Leserbriefe

Werner Störk

Von Werner Störk (Schopfheim)

Sa, 05. Mai 2018

Kleines Wiesental

SCHANZE UND WINDPARK
"Keine Rechtfertigung, Kulturgut zu zerstören"
Zum BZ-Artikel "Windrad bedroht Kulturdenkmal" (3. Mai) schreibt ein Leser:
Im Artikel wird das Landesamt für Denkmalpflege Freiburg in einer Stellungnahme an das Landsamt Lörrach wie folgt zitiert: "Die geplanten WEA scheinen nicht direkt auf diesen Schanzen errichtet zu werden". Diese Feststellung ist irreführend und nachweislich falsch. Sie belegt entweder eine Unwissenheit über den geographisch-archäologischen Standort bzw. ignoriert wissentlich vorhandene Datenbanken und Kartenwerke. Die im Planungsentwurf vom 13. April vorgesehene Verschiebungs- und Zuwegungsfläche berührt nicht nur Areal der Holder-Schanze, sondern deckt es flächenmäßig mehrheitlich massiv ab. Gerade angesichts der Stellungnahme des Landesdenkmalamtes gilt auch in unserer Region gezielt das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es keine wie auch immer geartet "abwägende" kommunale oder landespolitische, weder eine technische noch wirtschaftliche Rechtfertigung dafür gibt, wertvolles Kulturgut gezielt für immer zu zerstören – als bewusster Akt der Vernichtung zugunsten eines scheinbar offenbar alles legitimierenden "Fortschritts" – leider noch unterstützt durch den sehr zweifelhaften Segen der Behörden. Als wichtige Brückenpfeiler der Erinnerung sind auch die Schanzen bedeutsame Zeugen jener extrem unfriedlichen Zeiten und werden so für alle nachfolgenden Generationen auch zu stillen und dennoch eindrucksvollen Friedensmahnern. Schon allein deshalb sollten wir sie respektieren, schätzen und schützen. Dafür muss man nicht ein "glühender Heimatforscher" sein – nur einfach ein Mensch, der Natur und Kultur schätzt und respektiert. Die Schanzen bleiben einzigartige, wertvolle, schätzens- und schützenswerte Zeugnisse unserer Vergangenheit: Sie gehören zu uns wie die Wurzeln zu einem Baum, sie sind fester Bestandteil unserer Geschichte und damit auch Teil unserer Identität. Und besitzen – weit über die Region des Kleinen wie des Großen Wiesentals hinaus – ein wirklich beeindruckendes Alleinstellungsmerkmal. Werner Störk, Schopfheim

WINDPARK AM ZELLER BLAUEN
"Man wird als Gegner von vielen Seiten angegriffen"
Zum Artikel: Es entstehen "Gräben bis in Familien hinein" vom 28. April schreibt ein Leser:
"Ich möchte keine Atomkraft, bin für einen mittelfristigen Ausstieg aus dem Kohleabbau und halte Windkraft für eine überlegenswerte Alternative dazu", heißt es in dem öffentlichen Brief, der von mehr als 90 Bürgern aus dem Kleinen Wiesental unterschrieben wurde. Wären die Unterzeichner dieses Briefs bei der Informationsveranstaltung der BI am 27. April in Gresgen gewesen, könnten sie diesen Satz vermutlich nicht mehr so leichtfertig unterzeichnen. Dort wurde das Thema Windkraft und auch Alternativen in einer, wie in dem öffentlichen Brief gewünschten, sachlichen und öffentlichen Debatte auch mit Vertretern der EWS diskutiert. Leider hat sich nicht einer dieser Unterzeichner zu Wort gemeldet. Auch Herr Schönbett sowie der Großteil der Gemeinderäte des Kleinen Wiesentals, glänzten durch Abwesenheit. Und das, was man in dem Artikel der BZ von Herrn Kapitz vom 30. April über die Informationsveranstaltung liest, wirft bei mir die Frage auf, ob Herr Kapitz entweder auf einer komplett anderen Veranstaltung war, die Hälfte des Beitrags von Herrn Roos verschlafen, oder einfach nur sehr einseitig berichtet hat. Auch ich empfinde den Umgangston, der zum Thema Windkraft im Kleinen Wiesental vorherrscht besorgniserregend bis hin zu verletzend. Wenn man zurückdenkt, wie leichtfertig die Sorgen der Bürger von Gemeinderäten oder dem Bürgermeister mit nach wie vor fehlendem Fachwissen zu Gesundheitsfragen schlichtweg ignoriert wurden, oder wie Herr Schönbett mit seinen Bürgern umgeht, so finde ich das extrem besorgniserregend. Oder dass Plakate einfach abgerissen und zerstört werden. Man wird als Gegner des geplanten Windparks von vielen Seiten angegriffen und zwar genau nicht auf der gewünschten, sachlichen Ebene. Nicht zuletzt dadurch entstehen Gräben und Anfeindungen in der Gemeinde. Dass sich der Verein Erneuerbare Energien Kleines Wiesental grundsätzlich pro Windkraft positioniert, war auch vor der öffentlichen Stellungnahme klar. Die Frage, die ich an den Verein gestellt habe, war, ob der Verein die aktuellen Entwicklungen sowie diesen geplanten Windpark so unterstützt und ob er sich mit der Satzung des Vereins (gleich an erster Stelle steht hier "Zweck des Vereins ist die Förderung von Umwelt- und Naturschutz"), vereinbaren lässt. Hierauf habe ich bis heute keine klare Antwort erhalten. Dass sich der Verein aber eben genau nicht an der öffentlichen Debatte beteiligt und informiert, war daraus ersichtlich, dass keiner der Windparkbefürworter des Vereins an der Informationsveranstaltung in Gresgen teilnahm, dabei hätten genau hier Grundlagen für Diskussionen und Abwägungen getroffen, und Anknüpfungspunkte an Alternativen gefunden werden können.

Daniel Senn, Kleines Wiesental

"Subjektiv verbrämte Berichterstattung"
Leserbrief zum Bericht "Schlagabtausch beim Windkraft-Infoabend" vom 30. April:
Beim Lesen dieses Berichtes muss ich mich fragen, ob der Autor auf der gleichen Veranstaltung war wie ich. Es drängt sich der Verdacht auf, dass er zumindest an diesem Abend ideell wie auch räumlich ziemlich nahe bei den anwesenden EWS-Verantwortlichen war. Nach meiner Zählung waren weit mehr als 200 Zuhörer anwesend, aufgrund des starken Andrangs musste mehrfach nachbestuhlt werden. Die sachlichen Ausführungen und Studienbelege von Professor Werner Roos zu den Gefahren – und zu den schlussendlichen geringen Erträgen der örtlichen Windkraft – werden vom Autor als "Uni-Vorlesung" bezeichnet, "welcher nicht jeder Zuhörer folgen konnte". Von den Zuhörern kenne ich keinen, der nicht folgen konnte; wie es diesbezüglich beim Redakteur der Badischen Zeitung steht, weiß ich nicht. Professor Roos hat klar, verständlich und illustrativ dargestellt, wo und in welchem Umfang die Gefahren der Windkraftanlagen bestehen. Insbesondere informierte er sehr nachvollziehbar über die Gesundheitsgefahren durch den bis zu mehrere Kilometer reichenden Infraschall der Windkraftanlagen. Der Objektivität des Berichtes hätte es ebenfalls gut getan, wenn auch über den kritischen Zuhörerbeitrag einer Gersbacherin berichtet worden wäre. Die Teilnehmerin sprach konkret die EWS-Verantwortlichen darauf an, dass diese für die Zweifel und Fragen der Bewohner beim Bau der Windräder oft nicht erreichbar waren. Auch berichtete sie über die Tatsache, die Windräder bei Nebel und Schnee deutlich zu hören. Derartige klimatische Verhältnisse kommen in Gersbach ja öfters vor! Dieser wichtige Einwand wurde im Bericht des Redakteurs schlicht unterschlagen. Auch fehlt der wichtige Beitrag eines Zuhörers, es sei nicht schwierig, in gegenseitigem Einvernehmen einen fehlerhaften Vertrag aufzulösen – guter Willen bei den Vertragsparteien (Gemeinden und EWS) vorausgesetzt. Weiterhin stimmt die im Bericht zu lesende Begründung zum fast vollzähligen Fernbleiben der örtlichen Gemeinderäte als Bürgervertreter sehr nachdenklich. Das vom Autor erwähnte "hämische Gelächter" der Zuhörer bei den Ausführungen der Befürworter solcher Windkraftanlagen in der Region war die nachvollziehbare Reaktion auf die – nach meinem Empfinden – aggressiv und unsachlich vorgetragenen Diskussionsbeiträge und Ausführungen des EWS-Verantwortlichen Daniel Weiß. Über eine solch subjektiv verbrämte Berichterstattung bin ich von der Badischen Zeitung als langjähriger Leser enttäuscht. Eine Qualitätskontrolle – nicht zu verwechseln mit einer Zensur – wäre bei diesem Bericht angemessen gewesen. Und wiedermal gilt: "Ein Schelm, der dabei...."! Und noch eine Anregung. Der aktuellen Aktion der BZ "Wie steht es um das Vertrauen in die Medien?" könnte dieser Sachverhalt als Paradebeispiel dienen. Christoph Schweizer, Kleines Wiesental