Manege wird zur wahren Zauberkiste

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 23. August 2018

Kleines Wiesental

Mit dem Flair einer vergangenen Zirkuszeit: Die Artisten von "Fahraway" faszinieren ein großes Publikum am Rosenhof.

KEINES WIESENTAL-TEGERNAU. Staunen, schmunzeln, genießen: Der etwas andere Zirkus Fahraway ist auf seiner Sommertour am Dienstag und Mittwoch erstmals im Rosenhof in Schwand aufgetreten und hat den weitläufigen Garten in eine Freilichtmanege verwandelt. Mit atemberaubender Akrobatik in luftiger Höhe am Trapez und Vertikalseil, blitzschnellen Jonglagen, Körperpyramiden und witzig-theatralischen Szenen verzauberten die vier Artisten, begleitet von zwei Livemusikern, die vielen Zuschauer.

Seit Mitte Juli ist die Truppe mit Traktor und ihren liebevoll renovierten Holzwagen auf Sommertournee unterwegs in der Schweiz und Frankreich und machte auch einen Abstecher in den Kulturraum Rosenhof. Dort fanden sie eine ideale Atmosphäre inmitten idyllischer Natur für ihr Zirkusstück "Drüll" in der Inszenierung von Basil Erny.

Die junge Truppe hat ihren festen Standort in Arlesheim und am Dreispitz in Basel, wo die Artisten ihre Trainingsstation haben und teilweise auch wohnen. Der besondere Charme von Fahraway liegt darin, dass die sechs Zirkuskünstler und ihre drei Helfer hinter den Kulissen alles selber machen: Sie fahren die Traktoren, sie haben die hölzernen Wagen, mit denen früher Möbel transportiert wurden, liebevoll restauriert und umgebaut. Sie haben ihre eigene fahrende Küche dabei und öffnen vor und nach der Vorstellung in einem der Wagen die "Bar" und Crêperie. Sie stellen vor Ort die Stühle, Tischchen und die selbst gepolsterten und bemalten Bänke für die Zuschauer auf.

Dicht an dicht säumten die Zuschauer die drehbare Bühne, die sich im Laufe des Abends als wahre Zauberkiste entpuppen sollte. Der Auf-, Ab- und Umbau der Bühnenelemente ist in die Show miteinbezogen, und auch die Musik macht die reisende Zirkustruppe selbst: Donath Weyeneth und Beni Kobi bringen mit humorvollen, skurril-schrägen Liedern auf Schwyzerdütsch und allerlei Instrumentarium wie Gitarren, Perkussion und Synthesizer Schwung und eine eigenwillige Note in die artistischen Nummern. Wenn die Bühne anfängt, sich zu drehen wie ein Karussell, singt das Musikerduo inbrünstig "Dreh mich noch ein Stückchen weiter", während die Akrobaten mit viel Humor, Spielwitz und artistischem Können ihre Kunststücke vollführen.

Solvejg Weyeneth, Nina Wey, Valentin Steinemann und Ezra Weill jonglieren und balancieren in einer unglaublichen Geschicklichkeit und lassen die Nummern wunderbar unangestrengt wirken. Ezra Weill jongliert mühelos mit fünf Hüten gleichzeitig an Füßen, Händen und auf dem Kopf, Solveigh Weyeneth zeigt sich als Meisterin im Diabolo-Spiel. Derweil umrundet Kollegin Nina Wey auf dem Fahrrad den Platz und sorgt für Running Gags.

Valentin Steinemann bewegt sich derart geschmeidig an und auf der mobilen Scheibe, als gäbe es keine Schwerkraft.

Ob sie sich kopfüber in die Arme ihrer Kollegen stürzen, einen Turm von Körpern bilden oder im Kopf- und Handstand eine Runde auf der Drehbühne drehen: Die ausgebildeten Zirkuskünstler bringen ihr Publikum, darunter auch viele Kinder, zum Staunen. Je später der Abend, desto waghalsiger die Nummern. Aus der Drehbühne wird ein Riesenrad, das Steinemann wie eine gigantische Schaukel in Bewegung setzt, dabei balanciert, klettert und blitzschnell von den rollenden Rohren auf- und abspringt. Seine Artistenkollegen tun es ihm gleich und so rollen und balancieren sie zu viert in dieser spektakulären Nummer.

Noch atemberaubender wird es bei der Artistik am Vertikalseil und am Trapez. Valentin Steinemann und Ezra Weill vollführen an diesem Seil in luftiger Höhe unfassbar wendig tolle Nummern, während sie sich Hüte zuwerfen und damit jonglieren. Gebannte Faszination, wenn Nina Wey am Trapez ihre schlangengleiche Körperakrobatik vorführt: alles ohne Netz und doppelten Boden.

Das Publikum belohnte diese Mischung aus Akrobatik, clowneskem Theater und Livemusik mit riesigem Beifall. Nach der Hutsammlung war der Abend noch lange nicht zu Ende, denn die Crêperie in dem zur Bar umfunktionierten Zirkuswagen war wieder geöffnet und die Artisten mischten sich unter die Besucher: ein Zirkuserlebnis von ganz eigenem Charme, sympathisch und erfrischend originell.