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02. Juni 2014 13:48 Uhr

Über 300 Jahre alte Grabplatte enträtselt

Wer war Johann von Markloffsky?

Eine alte Grabplatte in Neuenweg (Kreis Lörrach) erhält wieder einen Namen. Und erzählt das Ende eines Duells, das vor über 300 Jahren tödlich endete

  1. Historiker Werner Störk Foto: André Hönig

NEUENWEG/TEGERNAU. Für Kirchgänger ist eine alte Grabplatte an der Neuenweger Kirche ein gewohnter Anblick, und das schon seit weit über 100 Jahren. Über ihre Bedeutung wurde vielfach gerätselt. Vergebens. Doch jetzt scheint es, als ob Heimatforscher Werner Störk der Grabplatte ihr Rätsel entrissen hat. Es geht um nicht weniger als Mord oder Totschlag.

Das Epitaph von Neuenweg ist eine 130 Zentimeter hohe und 88 Zentimeter breite Grabplatte aus Buntsandstein und zeigt einen doppelten Stierkopf und Nasenring als Wappen, Straußenfedern und einen umfangreichen Leichentext.

Dort heißt es: "Was mein Gott will, das gescheh allzeit. Amen". Als Lied wurde es durch Johann Sebastian Bach in der Matthäus-Passion weltbekannt. Diese Gedenkplatte hängt seit 1808 am Seitenportal der neuen Nikolauskirche über dem Dorf Neuenweg. Davor war sie an der erstmals 1310 urkundlich erwähnten, alten Kirche im Dorf angebracht. "Das blutige Geheimnis der Grabplatte an der St. Nikolauskirche in Neuenweg" lüftete Werner Störk beim jüngsten "Krone"-Frühschoppen in Tegernau.

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Anhand der etwa 500 Kilogramm schweren Grabplatte wurden die Besucher in einen historischen Kriminalfall auf europäischer Ebene im Kleinen Wiesental eingebunden. Sie konnten eine intensive Spurensuche durch ganz Europa in hiesigen Kirchenbüchern, in Archiven in Baden, Bayern, Sachsen, Österreich, Polen, in der Tschechischen Republik unter anderem in einer antiquarisch erworbenen Familienchronik und im Internet hautnah miterleben. Eine Spurensuche über zehn Jahre. Diese Bemühungen gaben einer bislang unbekannten Person erstmals wieder eine konkrete Gestalt: Johann von Markloffsky. Ihm gilt die Grabplatte.

Die Spurensuche von Werner Störk, einem Kenner der Regionalgeschichte, deckte den Schicksalsweg eines Menschen auf, der vor über 300 Jahren im Alter von 43 Jahren einer Bluttat zum Opfer fiel. Johann von Markloffsky ist demnach 1691 erstochen worden. Er gehörte dem Adelsgeschlecht Wieniawa an, das die polnischen Könige stellte und an dem bekannten Prager Fenstersturz zum 30-jährigen Krieg beteiligt war. Markloffsky sei ein typischer Berufssoldat gewesen, der beim Kaiser, bei den Kurfürsten von Bayern und Sachsen und auch in Baden anheuerte, berichtete Werner Störk.

War Markloffsky der Erbauer der berühmten und heute noch sichtbaren Verteidigungsschanzen auf dem Hau? War er auch Schanzenkommandant? Und Warum sind die Gerichtsakten darüber verschwunden? Nicht alle Fragen sind endgültig geklärt. Sicher ist: Seit 1688 bestand Duellverbot "zu Ross und zu Fuß". Wer sich trotzdem duellierte und dabei starb, wurde ehrlos und unchristlich auf einem "Schindanger" (einer Grube abseits des Friedhofs) verscharrt. Ist diese 1692 unter Zeitdruck und damit sehr fehlerhaft bearbeitete Grabplatte als letztes ehrendes Andenken der Familie in Neuenweg, weit weg von Kaiser und sächsischen Kurfürsten, entstanden? Dafür spreche, dass das Familienarchiv seinen Namen ausspart. Das könne nur von oben angeordnet worden sein, um der Familie die Schande zu ersparen.

Demnach wäre der damals 43-Jährige bei einem Ehrenhändel mit dem Säbel zu Tode gekommen. "Alle Indizien weisen auf diese Situation hin", sagt Werner Störk. Dazu gehöre auch, dass Markloffsky keinen offiziellen Begräbnisort hat. "Ob er beim Duell Sieger oder Unterlegener war, ist unbekannt, denn auch Siegern wurde mit der Todesstrafe gedroht", sagt Störk. Er vermutet aber, dass Markloffsky im Duell starb.

Dieser sonntägliche "Krone"-Frühschoppen war "Heimatgeschichte par excellence und Spannung pur", freute sich Initiator Hans Viardot aus Tegernau.

Das Epitaph ist Thema im neuen Markgräfler Geschichtsheft. Vorstellung im Gasthof "Rothenburg" am 18. Juli, 19 Uhr. Weiteres Thema: Das "Krone-Fläschen" aus Tegernau

Autor: Dirk Sattelberger