Schanze bei Elbenschwand entdeckt

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 14. Juni 2018

Kleines Wiesental

Werner Störk und Förster Motzke entdecken am Zeller Blauen weitere historische Bollwerke / Ebenfalls durch Windpark gefährdet.

KLEINES WIESENTAL (BZ/nic). Im Wald oberhalb von Elbenschwand haben Heimatforscher Werner Störk und Revierförster Rüdiger Motzke eine weitere historische Schanzenanlage aus der frühen Neuzeit entdeckt. Der entscheidende Hinweis auf das Bollwerk war vor einigen Tagen vom Landesdenkmalamt gekommen. Die Anlage hatte offenbar früher die Aufgabe, den Übergang vom Kleinen ins Obere Wiesental über den Wolfsacker zu sichern. Werner Störk hat sie daher "Wolfsackerschanze" getauft. Auch die jetzt entdeckte Schanze sei, so der Historiker, vom Bau des geplanten Windparks am Zeller Blauen bedroht.

Ein Hinweis des Landesamtes für Denkmalpflege beim Windpark-Scoping-Treffen im Landratsamt Lörrach (BZ berichtete) gab den Impuls für eine erneute intensive Suche im Wald bei Elbenschwand. So schreibt es Werner Störk in einem Brief an die BZ. Man habe hier eine bislang unbekannte Schanze entdeckt, die bei der geplanten Zuwegung zum Windpark möglicherweise gefährdet sei. Der für den dortigen Wald zuständige Revierleiter Rüdiger Motzke nahm daraufhin das fragliche Terrain genauer unter die Lupe und fand dort noch weitere Geländeformen, die er auf Grund ihrer speziellen Form ebenfalls mit dem Schanzenbau um 1700 in Verbindung brachte.

Bei der Führung auf der Holderschanze zwischen Neuenweg und Böllen im Rahmen der Grenzsteinsuche vor wenigen Wochen teilte Rüdiger Motzke seinen Fund dem Schopfheimer Lokalhistoriker und Schanzenexperten Werner Störk mit, worauf beide sich für eine gemeinsame Begehung verabredeten. Und obwohl es an dem vereinbarten Tag wie aus Eimern schüttete – "die Tränen der Schanzbauern" schreibt Werner Störk rückblickend – gingen Förster und Historiker über Stunden gemeinsam alle fraglichen Waldflächen sorgfältig Schritt für Schritt ab. Das Ganze endete "mit einem völlig unerwarteten und auch archäologisch höchst erstaunlichem Ergebnis", so Störk. Zunächst wurde schnell klar, dass es sich bei der angeblichen Schanze, die das Landesamt für Denkmalpflege beim Scoping-Termin erwähnte, keinesfalls um eine Schanze handelte, sondern lediglich um ein Teilstück der markgräflichen vorderen Verteidigungslinie. Diese sogenannte Vordere Linie sollte das einstige vorderösterreichische Wiesental ab Zell und vor allem das mehrfach von französischen Truppen überfallene Schönau schützen.

Der nun entdeckte Teil besteht aus einem – so heißt es im Fachjargon – "ausspringenden Winkel" sowie sich jeweils nördlich und südlich anschließenden Sperrgräben. Der zwischen den Sperrgräben eingebaute Winkel ist, so Werner Störk, optimal durch ein natürliches Annäherungshindernis geschützt: ein ausgedehntes, wohl schon damals nicht begehbares Feuchtgebiet, wobei eine der Quellen für die früher hier stationierten Wachmannschaften die Trinkwasserversorgung garantierte. Für Werner Störk warf der Fund dieses Relikts der Verteidigungslinie aber eine weitere wichtige Frage auf: "Eine solche ausgedehnte Linien-Anlage – immerhin rund 200 Meter lang – baut man nicht ins Leere. Wo ist die dazugehörende Schanze?" Die Karten des Landesamtes für Denkmalpflege zeigten keine weiteren Spuren. Also schlugen sich Werner Störk und Rüdiger Motzke erneut ins Unterholz – mit Erfolg. Verstürzte Steinmauern zeugen einige Meter weiter von einer hier einst errichteten Schanzanlage, etwa 20 auf 20 Meter groß, die zur Sicherung der historischen Wegverbindung zwischen Zell, Elbenschwand und Bürchau gebaut worden sein muss, so Störk. "Damit wurde der hier strategisch wichtige Wolfsackerpass geschützt." Wie wichtig dieser Passübergang war, belegen laut Störk auch die vier Schanzen auf der Ostseite auf Zeller Gebiet, die diesen Zugang intensiv überwachten.

Abgerundet wird der archäologische Fund laut Werner Störk durch einen Laufgraben und die bereits auf einer militärischen Karte von 1701 eingezeichnet Stelle auf dem Wolfsacker, die damals als Standort für ein Signal- und Alarmfeuer diente und mit den anderen Signalstellen in Böllen, Wieden und Muggenbrunn sowie auf dem Zeller Blauen mittels Spiegel, Feuer und Rauch korrespondierte.

"Der unerwartet aktuelle Fund wird nun – wie auch der Standort der Holderschanze – im Zusammenhang mit der geplanten Errichtung des Windparks Zeller Blauen das Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Energiewende neu beleben", schreibt Werner Störk. Denn diese neu entdeckte Anlage liege genau auf einem ausgesprochen wichtigen Zuwegungspunkt zu einer der bis zu neun geplanten Windkraftanlagen. "Die Diskussion wird zeigen, inwiefern man auch hier einem anerkannten Boden- und Kulturdenkmal den entsprechenden Schutz gewährt – oder nicht", so Störk.

Der Heimatforscher war bereits in den vergangenen Wochen aktiv geworden, als in der Planungskulisse für den Windpark aus seiner Sicht deutlich wurde, dass beim Bau der Anlagen mindestens die Holderschanze bei Neuenweg, vermutlich aber auch weitere Schanzanlagen auf dem Höhenzug gefährdet wären.