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18. Februar 2017

Leben und arbeiten zwischen Steinen

BERGBAU IN NEUENWEG (TEIL 6): Gegenüber der Spitzkopf-Stollen gab es bis ins 18. Jahrhundert eine Bergbau-Siedlung: der Steinehof.

  1. Hier befand sich das frühere Bergwerk am Spitzkopf. Im Hintergrund ist der Belchen zu sehen. Foto: Sattelberger

  2. Links der Spitzkopf, rechts der Steinehof. Möglicherweise gab es einen Seilzug vom Stollen zum Steinehof. Foto: Sattelberger

  3. Der Begriff Steinehof ist heute noch geläufig an der steilen Bergflanke neben der L139. Foto: sattelberger

NEUENWEG. In den letzten Monaten hat sich ein neuer Blick auf das Dorf Neuenweg und seine regionale Bedeutung ergeben. Historiker Werner Störk hat erforscht, wie der Ort ein Brückenkopf für Militärs und wichtige Station zwischen St. Blasien und St. Trudpert wurde. Darüber hinaus wurden am Spitzkopf reichlich Blei- und Silbererze abgebaut. Gegenüber des Stollens hat Werner Störk nun Reste eines Hofs entdeckt: der Steinehof.

Dort, direkt an der Landstraße von Bürchau nach Neuenweg, haben vermutlich bis ins 18. Jahrhundert Menschen das gewonnene Erz verarbeitet. Zehn bis 15 Männer dürften dort in Schichten gearbeitet und geschlafen haben. Bei der Erforschung der Holder-Schanze stieß der Schanzenspezialist und Bergbauhistoriker Werner Störk 2015 erstmals auf diesen Steinehof – auf der alten Gemarkungskarte von 1753 als "Steinihoff" gekennzeichnet. Die Karte markiert das einstige Hofareal als eine sehr auffällige, mit Wald bewachsene Flurform, die mitten in einer umzäunten Wiesen- und Mattenfläche liegt und über einen eigenen Zugangsweg verfügt. Eine landwirtschaftliche Nutzung scheidet an dem feuchten, schattigen und steilen Hang damals und heute aus. Doch welche Funktion hatte der Steinehof dann?

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Der Flurname Steinehof ist heute noch in Karten gebräuchlich. Im Gelände sind die Reste der Siedlung aber schwer erkennbar. "Archäologische Bodenspuren sind vorhanden, die erste Anhaltspunkte für die tatsächliche Existenz dieser bis dahin immer noch sehr rätselhaften Hof – Siedlung gaben", erzählt Störk. Der Begriff "Stein" geht hier wohl auf die Bedeutung von mächtigen Felsformationen zurück. Oder war "Steinehof" Ausdruck für dessen gewerbliche Bergbau-Nutzung?

Die Überprüfung schriftlicher Quellen und die mineralogische Spurensuche mit Waschbrett und Waschschüssel in der Kleinen Wiese eröffneten eine neue Sichtweise. Denn es war klar, dass sich der Spitzkopf-Gang östlich auf der gegenüberliegenden Hangseite fortsetzt – und relativ genau unter jenem Areal liegt, das auf der Karte von 1753 als "Steinihoff" gekennzeichnet ist.

Da die Spitzkopf-Grube sehr alt sein muss und auch die Steinehof-Siedlung wohl sehr früh aufgegeben wurde, sprechen einige Indizien dafür, dass der Steinehof mit großer Wahrscheinlichkeit in unmittelbarem Zusammenhang mit den frühen Bergbau-Aktivitäten am Spitzkopf zu sehen ist. Die Anfänge des dortigen Bergbaus liegen wohl im 15. Jahrhundert und haben – neben der damals neuen Ost-West-Verkehrsanbindung des "neuen Weges" (Neuenweg) – mit Sicherheit eine elementare Auswirkung auf den überraschend schnellen Aufstieg Neuenwegs vom historisch kleinen Weiler zum prosperierenden Dorf mit eigener Kirche und einer wachsenden Bevölkerung, so Werner Störk.

Die Spuren, die in der Kleinen Wiese gesichert wurden, ergeben ein erstes Bild der einstigen Siedlungsstruktur rund um den Steinehof. So gelang nicht nur ein erneuter Goldnachweis (der Erste war 1994 bei Bürchau), sondern Störk sicherte in der Waschpfanne eine große Zahl winziger metallisch-schwarzer Glaskügelchen. Erklärung: Die Kügelchen werden durch den Luftstrom in der offenen Feuerstelle mit nach oben gerissen und lagern sich in der Umgebung des Kamins ab. Diese Kügelchen weisen auf die Existenz einer Schmiede hin, die in unmittelbarer Bachnähe gestanden hat. Wobei auch bei der Erzverhüttung solche Schmelzkügelchen anfallen. Doch für eine Erzverhüttung fehlt hier die dafür typische Schlacke, die sich dann ebenfalls in unmittelbarer Gegend des Steinehofs hätte finden lassen.

Werner Störk hat sich unter anderem mit der Erforschung der barocken Schanzanlagen, Goldvorkommen und der Minifossi-AG einen Namen gemacht. In dieser Serie beschreibt der Schopfheimer erstmals seine aktuellen Forschungsergebnisse aus dem Kleinen Wiesental: in den letzten zwei Jahren entdeckte Störk zehn archäologisch bedeutsame Stellen in und um Neuenweg.
Internet: http://www.minifossi.pcom.de

Autor: Werner Störk