.